Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag 18. Dezember 2011
Als Beispiel empfohlen
Vor einigen Tagen wurde die Großstadt Siegen im südlichen Bereich des Erzbistums Paderborn zum Vorbild für alle Städte und Gemeinden in Deutschland. Warum?
Während Kirchen und Gewerkschaften immer wieder über die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen klagen, machten die Siegener Nägel mit Köpfen. Der Stadtrat beschloß, dass es im Jahr 2012 keine verkaufsoffenen Sonntage geben wird. Die Mehrheit war mit 34 zu 30 Stimmen zwar knapp, aber die Befürworter des Sonntagsschutzes haben sich durchgesetzt. Es geht also, wenn man will.
Möglich wurde dieser Beschluß durch den Einsatz der „Allianz für den freien Sonntag“. Die Vereinigung mit der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) an der Spitze hat sich über Jahre hinweg aufklärend engagiert und war jetzt endlich erfolgreich.
Die Entscheidung des Siegener Stadtrates ist eine Ermutigung, für die ich dankbar bin. Vielleicht begreifen jetzt auch anderswo die politisch Verantwortlichen, daß niemand am Sonntag einkaufen muß. Die Geschäfte sind von Montag bis Samstag lange genug geöffnet. Arbeitnehmer und Geschäftsleute sollten nicht gezwungen werden, auch noch am Sonntag hinter der Ladentheke zu stehen. „Ein Christ soll sich hüten, einen anderen ohne Not zu etwas zu verpflichten, das ihn daran hindern würde, den Tag des Herrn zu feiern“, heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche (vgl. die Nummern 2184 - 2188). Die Öffnung von Geschäften am Sonntag ist für mich ein ständiger Verstoß gegen das dritte der zehn Gebote.
Allen, die pragmatisch Kosten-Nutzen-Erwägungen als Maßstab für Entscheidungen heranziehen, sollte bewusst sein: Der Sonntag ist ganz und gar unbezahlbar. Ihn immer mehr auszuhöhlen, nimmt dem Leben der Menschen mehr als noch so gute Verkaufszahlen des Einzelhandels je einbringen können. Weil es sich beim Sonntag um ein hohes Kultur- und Gemeinschaftsgut handelt, hat ihn auch unsere Verfassung ausdrücklich unter Schutz gestellt. Im Grundgesetz heißt es: „Der Sonntag und die staatlichen Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“ (GG, Art. 140).
Dieser Grundsatz steht hingegen in vielen Städten und Kommunen auch unseres Bistums zur Disposition. Beim Deutschen Juristentag im September 2010 brachte es der Verfassungsrechtler Paul Kirchhof auf den Punkt: „Warum spannt der Staat einen Rettungsschirm auf, wenn Finanzinstitute sich übernommen haben, während er den Schirm geschlossen lässt für Träger unserer Kultur, auf die die Verfassung baut, die aber substantiell gefährdet sind?“
Christinnen und Christen müssen für den Sonntag, seine Bedeutung und seinen Schutz kämpfen. Der russische Schriftsteller Solschenizyn hat die Folgen des gleichgültigen Zulassens zur Sprache gebracht: „Es kann nicht ausbleiben, dass ein Mensch, der selbst nur noch bloßer Alltag ist, an einem immer stärker um sich greifenden Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit leidet.“
Tatsächlich, das Kostbare zerbricht leicht und leise, es bedarf besonderer Fürsorge. Die Frage ist: Wer hat den Mut, der Stadt Siegen zu folgen?



Aktuelle Meldungen
Kirchliche Sendungen im Hörfunk
In einer katholischen Morgenfeier am Sonntag, 26. Mai, um 7.30 Uhr im 2. Programm des Hessischen Rundfunks (hr2-kultur) wird Monsignore Pfarrer Elmar Gurk (Fulda) die Ansprache halten. Marcus C. Leitschuh (Kassel) wird vom 27. bis 31. Mai sowie am 2. Juni innerhalb der Sendereihe „Übrigens …“ auf hr4 zu hören sein. Den „Zuspruch“ im ersten Programm des Hessischen Rundfunks (hr1) wird in der Woche vom 27. Mai bis 1. Juni Dr. Peter Felix Ruelius (Fulda) übernehmen.Jugendlobpreis in der Michaelskirche
Am Sonntag, 2. Juni, findet um 18 Uhr ein Jugendlobpreis in der Michaelskirche statt. Im Jahr des Glaubens stehen die Lobpreisgebete unter der Überschrift „Feel the Spirit!“. Jugendpfarrer Thomas Renze wird dazu eine Katechese halten.Bistum Fulda fordert Nachbesserungen bei Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraftanlagen
Die Bauabteilung des Bischöflichen Generalvikariats in Fulda hat erhebliche Bedenken gegen den „Teilregionalplan Energie Nordhessen 2013“, durch den Vorrangflächen für den Bau von Windkrafträdern ausgewiesen werden, und fordert hier erhebliche Nachbesserungen, da die Kulturlandschaft des Fuldaer Landes und denkmalpflegerische Aspekte in dem Plan nicht genügend berücksichtigt worden sind. Eine detaillierte Stellungnahme zu dem Teilregionalplan hat das Bistum daher an das Regierungspräsidium und die Mitglieder der Regionalversammlung versandt.Musical „Auf Leben und Tod“ über den hl. Augustinus in Neuhof
Am Dienstag, 4. Juni, wird im Gemeindezentrum in Neuhof das Musical „Auf Leben und Tod – Bist du bereit für die Wahrheit?“ aufgeführt. Beginn ist um 19 Uhr. Es handelt sich bei dem Stück um eine Produktion der Emmanuel School of Mission (Altötting).Pfarrer Dr. Ernst 70 Jahre
Akademikerseelsorger Geistlicher Rat Pfarrer Dr. Norbert Ernst (Grebenstein) kann am 25. Mai seinen 70. Geburtstag begehen. Er wurde 1943 in Kassel geboren und legte 1962 am Realgymnasium in Rotenburg/Fulda die Abiturprüfung ab.RSS-Feeds abonnieren
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