Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag, 29 April 2012
In Sorge um Priesterberufungen
Am 4. Sonntag der Osterzeit begegnen wir im Evangelium ((Joh 10, 11-18) Jesus Christus als dem Guten Hirten, der seine Herde nicht verlässt. Ich nehme diesen Weltgebetstag für geistliche Berufe zum Anlass, um Sie, liebe Leserinnen und Leser, in meine größte Sorge mit einzubeziehen, die mir mitunter schlaflose Nächte bereitet: die um Priesterberufungen.
Sorge ist eigentlich nur ein Alltagsname für Liebe. Weil mir unser Bistum mit seinen vielen Gemeinden und Gemeinschaften sehr am Herzen liegt, wird die Liebe zur Sorge im Hinblick auf fehlende Priesterberufungen – in allen Bistümern Deutschlands, zunehmend aber auch im Bistum Fulda.
Die Feier der Hl. Messe, die in der Wandlung der Gaben ihre Wesensmitte und ihren Höhepunkt findet, ist ohne einen Priester nicht möglich. Daher kann grundsätzlich ein Priester nur durch einen anderen Priester ersetzt werden. Jesus Christus nimmt den von ihm berufenen und geweihten Priester in Dienst, um im Sakrament des Altares leiblich gegenwärtig zu werden. Ohne ihn kann keine Eucharistie gefeiert werden. Und ohne Eucharistie verliert die Welt die leibliche Gegenwart Christi. Kirche ohne Eucharistie ist ein Widerspruch in sich selbst.
Hat sich der Herr geirrt, wenn er sich derart an die Mitwirkung von Menschen in seiner Kirche bindet? Findet sein Ruf keine Antwort mehr? Oder hält etwa die Krise des Glaubens und des Vertrauens junge Menschen davon ab, in der Berufung zum Priester ein erstrebenswertes Ziel zu sehen. Manche möchten im Grunde schon, verlieren dann aber den Mut im Gegenwind.
Bei vielen Katholiken ist durchaus der Wunsch nach Priesterberufungen sehr lebendig, aber ohne, dass man dabei auf die eigene Familie schauen würde. Bei einer Visitation sagte mir ein Mitglied eines Pfarrgemeinderates: „In der Gemeinde lebt eigentlich die Sorge um Priesterberufungen kaum noch. Dafür ist doch Fulda zuständig.“
Wo aber soll denn ein Bischof die Priester hernehmen, wenn sie ihm nicht aus den Gemeinden zuwachsen? Er kann sie doch nicht aus dem Ärmel schütteln und auch nicht aus dem Boden stampfen. Ein leerer werdendes Priesterseminar ist für ein Bistum geradezu tragisch.
Ich bin also auf die Mithilfe von Ihnen allen angewiesen. Nur gemeinsam können wir die nötigen Berufungen von Gott erbitten. Darum möchte ich Ihnen das ans Herz legen: Nehmen Sie an meiner Sorge um Priesterberufungen teil und damit am Fortbestand unserer Kirche im Bistum Fulda.
Ich kenne junge Menschen, die eine Berufung in sich tragen, dabei aber keine Ermutigung in ihrer Familie, in Schule und Gemeinde erfahren, so dass der Ruf des Herrn ungehört verhallt. Ich bin zutiefst überzeugt, dass der Herr für seine Kirche genügend Priester beruft. Wir müssen allerdings Räume schaffen, in denen dieser Ruf des Herrn auch gehört werden kann.
In den letzten Jahren waren wir intensiv mit Strukturveränderungen in den Pfarreien beschäftigt. Aber Strukturen sind nicht das Erste und Letzte in unserer Kirche, sondern immer nur Mittel zum Zweck. Sie sollen uns helfen, Christus als Erlöser zu verkünden und zu feiern. Darum geht es in der Kirche – um nichts anderes!
Der Hl. Vater betonte in einer seiner Reden während des Deutschlandbesuchs (Freiburg, 24.09.2011): „Wenn wir nicht zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens finden, wird alle strukturelle Reform wirkungslos bleiben.“
Jesus Christus wusste, dass er immer wieder genügend Priester haben wird, die sein Wort der Berufung hören. Deswegen konnte er der Kirche ihre Fortdauer bis zum Ende der Welt garantieren. Sollte er sich dabei im Hinblick auf Deutschland oder das Bistum Fulda getäuscht haben? Das glaube ich nicht!
Ich kann nicht glauben, dass die Hochherzigkeit junger Menschen, ihrer Familien und Gemeinden kleiner ist als die Verheißung des Herrn. Machen Sie also die Sorge um Priesterberufungen zu Ihrer persönlichen. Sorge ist, wie gesagt, der Alltagsname für Liebe.
Bitte nehmen Sie meinen Appell in Ihr Bewusstsein auf und noch mehr in Ihre Herzen!



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