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Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag, 19. Mai 2013

Wie finden wir einen gerechten Frieden?

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Bischof Heinz Josef Algermissenzoom

Der Krieg kann im atomaren Zeitalter nicht mehr das geeignete Mittel zur Wiederherstellung verletzter Rechte sein, das hat die Enzyklika Pacem in terris vor 50 Jahren in zugespitzter weltpolitischer Lage zur Sprache gebracht. Für Papst Johannes XXIII. steht der Krieg im klaren Widerspruch zur menschlichen Vernunft. In seiner Enzyklika fordert er u. a. ein Ende des Rüstungswettlaufs und ein Verbot der Atomwaffen.
„Entwicklung ist der neue Name für Friede.“ So hat Papst Paul VI. Gerechtigkeit für alle Menschen zur Grundvoraussetzung des Friedens beschrieben. In seiner Enzyklika Populorum progressio bestimmt er die Förderung internationaler Gerechtigkeit zur vorrangigen Friedensaufgabe.
Das Zweite Vatikanische Konzil, das diese beiden Päpste entscheidend geprägt haben, vermeidet den Begriff vom „Gerechten Krieg“ und öffnet die Friedensethik unter Bezugnahme auf Pacem in terris grundlegend in Richtung auf Friedensförderung. Bemerkenswert ist, dass die Gewaltlosigkeit der biblischen Botschaft in der Anerkennung des Zeugnisses der Kriegsdienstverweigerer im Konzil eine besondere Beachtung findet.

Die Fortschreibung der kirchlichen Friedensethik erfolgt dann im Jahr 2000 im Wort der deutschen Bischöfe „Gerechter Friede“. Der neue Typus der Kriege, wie er sich insbesondere auf dem Balkan gezeigt hat, bildet die Folie, auf der die Konturen eines gerechten Friedens nachgezeichnet werden. Friedensethisch vollziehen die Bischöfe mit diesem Wort einen Paradigmenwechsel, indem sie konsequent Abschied nehmen von der Lehre des „Gerechten Krieges“ oder der „Gerechten Verteidigung“. Mit der klaren Zielperspektive „Gerechter Friede“ wird der Vorrang der Politik vor militärischer Gewalt unterstrichen. Die friedensfördernde Perspektive bildet sich besonders in der Entfaltung der Konfliktprävention und der Konfliktnachsorge aus.
Das Wort „Gerechter Friede“ schließt jedoch unter ganz bestimmten Bedingungen die Notwendigkeit der Anwendung von Gewalt nicht aus. „Das Ziel, Gewaltanwendung aus der internationalen Politik zu verbannen“, so die Bischöfe, „kann auch in Zukunft mit der Pflicht kollidieren, Menschen vor fremder Willkür und Gewalt wirksam zu schützen. Dies gilt nicht nur in herkömmlichen zwischenstaatlichen Konflikten, sondern auch bei systematischer Gewaltanwendung gegen verfolgte Minderheiten innerhalb bestehender Staaten oder in Fällen terroristischer Geiselnahme und Erpressung“ (Gerechter Friede Nr. 150). Im Wort der Bischöfe werden dann strenge Maßgaben zur Rechtfertigung bewaffneter Interventionen gesetzt (vgl. Nr. 152-160).

Der nun über zwölf Jahre dauernde Krieg in Afghanistan kann allerdings nur sehr schwer eine Rechtfertigung aus „Gerechter Friede“ beziehen, wenn es, wie besonders herausgehoben, aus friedensethischer Perspektive keine Gewöhnung an das Mittel der Gewaltanwendung geben darf (vgl. Nr. 161).
Als Bischof darf ich nicht die Augen vor den Menschen in Afghanistan verschließen, die ihre Hoffnung auf Freiheit, Selbstbestimmung und Bildung setzen und um ihr Leben fürchten, sollten die Alliierten sich aus dem Land zurückziehen. Das Eintreten für eine freiheitliche Entwicklung in Afghanistan kann allerdings nicht mit Waffen und Soldaten erfolgen. Das Wort „Gerechter Friede“ nennt als Kriterium für eine militärische Intervention auch die sorgfältige Prüfung der Folgen des Einsatzes und die Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Gewaltmittel. Bringen wir diese Kriterien angesichts der vielen Opfer, die dieser Krieg gefordert hat, wirklich zur Sprache? Für mich gibt es hier einen Verdrängungsmechanismus.

Die friedensethische Option für eine militärische Intervention im Falle schwerer Menschenrechtsverletzungen ist, so glaube ich, anfällig für politische Interessen, die nichts gemein haben mit der Beistandspflicht, die sich aus dem Gebot der Nächstenliebe herleitet. Statt einer Ächtung des Kriegs befürchte ich, dass wir auf dem Weg zu seiner Renaissance als Mittel der Politik sind.
Ich erinnere deshalb an das grundsätzliche Wort, das Papst Johannes Paul II. am Vorabend des Irak-Kriegs im Januar 2003 der Völkergemeinschaft zugerufen hat: „Krieg ist niemals ein unvermeidbares Schicksal, er ist immer eine Niederlage der Menschheit.“ Wie Recht er damals hatte, zeigen die Folgen dieses Krieges bis heute.
Es ist höchste Zeit, das alles in einem breiten gesellschaftlichen Diskurs ins Bewusstsein zu bringen und dann in verantwortliche Politik umzusetzen.

Zudem müssen in diesem Wahljahr unbequeme Fragen gestellt werden: Wie stehen die Kandidatinnen und Kandidaten für den Deutschen Bundestag zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und wie zu den deutschen Rüstungsexporten in Länder, die in bewaffneten Auseinandersetzungen verwickelt sind, oder wo solche drohen? Wie stehen sie zu Artikel 26 des Grundgesetzes? Sollte es da nicht eine Klarstellung geben, sofern dieser Artikel auf den Kopf gestellt ist?
Fragen solcher Art als Wahlprüfsteine haben etwas zu tun mit der doppelten österlichen Zusage des Auferstandenen: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20, 19 und 21). Seinen Geist des Friedens hineinzubringen in eine verwundete und friedlose Welt, ist eine pfingstliche Aufgabe.

 

 
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Bischof Algermissen weihte sechs junge Männer zu Priestern
Im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes hat Bischof Heinz Josef Algermissen am Samstag im überfüllten Hohen Dom zu Fulda sechs bisherige Diakone zu Priestern geweiht.
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Am 23. Mai vollendet Prälat Prof. Dr. Max-Eugen Kemper (Fulda/Rom) sein 75. Lebensjahr. Der Jubilar ist Domherr von St. Peter, war lange Jahre als Geistlicher Botschaftsrat an der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom tätig und wirkte von 2003 bis 2011 als Professor für Didaktik der Christlichen Kunst in Fulda.
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Am 22. Mai vollendet Pfarrer Heribert Bräscher (Neuhof) sein 75. Lebensjahr. Er wurde 1938 in Fulda geboren und studierte nach dem Abitur an der Freiherr-vom-Stein-Schule Philosophie und Theologie in Fulda und Lyon. Bischof Dr. Adolf Bolte weihte ihn am 21. März 1964 im Fuldaer Dom zum Priester.
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