Aktuelles Bischofswort - zum 4. September 2016

Buch des Lebens

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Unser ganzes Leben ist eine Suche nach dem treffenden Wort. Nicht nach den vielen Wörtern, die täglich auf uns einströmen, zumeist leer und nichtssagend. Wir suchen vielmehr das Wort, das zwischen den auseinanderklaffenden Erfahrungen unseres Lebens einen Zusammenhang stiftet, unserer Trauer und unseren Ängsten einen Sinn zuspricht und uns neu zum Leben motiviert inmitten einer pessimistischen Grundstimmung, die sich mehr und mehr ausbreitet. 

 

Dabei sind wir uns zuinnerst bewusst, dass wir uns dieses Wort nicht selber sagen können. Und wir ahnen: Weil es Leben und Tod, das Alltägliche und das Außergewöhnliche, das Verständliche und das Unverständliche umgreifen muss, kann es letzten Endes nicht von uns Menschen kommen. 

 

Nun, Juden wie Christen behaupten zu wissen, wo die Worte sogar ewigen Lebens zu finden sind. Sie vertrauen im Glauben, Gottes Wort selbst zu besitzen in der Bibel. Natürlich besteht kein Zweifel darüber, dass die Bibel von Menschen verfasst und nicht einfach vom Himmel heruntergefallen ist. Dennoch glauben wir, dass wir in der Bibel Gottes Wort an uns finden. Sie enthält das niedergeschriebene Zeugnis des jüdischen Volkes und der frühchristlichen Gemeinden, die Gottes aktive Gegenwart im Geschick ihres eigenen Lebens erfuhren und sich darin von Gott in einmaliger und bleibender Gültigkeit angesprochen wussten. Durch dieses Zeugnis der Juden und Christen von damals ergeht auch an uns heute Gottes heilendes und tröstendes, sein kritisches und vergebendes Wort. 

 

So ist die Bibel gleichsam das Leseinstrument, mit dem wir unsere Lebenserfahrungen betrachten und dabei Gottes Wort an uns entdecken. Indem wir unsere eigenen Erfahrungen und die in der Bibel überlieferten nebeneinanderhalten, geht uns Gottes Wort an uns auf, wird vernehmbar und macht uns betroffen. „Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns“, schreibt einmal Franz Kafka. Das gilt zuallererst von der Bibel.


Je mehr ich erkenne, dass ich in unserer widersprüchlichen Welt nicht für jede Lebenssituation und Frage eine Verhaltensanweisung finden kann, umso mehr wird mir die Beschäftigung mit der Bibel zur Entscheidungshilfe in meinem Leben. Die alten Geschichten und Visionen, die überlieferten Weisungen und Dichtungen werden für mich zum Gleis, das mir die Richtung für meine eigene Entscheidung angibt. Sie berühren mich tief, reizen mich, etwas zu tun, stellen manchmal auch meine Lebensentwürfe in Frage. Sie haben ihre Bedeutung, wenn ich überlege, ob dies oder das zu kaufen wohl sinnvoll ist oder wie ich mit einem unsympathischen Menschen umgehen kann. Und je mehr ich zu der Erkenntnis komme, dass das Christentum keine starre Religion ist, sondern ein Weg, eine Bewegung, umso mehr wird mir die Bibel zur Hilfe für die nächsten Schritte. 

 

Und so möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, zum Bibellesen anstiften: allein zuhause oder gemeinsam mit anderen Christen in Ihrer Gemeinde oder mit Christen einer anderen Konfession. Haben Sie keine Angst, die Texte nicht zu verstehen. Nur ganz wenige entziehen sich uns. Und heutzutage findet sich immer jemand, der besser informiert ist und Ihnen weiterhelfen kann. Wenn Sie dazu die offizielle Auslegung der Kirche als Korrekturstift zu Ihren eigenen Einsichten benutzen, werden Sie kaum fehlgehen. Sie werden Gottes Wort an Sie persönlich in Ihrer Lebensgeschichte hören lernen. 

 

Von einem jüdischen Rabbi in Russland wird erzählt, dass er an jedem Abend nach dem Gebet in seine Stube ging; dann wurden die heiligen Bücher auf den Tisch gelegt und alle vorgelassen, die seines Rates bedurften. Als eines Abends die Leute weggingen, sagte einer von ihnen, die Worte, die der Rabbi an ihn richtete, hätten ihm sehr wohlgetan. Der andere verwies ihm solches Geschwätz: Sie hätten doch gemeinsam die Stube betreten und die ganze Zeit habe der Meister nur zu ihm geredet. Und ein dritter, der dies hörte, mischte sich lächelnd ein: Wie wunderlich sich beide irrten, habe doch der Rabbi den ganzen Abend nur mit ihm ein vertrautes Gespräch geführt. In gleicher Weise ließen sich ein Vierter und ein Fünfter vernehmen. Endlich bekannten alle, was ihnen widerfahren war. Doch schon im nächsten Augenblick verstummte die Schar.


Dass Sie wie die Besucher des jüdischen Lehrers jenes persönliche Wort Gottes vernehmen können, das aus der Bibel an Sie rettend ergeht, das wünsche ich Ihnen.


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 
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    Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit

    Heiliges Jahr der Barmherzigkeit

    Vom 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016.

     

    Schwangerschaft

    Der SkF hilft Frauen und jungen Mädchen in Notsituationen.

     

    Jugend

    Jugend im Bistum Fulda - aktuelle Infos.

     

    Hoher Dom zu Fulda

    Virtueller Rundgang durch den Fuldaer Dom.

     

    So geht katholisch

    Ein "Kirchenführer" der besonderen Art.

     
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    Keine neue Kirchensteuer

    Informationen zur Kirchensteuer auf Abgeltungssteuer.

     

    Bistumshaushalt 2015

    Der Haushalt des Bistums Fulda: Zahlen und Fakten.

     

    Kirchliche Finanzen

    Flyer (Download): Finanz- und Leistungsübersicht.

     

    Neues Gotteslob

    Alle Lieder aus dem Gotteslob zum Anhören im Internet.

     

    Gotteslob

    Alle Informationen zum neuem Gotteslob.

     
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    Internet für Pfarrgemeinden

    Online-Angebote für Pfarrgemeinden im Bistum Fulda.

     

    Dokumentation

    Nachschauen, Weiterdenken:
    Dekanatstage - Dokumentation.

     

    katholisch.de

    Katholische Kirche in Deutschland: www.katholisch.de.

     

    Mach dich auf!

    katholisch-werden.de


     

    Bischofskonferenz

    Deutsche Bischofskonferenz:
    www.dbk.de.


     
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    Bischofskonferenz

    www.2017gemeinsam.de.



     


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