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Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag, 16. Juni 2013

Bruder Hiob

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Bischof Heinz Josef Algermissenzoom

Bei Glaubensgesprächen kommt nicht selten die Vorstellung zur Sprache, Fragen und Glauben seien einander zugeordnet wie Frage und Antwort, Suchen und Finden. Besonders in Grenzsituationen gerate der Mensch an die „letzten Fragen“ und dann gäbe ihm der Glaube die erlösende Antwort.

Tatsächlich war in der Kirche lange Zeit die Antwort dominierend. Die Katechismen waren voll von kleingedruckten Fragen und dickgedruckten Antworten. Eigentlich bei keiner Frage blieb die Antwort offen. Dagegen ist biblisch begründet neu zu lernen, dass das Fragen eine Voraussetzung des lebendigen Glaubens ist, zu ihm gehört.

Es könnte sich allerdings der Verdacht erheben, dass die Notwendigkeit zur Frage sozusagen nur eine didaktische, erzieherische Maßnahme sei, eigentlich aber gar nicht ernst gemeint. So etwa, wie man sagt, junge Leute müssten alles in Frage stellen, das sei eine normale Übergangserscheinung, die bald verschwinden würde. Ließe man sich von solchen Vorstellungen bestimmen, wäre das Fragen tatsächlich nichts anderes als ein pädagogischer Trick. Bertolt Brecht hat das in seinen „Geschichten des Herrn Keuner“ zynisch beschrieben. Eine dieser Geschichten besteht nur aus wenigen Zeilen und trägt die Überschrift „Überzeugende Fragen“: „Ich habe bemerkt, sagte Herr K., dass wir viele abschrecken von unserer Lehre dadurch, dass wir auf alles eine Antwort wissen. Könnten wir nicht im Interesse der Propaganda eine Liste der Fragen aufstellen, die uns ganz ungelöst erscheinen?“

Dass es sich angesichts der zentralen Fragen, die uns in der Tiefe bewegen, nicht um einen billigen Propagandatrick handelt, zeigt uns die Heilige Schrift. Die Bibel, das Dokument unseres Glaubens, offenbart, dass nicht nur der Mensch vor dem Glauben fragt, sondern auch der Mensch im Glauben. Und er fragt weniger aus intellektueller Neugierde, sondern vielmehr aus seiner klagenden und zermürbten, rastlosen und verwundeten Existenz.
In den Psalmen z. B. wird immer wieder gefragt: „Warum verbirgst du dein Antlitz?“ (Ps 44). Der Prophet Jeremia fragt in der notvollen Situation seines Volkes reichlich herausfordernd und wenig fromm: „Du, Israels Hoffnung, was gleichst du dem Schläfer, dem Mann, der nicht Kraft hat zu retten?“ (Jer 14, 8 f).
Kein Buch der Bibel ist aber derart vom Fragen bestimmt wie das Buch Hiob. Liebe Leserinnen und Leser, ich lege Ihnen den biblischen Hiob ans Herz. Er, der jüdische Fromme, sitzt, nachdem er Familie, Hab und Gut verloren hat, elend auf einem Trümmerhaufen, kratzt sich mit einer Scherbe den Aussatz ab, weint, klagt, schreit laut, beteuert seine Unschuld und stellt Gott klagend und anklagend die Warum-Frage. Darauf wendet sich der Ewige ganz persönlich an Hiob und beginnt, ihm Fragen „über Himmel und Erde“ zu stellen, auf die der Befragte keine Antwort weiß. Diese Fragen Gottes an Hiob, die Hiobs Fragen an Gott in eine neue Perspektive bringen, können so verstanden werden: „Hiob, warte ab! Es ist noch nicht aller Tage Abend, das letzte Wort noch nicht gesprochen.“ Gott selbst warnt, ihn zur schnellen Antwort auf unsere Frage zu machen. Tun wir das, tragen wir mächtig zu seiner Verharmlosung bei.
Hiob immerhin hat verstanden. Er antwortet letzten Endes: „Vom Hörensagen nur hatte ich von dir vernommen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut“ (Hiob 42, 5).

Wir können mit Gott niemals fertig werden. Er ist und bleibt in all unseren menschlichen Antwortversuchen die letzte, bleibende Anfrage. Uns ist zugemutet, mit offenen Fragen zu leben. Wir können es, weil wir im Glauben an Jesus Christus, der endgültigen Offenbarung Gottes, hinreichend Vertrauen geschenkt bekommen, dass sich am Ende alles auflösen wird, all unsere Fragen, Verstrickungen und Verzweiflung. Weil nämlich die Frage des Gottessohnes am Kreuz „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15, 34) ihre Antwort im Ostermorgen findet.

Es sei mir erlaubt, liebe Leserinnen und Leser, Sie in diesem Zusammenhang auf ein autobiographisches Buch einer jungen Frau hinzuweisen. Es handelt vom Verlust des Glaubens, von Gottesferne und Leere, einer hiobsmäßigen Verzweiflung und Anklage, dass Gott sich nicht zeigt, dass er schweigt und das Leid und das Zerbrechen am Leiden zulässt, ohne auf Gebete zu hören. Esther Maria Magnis auf dem Weg ihrer Bekehrung zu einem reiferen Glauben zu begleiten, ist ein großer geistlicher Gewinn (Gott braucht dich nicht – Eine Bekehrung, Verlag Rowohlt, Hamburg 2012).

 

 
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Eucharistischer Kongress 

Neuer Schwung für die Kirche? Bilanz des Eucharistischen Kongresses.

 
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10.000 Zeichen der Solidarität - himmlische Hilfe in kürzester Zeit
Nur 72 Stunden hatten die Kinder und Jugendlichen der 270 hessischen Aktionsgruppen ab Donnerstagnachmittag um 17:07 Uhr Zeit, um ihr soziales oder ökologisches Projekt zu realisieren. Auch der Schirmherr der Aktion im Bistum Fulda, Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez, dankt den Kindern und Jugendlichen für ihren Einsatz: "Die 72-Stunden-Aktion des BDKJ war rundherum ein toller Erfolg. Ich danke ganz herzlich allen Jugendlichen, allen Koordinierungskreisen und allen anderen Organisatorinnen und Organisatoren und auch allen Einrichtungen, die sich daran beteiligt haben."
Geschafft! 72 Stunden die Welt ein Stück besser gemacht!
Die Aktionsgruppen haben es geschafft: In nur 72 Stunden haben die Kinder und Jugendlichen in ganz Hessen die Welt ein Stück besser gemacht. In gemeinsamer ehrenamtlicher Arbeit haben sie bei der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) den Wettlauf gegen die Zeit gewonnen und unzählige Projekte realisiert.
Fähig werden, Menschen neugierig zu stimmen
In einer Eucharistiefeier im Dom zu Fulda hat Bischof Heinz Josef Algermissen am Donnerstag knapp 40 Religionslehrerinnen und Religionslehrern aus der Diözese die „Missio canonica“ (kirchliche Lehrbeauftragung) erteilt.
Orientierung geben inmitten der Gleichgültigkeiten der Welt
„Gott, der uns berufen hat, ist treu; er wird das Entscheidende tun!“ So in Anlehnung an Offb 1,6 das Fazit der Predigt von Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch beim traditionellen Priestertag der Diözese in Fulda.
Verleihung des Josef-Leinweber-Preises
Der Förderkreis der Theologischen Fakultät Fulda e.V. verleiht den Josef Leinweber-Preis 2012/2013, der alle drei Jahre vom Förderkreis der Theologischen Fakultät verliehen wird. In diesem Jahr geht der mit 2.600 € dotierte Preis an Herrn Dipl.-Theol. Torsten W. Müller MA aus Erfurt.
 

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