Katholikenrat im Bistum Fulda
Katholikenratsdebatte zu Entwicklungschancen
Die Vollversammlung des Katholikenrates tagte am vergangenen Wochenende Hünfelder Bonifatiuskloster. Neben den Berichten aus der Ratsarbeit präsentierte Prof. Dr. Richard Hartmann wichtige Ergebnisse aus den Briefen der Hoffnung, die aus allen Pastoralverbünden an Bischof Algermissen geschrieben worden sind. Die Vollversammlung beriet über die Zukunft der Pastoral und der Pfarrgemeinderäte.
Der Freitagabend war der parlamentarischen Arbeit des Laiengremiums gewidmet. Neben den Berichten des Vorsitzenden und der Projektgruppenleiter sowie der Vertreter im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und im Kirchensteuerrat beschloss der Katholikenrat, sich dafür einzusetzen, dass das Angebot von ‚Tagen religiöser Orientierung’ für alle Schulformen deutlich ausgeweitet wird. In einer weiteren Resolution, die im Anschluss an diese Meldung dokumentiert ist, forderte er zum Austieg aus der Kernenergie auf. Der Katholikenrat schlägt außerdem das Ehepaar Ismail und Abla Khatib für den Friedensnobelpreis vor. Ein Sohn der Familie war beim Spielen von einem israelischen Soldaten erschossen worden. Die Eltern hatten sich daraufhin bereiterklärt, die Organe für kranke israelische Kinder zur Transplantation zur Verfügung zu stellen. „Dieser Entschluss von Frau und Herrn Khatib verdient allerhöchste Hochachtung – der Friedensnobelpreis wäre eine angemessene Würdigung“, so der Vorsitzende des Katholikenrates Richard Pfeifer (Biebergemünd-Kassel).
Am Samstagmorgen sprach Prof. Dr. Richard Hartmann zum Thema „Kirche konkret - Entwicklungschancen der Pastoralverbünde anhand von Beispielen aus den Briefen der Hoffnung“. Prof. Hartmann gab eine Übersicht über die Schreiben aus den Pastoralverbünden und bezog sich besonders auf vier thematische Schwerpunkte:
Selbstbild der Gemeinden
Aus den Briefen gehe hervor, dass die meisten Gemeinden hoffen, dass Gemeinde am Ort bleibt und weiterlebt. Damit sei häufig verbunden, dass ein Pfarrer da sei und Gottesdienste gefeiert werden. Die Lebendigkeit einer Gemeinde drücke sich für viele in einem „je mehr passiert, desto besser“ aus. Dies sei einerseits richtig, reiche aber andererseits nicht. Die Gemeinden müssten sich immer wieder Zeit nehmen, um bei ihrem Tun das Gelingen des Lebens, die Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen, in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen. Das, was das Selbstverständnis der Menschen ausmache, sei nämlich die erste Aufgabe jeder kirchlichen Ebene und der Kern dessen, was Christen ausmache.
Ehrenamt und die Rolle der Pfarrgemeinderäte
Das Verhältnis zwischen Haupt- und Ehrenamt und die Rolle der Pfarrgemeinderäte, seien ein zweiter wichtiger Themenpunkt der Hoffnungsbriefe. Einzelne Briefe verdeutlichten schwierige Situationen in der Zusammenarbeit und einen Mangel an Anerkennung, Wertschätzung und Vertrauen. Das Zweite Vatikanische Konzil spreche in seiner Konstitution Lumen Gentium aber von einer echten Teilhabe der Laien an der heilmachenden Sendung der Kirche. Für die neu gewählten Pfarrgemeinderäte bedeutet dies deshalb zu Beginn ihres Einsatzes, ihre Motivation und ihre Charismen entfalten zu können und nicht von vorneherein zur Übernahme festgelegter Traditionen und Aufgaben genötigt zu werden.
missionarische Pastoral
Die Verantwortung der Pastoralverbünde war ein dritter Punkt der Rückmeldungen in den Briefen der Hoffnung. Die Pastoralverbünde würden zunehmend Orte der Wahrnehmung und Konzeption werden. Dort gelte es, Zeichen und Herausforderungen im Lebensraum zu erkennen, damit Kirche missionarisch auf alle Menschen zugehen kann. Im Pastoralverbund sei es dann auch erforderlich, Konzeptionen zu erarbeiten und gezielt Projekte durchzuführen.
aus Ideen lernen
Die Hoffnungsbriefe seien viertens auch ein Ort, an dem neue Ideen aufleuchten und dokumentiert werden. Deshalb würden die Pastoralverbünde zunehmend zu einem Ort, der eine Kultur des voneinander Lernens sei. Die Hoffnungsbriefe böten Material, dass zur gegenseitigen Bereicherung diene und zur Weiterarbeit und zum Umdenken anrege.
Die Katholikenratsmitglieder vertieften das Gesagte anschließend in vier Arbeitsgruppen:
Gemeinde sein – für sich selber oder für die Welt?
Ehrenamt / Hauptamt – Ausrichtung für die Zukunft!
Rolle des Pastoralverbundsrates / Pfarrgemeinderates in der Seelsorge: Konzeptions- / Handlungsebene
Ideen- und Erfahrungsaustausch zwischen den Pastoralverbünden nutzen
„Prof. Dr. Hartmann hat mit seinem Bericht die Entwicklungschancen unserer Gemeinden und Pastoralverbünde in ein hoffnungsvolles Licht gerückt. Es liegt nun daran, dass Laien, Priester, Katholikenrat und Bistumsleitung gemeinsam praktikable und gute Wege finden, damit die Seelsorge und unser katholischer Glaube in unserem Bistum eine Zukunft hat“, so Richard Pfeifer.
Die Stellungnahmen und Resolutionen des Katholikenrates sind auf der Webseite des Bistums Fulda abrufbar oder per Mail erhältlich unter
Katholikenrat@bistum-fulda.de
Beschluss der Vollversammlung des Katholikenrats am 26.3.2011
"Angesicht der schlimmen Ereignisse der letzten Wochen in Japan und der daraus resultierenden radioaktiven Verstrahlung wird uns vor Augen geführt, wie verwundbar die Schöpfung durch unser menschliches Handeln ist.
Es ist deutlich zu erkennen, dass sich diese Katastrophe nicht nur auf die Region Asien beschränken wird. Die radioaktive Verstrahlung betrifft unsere ganze Erde.
Lebensmittel und Trinkwasser sind betroffen, Pflanzen- und Tierwelt werden sich verändern und auf längerer Sicht werden auch die Menschen in Europa die Folgen zu spüren bekommen.
Um in dieser schwierigen Situation die Hoffung nicht zu verlieren, brauchen die Menschen auch unsere christliche Botschaft.
Dies ist Aufgabe unserer Kirche und entspricht unserem christlichen Gottesbild, den Menschen Hilfe anzubieten und neue Wege anzustoßen.
Daher fordert der Katholikenrat alle Verantwortlichen in Deutschland und in Europa dazu auf, so schnell wie möglich aus der Nutzung der Kernenergie auszusteigen und einen weiteren Ausbau regenerativer Energien sowie der hierzu erforderlichen Stromversorgungsnetze anzustreben. Die Kernkraft ist kein Weg, eine nachhaltige und ökologisch verträgliche Energieversorgung zu gewährleisten.
Verantwortliches Handeln zur Bewahrung der Schöpfung hat selbstverständlich seinen Preis und verlangt auch einen Beitrag von jedem einzelnen, zum Beispiel in der Form, dass gewohnte Lebensstile in Frage gestellt oder gar aufgegeben werden müssen.
Daher fordert der Katholikenrat alle Verantwortlichen in Deutschland und in Europa dazu auf, so schnell wie möglich aus der Nutzung der Kernenergie auszusteigen und einen weiteren Ausbau regenerativen Energien sowie der hierzu erforderlichen Stromversorgungsnetze anzustreben."
29. März 2011
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Telefon: 0661 / 87-386
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