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Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag 18. September 2011

Lioba – eine große Frau des 8. Jahrhunderts

In den Biographien der Heiligen bekommt unser Glaube im buchstäblichen Sinn ein „Gesicht“. Uns interessiert die Originalität ihres Zeugnisses und ihrer Nachfolge: Das, was sie persönlich in der Begegnung mit Jesus Christus erfahren durften, und wie sie „reiche Frucht“ brachten, weil sie mit ihm verbunden waren (vgl. Joh 15, 5). Wir sind bewegt von der Art, wie sie sich den Herausforderungen und Anfechtungen ihrer jeweiligen Zeit gestellt und sich auf Jesus Christus eingelassen haben, um so zu einer „neuen Schöpfung“ (2 Kor 5, 17) zu werden.

Mit dem Namen Lioba verbindet sich zumal in Fulda die Erinnerung an eine große Epoche der Christianisierung unserer Heimat im Zuge der angelsächsischen Mission.
Es ist nicht ganz leicht, sichere Fakten und Daten zur Hl. Lioba zu nennen. Schon ihr Biograph Rudolf von Fulda musste auf eine ältere Vorlage zurückgreifen, als er im Auftrag des Rabanus Maurus eine Lebensbeschreibung verfasste.

Sicher aber ist das Kostbarste und Persönlichste, was wir von der Hl. Lioba besitzen, ein außerordentlich frischer und froher Brief, den sie um das Jahr 732 an Bonifatius richtete.

Dieses kurze Schreiben verrät viel über sie, ihre Herkunft und ihr Wesen. Da schreibt eine junge Klosterschülerin an einen von ihr bewunderten und bereits zu höchsten Würden aufgestiegenen Bischof. Wir erfahren, dass ihr Vater Dynne bereits seit acht Jahren verstorben ist und ihre Mutter Aebbe, die mit Bonifatius blutsverwandt war, schon lange an einer schweren Krankheit leidet. „Ich bin die einzige Tochter meiner Eltern, und obwohl ich es nicht verdiene, wünsche ich dich an Bruders statt annehmen zu dürfen, weil ich auf keinen Menschen meines Geschlechts mit solcher Zuversicht meine Hoffnung setze wie auf dich.“

Das war der Anfang einer großen geistlichen Verwandtschaft, die man bald auf dem Hintergrund der geistlichen Beziehung vom Hl. Benedikt zu seiner Schwester Scholastika gesehen hat. Wenn Bonifatius vor seinem Tod verfügte, dass Lioba neben ihm im selben Grab ruhen sollte, folgte er wohl dem Vorbild, das in der Vita des Hl. Benedikt gegeben war.

Lioba wird etwas von ihrem großen Verwandten über ihre Mutter gehört haben. Aber auch ihre erste Lehrerin, die Äbtissin Eadburg, stand mit Bonifatius in regem Austausch. Eadburg schickte ihm Schriften als Geschenk, für die sich Bonifatius, dessen Gemütslage ja keinesfalls immer hell und strahlend war, aufrichtig bedankte. Er dankte der Äbtissin für den Trost des geistigen Lichts, „denn wer die finsteren Winkel der Völker Germaniens durchziehen muss, würde in die Schlinge des Todes fallen, wenn er nicht als Leuchte für die Füße und als Licht auf seinen Weg das Wort Gottes hätte“.

Auch Lioba übersandte Bonifatius ein allerdings unbekanntes Geschenk und nannte ganz unverhohlen ihre Absicht: „Ich habe dir diese kleine Gabe zukommen lassen, damit du meine Wenigkeit in Erinnerung behältst und auch wegen der weiten Entfernung nicht vergisst, sondern das Band der Liebe für den Rest des Lebens geknüpft wird.“

In solchen Worten wird mehr deutlich von der tiefen menschlich-gläubigen Beziehung als viele historische Fakten oder legendäre Schilderungen sie auszusagen vermögen. Sie offenbaren uns eine freimütige und selbstbewusste junge Lioba und die alle verbindende Gottsuche sowie die Mühe um das Missionswerk der Kirche.

Lioba verkörpert eine humanistische Persönlichkeit, die, wie es Rabanus Maurus formulierte, alle weltlichen und göttlichen Dinge zu kennen wünschte. Sie bat Bonifatius um die Verbesserung ihres lateinischen Briefstils und übersandte ihm erste Versuche lateinischer Verse. Das hohe Bildungsideal Englands im 7. und 8. Jahrhundert hatte nicht nur Bonifatius erfasst, sondern auch einen großen Kreis von Frauen. Neben Lioba wird Bonifatius später die Äbtissin Thekla um ihr Gebet bitten.

In doppelter Weise zeigt Lioba eine seltene und große Kunst, nämlich die des Abschiednehmens. Sie nimmt nach ihrem Abschied von der Heimat ein zweites Mal Abschied von ihrer gewohnten Umgebung und ihrer Aufgabe. Mit großer Klarheit und Umsicht entschließt sich Lioba wegen des fortgeschrittenen Alters ihre Ämter aufzugeben und sich nach Schornsheim bei Mainz zurückzuziehen, um im Gebet den letzten Abschnitt ihres Lebens zu verbringen.
Sie tat dies bewusst, klärte die rechtlichen Fragen und verabschiedete sich bei den einzelnen Klöstern, über die sie schon durch Bonifatius die Leitung erhalten hatte. Diese Haltung des Loslassens und des Ausblicks auf die kommende Wirklichkeit zeigt zugleich Größe und Demut aus dem Glauben.
Jahre zuvor hatte Lioba bereits von ihrem Bruder Bonifatius Abschied genommen, den vor seiner letzten Reise nach Friesland im Jahre 754 Todesahnungen erfüllten. Zu seinem Testament gehörte auch die Sorge um seine Landsleute und um die Frauen um Lioba. Sie selbst sollte als seine nahe Verwandte neben ihm ihre Grablege finden. Sie starb am 28. September 782. Am kommenden Mittwoch feiern wir ihr Fest.
Die Fuldaer Mönche aber, die ihren Leichnam nach Fulda überführten, haben den Wunsch des Bonifatius nur zögerlich und dann durch die Übertragung nach Fulda-Petersberg anders erfüllt.
 
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Aktuelle Meldungen

Kirchliche Sendungen im Hörfunk
In einer katholischen Morgenfeier am Sonntag, 26. Mai, um 7.30 Uhr im 2. Programm des Hessischen Rundfunks (hr2-kultur) wird Monsignore Pfarrer Elmar Gurk (Fulda) die Ansprache halten. Marcus C. Leitschuh (Kassel) wird vom 27. bis 31. Mai sowie am 2. Juni innerhalb der Sendereihe „Übrigens …“ auf hr4 zu hören sein. Den „Zuspruch“ im ersten Programm des Hessischen Rundfunks (hr1) wird in der Woche vom 27. Mai bis 1. Juni Dr. Peter Felix Ruelius (Fulda) übernehmen.
Jugendlobpreis in der Michaelskirche
Am Sonntag, 2. Juni, findet um 18 Uhr ein Jugendlobpreis in der Michaelskirche statt. Im Jahr des Glaubens stehen die Lobpreisgebete unter der Überschrift „Feel the Spirit!“. Jugendpfarrer Thomas Renze wird dazu eine Katechese halten.
Bistum Fulda fordert Nachbesserungen bei Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen
Die Bauabteilung des Bischöflichen Generalvikariats in Fulda hat erhebliche Bedenken gegen den „Teilregionalplan Energie Nordhessen 2013“, durch den Vorrangflächen für den Bau von Windkrafträdern ausgewiesen werden, und fordert hier erhebliche Nachbesserungen, da die Kulturlandschaft des Fuldaer Landes und denkmalpflegerische Aspekte in dem Plan nicht genügend berücksichtigt worden sind. Eine detaillierte Stellungnahme zu dem Teilregionalplan hat das Bistum daher an das Regierungspräsidium und die Mitglieder der Regionalversammlung versandt.
Musical „Auf Leben und Tod“ über den hl. Augustinus in Neuhof
Am Dienstag, 4. Juni, wird im Gemeindezentrum in Neuhof das Musical „Auf Leben und Tod – Bist du bereit für die Wahrheit?“ aufgeführt. Beginn ist um 19 Uhr. Es handelt sich bei dem Stück um eine Produktion der Emmanuel School of Mission (Altötting).
Pfarrer Dr. Ernst 70 Jahre
Akademikerseelsorger Geistlicher Rat Pfarrer Dr. Norbert Ernst (Grebenstein) kann am 25. Mai seinen 70. Geburtstag begehen. Er wurde 1943 in Kassel geboren und legte 1962 am Realgymnasium in Rotenburg/Fulda die Abiturprüfung ab.
 

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