Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag, 13. Mai 2012
Erfüllt von großer Freude
Von Bischof Heinz Josef Algermissen
Jesus lebt. So lautet die Botschaft vom Ostermorgen. Im 24. Kapitel seines Evangeliums erzählt Lukas, wie die beiden Jünger, die auf dem Weg nach Emmaus sind, ihrem unbekannten Begleiter von den Frauen berichten, die am leeren Grab waren. Ihnen seien Engel erschienen und hätten gesagt, „er lebe“ (Vers 23).
Die Botschaft, die am Ende seines Evangeliums steht, greift Lukas dann gleich am Beginn der Apostelgeschichte wieder auf: „Dass er lebt“, das habe Jesus „nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt.“ Und dann fügt der Evangelist hinzu: „Vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen“ (Apg 1, 3).
Die anschließende Himmelfahrt, die von Lukas zweimal als sichtbarer Vorgang geschildert wird, erfüllt die urchristliche Gemeinde auch deshalb mit „großer Freude“, weil mit der Entrückung eben gerade keine Entfernung von der Erde verbunden ist. Der Himmel, der sich an Weihnachten geöffnet hat, bleibt offen. Himmel und Erde sind seit der Menschwerdung Gottes für immer miteinander vereint.
„Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen“ (Apg 1, 11). Die Frage der beiden Engel an die „Männer von Galiläa“ richtet sich an alle, die den Auferstandenen fern der Welt vermuten. Sie verbindet mit der Zusage Christi: „Ihr werdet meine Zeugen sein… bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8).
Die Botschaft des Festes Christi Himmelfahrt, das wir kommenden Donnerstag feiern, hat gar nichts mit Weltflucht zu tun, wie hier und da vorgeworfen wird. Im Gegenteil: Wer diese Welt aus seiner Sorge entließe, würde Jesus Christus verraten. Der Glaube kann also gar nicht vorbeigehen an dem, was die Angst so vieler Menschen in diesen Tagen begründet. Aber ebenso gilt: Wer nur auf diese Welt starren wollte, würde viel zu wenig sehen. Er gliche einem Wanderer, der über dem Weg sein Ziel vergäße.
Ein Christ ist Realist genug um zu wissen, dass diese Welt seine Sehnsucht nicht erfüllen kann. So wagt er im Vertrauen auf den, der in den Himmel aufgenommen wurde und wiederkommen wird, den Blick nach vorn. Er weiß im Glauben, dass sein Leben nicht „eines langen Tages Reise in die Nacht“ ist, sondern vielmehr Reise in die Zukunft, die Gott heißt.



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