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Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag 19. Juni 2011

Wieso ich?

Gerade angesichts der belastenden Gottvergessenheit und gesellschaftlichen Skepsis gegenüber der Institution Kirche wird der Ruf nach Menschen lauter, die den priesterlichen Beruf als wirklich geistliche Berufung verstehen und nicht als Seelsorge-Job im kirchlichen Beamtenverhältnis. Bei der Feier der Priesterweihe am Samstag vor Pfingsten werden die Weihekandidaten ihre Hände – und damit sich selbst – in die Hände des Bischofs legen. Und der hat den Mut, diese zu umschließen und die ihm zu Mitbrüdern gewordenen Priester ganz anzunehmen. Personale Lebenshingabe auf Gegenseitigkeit ─ ein unglaubliches Zeichen einer in Gott begründeten Verbundenheit!

 

Mich berührt sehr, dass sich viele Mitbrüder ganz selbstverständlich, redlich und unspektakulär in dem archaischen, aber immer noch konkurrenzlos gültigen Bild Jesu als „Guter Hirte“ wiedererkennen, der sein Leben gibt für die ihm anvertrauten Menschen (vgl. Joh 10, 15). Eben nicht wie einer, der sich aus dem Staub macht oder innerlich kündigt, wenn es unbequem oder schwierig wird. Das wäre dann, wie Jesus sagt, der „bezahlte Knecht“, der „die Schafe im Stich lässt und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht“ (Joh 10, 12).


Die Berufung zum Priester ist ebenso ansprechend wie anspruchsvoll. Das war zu allen Zeiten so. Wir können sie nicht machen. Aber ich bin überzeugt, dass Gott auch unter uns Menschen anspricht, denen er diese besondere Berufung zu ganzheitlicher Hingabe ins Herz legt.


Gottes Interventionen sind allerdings nicht kalkulierbar und nicht planbar. Aber man kann sie auch nicht einfach ignorieren. Sie gehen unter die Haut. Davon kann man auch in der Bibel lesen. Jeremia sagt: „Ich bin noch so jung“ (Jer 1, 7); Jesaja klagt: „Weh mir, ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen“ (Jes 6, 5); Mose versucht sich rauszuwinden: „Ich kann nicht gut reden“ (Ex 4, 10); und Jona schlägt vorsichtshalber gleich die entgegengesetzte Richtung ein (Jona 1, 3). Da ist die Angst vor Überforderung und Fremdbestimmung. Der Eindruck, dafür nicht gerüstet, nicht geeignet zu sein. Die Ausflüchte und Ausbruchsversuche der Propheten kommen mir alle bekannt vor. Ich kenne sie aus meinem eigenen Leben und höre sie in manchen Gesprächen.


Ach wenn es doch eindeutig wäre, dass Gott ruft und wozu er ruft. Aber da gibt es in der Regel keine außerordentlichen Erscheinungen oder übernatürliche Stimmen. Wenn Gott den Menschen etwas Wichtiges sagen will, tut er das in den konkreten Lebenssituationen, spricht er durch die Umstände und durch Menschen. Da werden Worte und Gedanken geschenkt, die einen nicht mehr loslassen.


Jene Berufungsgeschichten aus biblischer Zeit – es gibt sie auch heute. Im Gespräch mit jungen Menschen erlebe ich, dass es gar nicht so leicht ist, das eigene Leben zu planen und zielstrebig umzusetzen. Zwar gibt es heute Berufsberatung, Potentialanalysen, Karriere-Coaching, doch so einfach bekommt man die eigene Zukunft nicht in den Griff. Dabei lässt Gott durchaus durchblicken, was er von der eigenen Lebensplanung hält, wenn man ihn denn danach wirklich fragt.


Oft tun sich dann erst überraschende Perspektiven auf, an die man vorher gar nicht gedacht oder die man von vorneherein ausgeblendet hatte. Und manchmal zeigt sich erst im Nachhinein, dass Gott da seine Finger im Spiel hatte. Natürlich stellt sich die bohrende Frage immer wieder: „Wieso eigentlich ich?“, aber es gibt stets auch die entwaffnende Gegenfrage: „Wieso denn eigentlich nicht?“ Diese Gegenfrage ist dann, wenn ich sie nicht verdränge oder in mir abtöte, vielleicht der Anfang einer Berufungsgeschichte.

 
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Bischof Algermissen predigte am Pfingstsonntag im Fuldaer Dom
Emanzipation von Gott hat fatale Folgen - Bischof Algermissen predigte am Pfingstsonntag im Fuldaer Dom.
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Im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes hat Bischof Heinz Josef Algermissen am Samstag im überfüllten Hohen Dom zu Fulda sechs bisherige Diakone zu Priestern geweiht.
Christen in Ägypten vor einer ungewissen Zukunft
Am Montag, 13. Mai, haben sich missio Fulda und das Bonifatiushaus an einem Studientag mit dem arabischen Frühling in Ägypten beschäftigt. Nach Aussage von Monsignore Joachim Schroedel, der seit 18 Jahren für die deutschsprachigen Katholiken in Ägypten zuständig ist, und Bischof Antonios Aziz Mina aus Guizeh hat sich dieser „Frühling“ für die Christen in der Region in einen Herbst verwandelt. Denn das 80-Millionen-Einwohner-Land, das seit dem Sturz von Präsident Mubarak durch die Muslimbruderschaft regiert wird, hat an Stabilität, Sicherheit und Wirtschaftsleistung verloren.
Prof. Kemper 75 Jahre
Am 23. Mai vollendet Prälat Prof. Dr. Max-Eugen Kemper (Fulda/Rom) sein 75. Lebensjahr. Der Jubilar ist Domherr von St. Peter, war lange Jahre als Geistlicher Botschaftsrat an der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom tätig und wirkte von 2003 bis 2011 als Professor für Didaktik der Christlichen Kunst in Fulda.
Pfarrer Bräscher 75 Jahre
Am 22. Mai vollendet Pfarrer Heribert Bräscher (Neuhof) sein 75. Lebensjahr. Er wurde 1938 in Fulda geboren und studierte nach dem Abitur an der Freiherr-vom-Stein-Schule Philosophie und Theologie in Fulda und Lyon. Bischof Dr. Adolf Bolte weihte ihn am 21. März 1964 im Fuldaer Dom zum Priester.
 

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