Lebensraumorientierte Seelsorge - missionarisch Kirche sein

Visionen für Kirche und Gemeinden - Diözesantag in Fulda

Diözesantag - 3. Juli 2009 in Fulda: "Wir können die Wege gehen…"  
 
 
 
"Glaubwürdig zum Wachsen des Reichs Gottes beitragen"

Fulda (bpf). "Jeder von uns wird seinen Beitrag leisten und Belastungen auf sich nehmen müssen, damit wir mit weniger Menschen, weniger Personal und weniger Geld in unseren Gemeinden und Pastoralverbünden als Kirche von Fulda tatkräftig und glaubwürdig zum Wachsen des Reiches Gottes beitragen können." So ermutigte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Freitag die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Diözese Fulda. Vor rund 1.300 Teilnehmern aus den Pfarrgemeinden und Organisationen des Bistums hat Bischof Algermissen in der Fuldaer Esperantohalle zugleich erste Skizzen zu pastoralen Leitlinien für die Diözese vorgestellt.

Der Weg hin zu einer konzentrierten Pastoral gehe vom priesterlichen Dienst aus. "Dieser Weg zieht erste Richtungsentscheidungen im Blick auf Vor- und Nachrangigkeit sowie verläßliche Standards in der Pastoral nach sich", betonte der Oberhirte in seinem Impulsreferat, das er am Ende des Diözesantages hielt. Als Etappenziel des Projekts "Lebensraumorientierte Seelsorge - missionarisch Kirche sein" im Rahmen des Pastoralen Prozesses bildete der Diözesantag den Auftakt dafür, die Arbeit in den Pastoralverbünden weiter zu konkretisieren und inhaltlich zu vertiefen. "Der Aufbruch beginn bereits mit dem Betreten des richtigen Weges", stellte der Bischof heraus. Darum sei der Bezugspunkt des gemeinsamen künftigen Weges so wichtig, nämlich die Erlösung der Menschen durch Jesus Christus durch sein Leben, Sterben und seine "alles verändernde Auferstehung".

Blick weg vom Mangel hin zum Geschenkten
Die in den nächsten Jahren gewünschte Umsetzung werde eine "geistliche Grundhaltung" erfordern, gab Algermissen zu bedenken. Dazu gehörten das feste Vertrauen auf Gottes Verheißungen und das "Erspüren des Gottesgeistes" in den derzeitigen Veränderungen. Den Einstieg in den Tag hatte ein vom kirchlichen Privatfunk des Generalvikariats produzierter Film mit verschiedenen Eindrücken aus dem kirchlichen Leben im Bistumsgebiet geboten. Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke hatte in seiner Begrüßung betont, daß die Menschen entdecken sollten, daß Gott in ihrer Mitte sei. In der heutigen Situation des Rückgangs werde eine neue Perspektive gebraucht, so der Generalvikar, "weg vom Blick auf das, was fehlt, hin zu dem, was Gott uns geschenkt hat". So könnten sich in unterschiedlichen Pfarreien unterschiedliche Schwerpunkte entwickeln. "Wir müssen dorthin gehen, wo die Menschen zusammenkommen, und auf die zugehen, die am Rande stehen", forderte Prof. Stanke.

Neues Testament zeigt verschiedene Wege zu Jesus Christus
Eine Vergewisserung zum Thema Gemeinde aus biblischer und pastoraltheologischer Sicht ermöglichten die beiden Grundsatzreferate von Rektor Prof. Dr. Christoph Gregor Müller (Fulda) und Dr. Hadwig Müller (Aachen). Unter der Überschrift "Gottes Gnade ist bunt" informierte Prof. Müller über die Vielfalt neutestamentlicher Konzeptionen und Bilder von Gemeinden, wie sie vor allem aus den Briefen des Apostels Paulus deutlich werden. Die Feier des Herrenmahls, die Eucharistie, spielte schon da die entscheidende Rolle als "Vollzug der gemeindlichen Existenz", von woher die herausragende Bedeutung des Sonntags komme. Den Glaubensweg des Einzelnen nehme hingegen eine Pastoral nach dem Johannesevangelium, die Rolle der Kirche in der Diaspora der erste Petrusbrief in den Blick. Ein Impuls für heute müsse es sein, "als Glaubende interessierten Menschen Auskunft über den christlichen Glauben zu geben", so der Fuldaer Professor für Exegese des Neuen Testaments. Die Weg- und Lerngemeinschaft mit Jesus Christus sei ein Anliegen des Markusevangeliums. Gemeinden und Gemeinschaften befänden sich in "Sein und Werden" und hätten "Gaben und Aufgaben", damit Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen und Wege zu Jesus Christus aufgezeigt und eröffnet werden können.

Künftige Gemeinden benötigen Offenheit
Dr. Hadwig Müller fragte in ihrem Referat: "Wie werden wir in Zukunft unseren Glauben leben?", denn Religion sei heute nur noch ein Lebensbereich unter anderen. Daher träte die subjektive Dimension des Einzelnen in den Vordergrund. In der heutigen Welt ließen sich auch Zeichen entdecken, wie der Glaube gelebt werden könne, nämlich anhand der wesentlichen Fragen der Menschen, ihrer persönlichen Suche nach dem Sinn ihrer Existenz und der freigewählten Beziehungen untereinander. Die künftige Gemeinde werde sich auf Wesentliches konzentrieren und bereit zur Kommunikation ihrer Glieder untereinander sein müssen. "Die historisch gewachsene Gestalt ändert sich, aber Quelle und Wesen bleiben gleich", betonte die Referentin. Wesen der Gemeinde sei es, eine Antwort freier Menschen auf den Ruf Gottes zu entfalten und die Verantwortung von Christen sichtbar zu machen. "Die Basis ist das Vertrauen, das die Menschen einander schenken." Man müsse sich selber immer wieder am Evangelium orientieren sowie Austausch mit und Nähe zu anderen, auch Fremden, suchen. Die künftige Gemeinde müsse für eine unbekannte Zukunft offen sein, aber auch für "Ungleichzeitigkeit" und eine "Kultur des Rufens".

 

3. Juli 2009

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