Katholikenrat im Bistum Fulda
Tage des Ruhens und Nachdenkens kultivieren
Die Forderung, am Karfreitag Tanzveranstaltungen zuzulassen, hat der Vorsitzende des Katholikenrates Richard Pfeifer, Biebergemünd-Kassel, scharf kritisiert. Solche Forderungen seien Ausdruck für die zunehmende Individualisierung unserer Gesellschaft und der Intoleranz gegenüber tragenden christlichen Wertüberzeugungen. Es gehe bei dem Schutz des Karfreitags nicht darum, jemandem den Spaß am Tanzen zu verbieten. Das Feiertagsgesetz stelle den Karfreitag in eine Reihe besonderer Gedenktage wie auch den Totensonntag und den Volkstrauertag. Nach Meinung Pfeifers sei es für die Gesellschaft wichtig, auch Tage des Ruhens und Nachdenkens zu kultivieren und dafür solche Tage besonders zu schützen.
Für im Glauben stehende Christen sei, so Richard Pfeifer, die Karwoche und das anschließende Osterfest eine mit elementarer religiöser Bedeutung gefüllte Zeit. Am Palmsonntag ziehe Christus im Triumph nach Jerusalem ein – schon im Bewusstsein, dass ihm in den nächsten Tagen Furchtbares abverlangt wird. Der Gründonnerstag leite die Zahl der Ostertage ein. An diesem Tag feierte Jesus mit seinen Getreuen Abschied – wohl wissend, dass ihn einer von ihnen verraten wird. Es folge eine Nacht in Einsamkeit und der Festnahme durch die Behörden.
Am Karfreitag vergegenwärtigen sich die Christen Verhöhnung, Verurteilung und schließlich Jesu Kreuzweg und Tod, wobei seine Ansprache an einen der mit Gekreuzigten schon ihre Gemeinsamkeit im Paradies ankündigt. Die Auferstehung Jesu an Ostern sei das Geschehen, mit dem allen Beteiligten: Pharisäern, dem Hohen Priester, Pilatus und nicht zuletzt auch seinen Jüngern endgültig Jesu Gottessohnschaft unmissverständlich vor Augen geführt wird.
Dieses Geschehen sei, so Pfeifer, der Grund dafür, dass die gesamte Christenheit die Ostertage in hoher Intensität durchlebt und letztlich auch feiert. Die Auferstehung Christi, seine Frohe Botschaft mit den drei Grundpfeilern Glaube, Hoffnung und Liebe sei für über 2,2 Milliarden Menschen weltweit Lebensorientierung.
“Die Entwicklung in Europa und Deutschland macht mich sehr nachdenklich. Hier gibt es staatliche Feiertage wie Karfreitag und Ostermontag, an denen Christen das Erlösungswerk Christi vor 2000 Jahren feiern, um es sich neu bewusst zu machen und sich tief einzuprägen“, so Richard Pfeifer. Immer mehr Menschen in unserer bundesdeutschen Gesellschaft, die an diesen Feiertagen arbeitsfrei haben, wüssten gar nicht mehr um die Bedeutung dieser Gedenk- und Feiertage. Sie forderten deshalb, diese Tage gemäß ihren individuellen Freizeitgewohnheiten gestalten zu können und fühlten sich durch das staatliche Feiertagsgesetz in ihrer Freiheit beschränkt. „Ich kann für derartige Aufrufe kein Verständnis aufbringen. Letztlich sind alle Regelungen eine Einschränkung individueller Freiheiten. Wenn wir konsequent solchen Forderungen nachgeben, müssen wir die Feiertage abschaffen und sie zu Arbeitstagen erklären“, so Richard Pfeifer abschließend.
26. April 2011
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