Aktuelles Bischofswort - zum 26. Juni 2016

Die beiden Pole

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Der große Ökumeniker Wilhelm Stählin schrieb in Bezug auf den Johannistag, den die Kirche am 24. Juni feierte: „Kaum an einem anderen Tag wird es so deutlich, dass das Kirchenjahr ein getauftes Naturjahr ist, das heißt, dass der naturhafte Sinn einzelner Zeiten und Tage des Jahres durch deren geistliche Deutung im Zusammenhang des Kirchenjahres immer wieder hindurchschimmert, und zwar keineswegs als etwas, was mit einer gewissen Verlegenheit verdeckt oder vergessen werden sollte.“

Das geheimnisvolle Spannungsfeld Natur-Gnade ist uns Menschen eingepflanzt. Wie jede Stromspannung zwei Pole braucht, um wirksam zu werden, so kann auch diese Spannung für unser geistliches Wachsen wichtig und befruchtend sein. Darum hat die Kirche den Johannistag genau auf die Höhe des Naturjahres gelegt, in die Zeit, in der die irdische Sonne wieder abzunehmen beginnt und sich auf das Wachsen der himmlischen Sonne, auf Jesus Christus und dessen Geburt, vorbereitet.

Die irdische Sonne nimmt mit der Sommersonnenwende ab. Die Tage werden langsam kürzer. Wir spüren deutlich: Der Mensch ist „wie sprossendes Gras, das am Morgen grünt und blüht und des Abends welkt und verdorrt“ (Psalm 90,6).

Frühere Generationen wussten viel von dieser Einsicht in ihren Bräuchen auszudrücken und haben damit diese grundlegende Erfahrung wohl auch ein Stück verarbeitet. So wurden zum Beispiel im Frankenland am 24. Juni die Gräber mit den Rosen der Jahreszeit geschmückt. Der spätmittelalterliche Johannisfriedhof in Nürnberg prangte am Johannistag im Schmuck roter Rosen, Sinnbild blühender Lebenskraft und gleichzeitig der Vergänglichkeit.

Mitten hinein in das naturhafte, manchmal bange Erleben des Menschen stellt uns das Kirchenjahr die Gestalt Johannes des Täufers vor Augen und zugleich die Gestalt Jesu Christi: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Johannes 3,30). Eine größere, unvergängliche Sonne ist im Aufgehen, in ihrem Licht verliert das Abnehmen des Lichtes dieser Welt seinen Schrecken.

Der Isenheimer Altar des Matthias Grünewald in Colmar kommt in den Blick. Hier sind Jesus Christus und sein Vorläufer einander zugeordnet: die erschütternde Gestalt des Gekreuzigten und die von den Proportionen her viel kleinere des Täufers. Nur sein Zeigefinger entspricht in seinen Maßen genau der Gestalt Jesu Christi. An Johannes dem Täufer ist schon etwas von der Gestalt Christi sichtbar, sein expressiver überlanger Zeigefinger passt schon in die Gestalt Christi hinein.

Jesus Christus hat an Ostern die Fesseln unserer Vergänglichkeit zerrissen. Wir bekamen in der Taufe den Keim seines unvergänglichen Lebens eingesenkt. Dieses unvergängliche Leben will sich unter den Strahlen des „Lichtes, das sich nie verzehrt“ (vgl. Oration zur Vesper), immer mehr entfalten.

Das Kirchenjahr hilft uns nicht nur beim Durchleben der Erfahrung von Vergänglichkeit und Sterblichkeit, es hilft uns auch beim Hineinwachsen in das unvergängliche Leben. Es ist ein großer Lehrmeister für den, der in seinen Ordnungen mitlebt. Die Themen der Sonntage um den Johannistag handeln von diesem Hineinwachsen, geben uns Anstöße und Hilfen.

All diese geschenkten Impulse falten im Grunde die Botschaft des Johannistages aus und wollen uns die Chance geben, dass Christus in uns wächst, auch wenn unsere natürlichen Kräfte im Laufe der Jahre abnehmen.

Ein Gedicht von J. K. Lavater (1771) drückt das, worum es geht, so aus: „O Jesu Christe, wachs in mir und alles andre schwinde. Mein Herz sei täglich näher dir und ferner von der Sünde. Lass täglich deine Lieb und Macht um meine Schwachheit schweben. Dein Licht verschlinge meine Nacht und meinen Tod dein Leben.“


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 
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