Katholikenrat im Bistum Fulda
Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zu Missbrauchsfällen und Ökumene
Zufrieden zeigten sich die drei Fuldaer Delegierten im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) nach Abschluss der Frühjahrsvollversammlung. Prägende Themen waren die Diskussion über Missbräuche und die Einladung zum Ökumenischen Kirchentag.
Breiten Raum nahm die Aussprache über Missbrauchsfälle ein. Richard Pfeifer (Biebergemünd): „Mich hat besonders der offene und vorwärtsgerichtete Vortrag von Pater Dr. Klaus Mertes SJ berührt, der einer der ersten war, der diese schrecklichen Fälle öffentlich gemacht hat.“ Mertes hatte die Kirche zum Zuhören aufgerufen und gleichzeitig ihre Sprachlosigkeit dokumentiert. „Gibt es Themen, bei denen wir als Kirche sprachlos sind? Sprachlos, weil wir uns gefährden, wenn wir darüber sprechen? Sprachlos, weil die auszusprechende Wahrheit zu bitter, zu unschön ist?“, so Mertes.
Einig sind sich die drei Delegierten des Katholikenrats in ihrer Rückendeckung für den ZdK-Präsidenten Alois Glück. Er hatte gefordert, nach der Klärung der aktuellen Fälle seien „offene, ehrliche und tabufreie Beratungen“ darüber notwendig, welche weiteren Schlussfolgerungen zu ziehen sind. Glück wörtlich: „Wir brauchen keine Angst davor zu haben, dass durch Transparenz auch die Unvollkommenheit unserer Kirche, ihr ständiger Reformbedarf sichtbar wird. Solche Unvollkommenheit schreckt nicht ab. Abschreckend – weil unglaubwürdig – wirkt, wenn hinter einer Fassade scheinbarer Vollkommenheit und einem entsprechenden Anspruch nach außen dann Fehler oder gar Skandale sichtbar werden.“
Aufruf zum Ökumenischen Kirchentag
Auch der nahe Ökumenische Kirchentag war Thema in München. Marcus Leitschuh (Kassel): „Wir haben in einer Erklärung dazu aufgerufen, den 2. Ökumenischen Kirchentag zu einem großen Fest werden zu lassen, bei dem natürlich die Krisen dieser Tage einen Platz haben werden.“ Das ZdK habe seine Grundüberzeugung, bekräftigt, dass "katholisch sein immer auch ökumenisch sein bedeutet".
Das Bistum Fulda wird einen gemeinsamen Stand mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in einer Messehalle haben. „Wir hoffen, dass sich viele Christen aus dem Bistum Fulda noch als Dauerteilnehmer anmelden oder als Tagesgast nach München kommen“, so Leitschuh. Der 2. Ökumenische Kirchentag findet vom 12. bis 16. Mai 2010 statt. Bisher haben sich schon über 100.000 Teilnehmer angemeldet.
Weitere Themen waren der Dialog mit dem Islam sowie – aktuell am Tag nach dem Tod von vier Bundeswehrsoldaten in Afghanistan – das Thema Friedensethik. Maria-Luise Niemetz (Bad Karlshafen): „Diese Vollversammlung hat gezeigt, dass wir sehr ernsthaft die aktuellen Themen des Missbrauchs angehen, aber auch über den Tellerrand hinaus schauen und uns fragen, wo die Meinung katholischer Laien wichtig ist.“
20. April 2010
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