Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag, 1. Juli 2012
Petrus und Paulus
Von Bischof Heinz Josef Algermissen
Am 29. Juni feierte unsere Kirche ein ebenso populäres wie seltsames Fest, gleichsam ein Zwei-Männer-Fest: Petrus und Paulus. Dass man Petrus und Paulus am selben Tag gedenkt, ist merkwürdig genug. Freilich, es waren zwei Männer vom selben Fach, wenn man so will, mit dem gleichen Anliegen. Aber sie waren dennoch grundverschieden.
Petrus: ein einfacher Mensch, unkompliziert, ein Fischer, der sein Boot, seine Netze, seinen See Genezareth, eben sein Betätigungsfeld, gut kennt.
Paulus: ein gewandter und gebildeter Weltmensch, römischer Bürger mit weitem Horizont.
Petrus verheiratet, Paulus ehelos. Petrus eher konservativ, vorsichtig, nur keine Experimente. Tradition ist ihm heilig. Ein klassischer Vertreter amtlicher Autorität. Paulus dagegen hat den Mut, auch neue Bahnen zu beschreiten. Selbst anerkannte Konventionen gibt er auf, wenn sie der Sache im Wege stehen.
Petrus und Paulus – sie sind Symbole für die Gegensätze, die nicht nur in der Kirche, sondern auch in unserem eigenen Leben herrschen.
Kirche und Welt leben von der Spannung zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen Gesetz und Freiheit, Autorität und Gewissensentscheidung. „Wir sind die petrinische Kirche“, sagen die einen. Und am Dom von St. Peter zu Rom steht es in großen Buchstaben: „Du bist Petrus der Fels …“ (Mt 16, 18). Das bedeutet natürlich Festigkeit, Garantie der Einheit, Stabilität. „Fels“ heißt aber auch Unbeweglichkeit, Hartnäckigkeit, Beharrung. „Wir sind die paulinische Kirche“, sagen die anderen, beweglich und dynamisch. Aber auch anfällig für Unsicherheit und Resignation.
Petrus und Paulus: zwei historische Persönlichkeiten, zwei große Gegensätze. Zwei Menschen, die streiten, die gegeneinander vorgehen, wenn es die Sache erfordert, wie uns die Bibel berichtet, die aber immer auch die Einheit suchen, weil sie beide ja im Grunde von der gleichen Erfahrung leben.
Jeder von ihnen hat einmal schwer versagt: Petrus hat seinen besten Freund verleugnet und in dessen schwerster Stunde verlassen. Paulus hat als Saulus unschuldige Menschen verfolgt und getötet, nur weil sie anderer Überzeugung waren. Beide haben versucht, wieder gutzumachen. Beide haben den Glauben an Jesus Christus mit ihrem Leben bezahlt.
Petrus und Paulus – zwei große Gegensätze, denen die Kirche einen gemeinsamen Gedenktag zugesteht, vielleicht einen hohen Feiertag, wenn man dabei die Erkenntnis gewinnt, dass die wahre Kirche Jesu Christi immer beides ist und beides beinhaltet: Petrus und Paulus.
Liebe Leserinnen und Leser, mitunter gibt es auch in unseren Familien einen Petrus und einen Paulus. Ich denke dabei nicht an jene, die Namenstag gefeiert haben. Sondern an den Typ „Petrus“, der immer gern das Alte bewahren will, sich nicht trennen kann vom Glauben, dass wohl früher alles besser war, und an den Typ „Paulus“, der lieber morgen als heute leben möchte und seinen eigenen Weg mit eigener Überzeugung gehen will.
Wenn es also diese beiden Typen in Ihrer Familie gibt, so denken Sie bitte daran: Wir haben nicht Peter oder Paul, sondern Peter und Paul gefeiert. Dann könnte dieser Feiertag vorgestern nicht nur ein vom Kalender vorgegebenes Datum sein, sondern ein Spiegelbild und Programm unseres eigenen Lebens.
Petrus: ein einfacher Mensch, unkompliziert, ein Fischer, der sein Boot, seine Netze, seinen See Genezareth, eben sein Betätigungsfeld, gut kennt.
Paulus: ein gewandter und gebildeter Weltmensch, römischer Bürger mit weitem Horizont.
Petrus verheiratet, Paulus ehelos. Petrus eher konservativ, vorsichtig, nur keine Experimente. Tradition ist ihm heilig. Ein klassischer Vertreter amtlicher Autorität. Paulus dagegen hat den Mut, auch neue Bahnen zu beschreiten. Selbst anerkannte Konventionen gibt er auf, wenn sie der Sache im Wege stehen.
Petrus und Paulus – sie sind Symbole für die Gegensätze, die nicht nur in der Kirche, sondern auch in unserem eigenen Leben herrschen.
Kirche und Welt leben von der Spannung zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen Gesetz und Freiheit, Autorität und Gewissensentscheidung. „Wir sind die petrinische Kirche“, sagen die einen. Und am Dom von St. Peter zu Rom steht es in großen Buchstaben: „Du bist Petrus der Fels …“ (Mt 16, 18). Das bedeutet natürlich Festigkeit, Garantie der Einheit, Stabilität. „Fels“ heißt aber auch Unbeweglichkeit, Hartnäckigkeit, Beharrung. „Wir sind die paulinische Kirche“, sagen die anderen, beweglich und dynamisch. Aber auch anfällig für Unsicherheit und Resignation.
Petrus und Paulus: zwei historische Persönlichkeiten, zwei große Gegensätze. Zwei Menschen, die streiten, die gegeneinander vorgehen, wenn es die Sache erfordert, wie uns die Bibel berichtet, die aber immer auch die Einheit suchen, weil sie beide ja im Grunde von der gleichen Erfahrung leben.
Jeder von ihnen hat einmal schwer versagt: Petrus hat seinen besten Freund verleugnet und in dessen schwerster Stunde verlassen. Paulus hat als Saulus unschuldige Menschen verfolgt und getötet, nur weil sie anderer Überzeugung waren. Beide haben versucht, wieder gutzumachen. Beide haben den Glauben an Jesus Christus mit ihrem Leben bezahlt.
Petrus und Paulus – zwei große Gegensätze, denen die Kirche einen gemeinsamen Gedenktag zugesteht, vielleicht einen hohen Feiertag, wenn man dabei die Erkenntnis gewinnt, dass die wahre Kirche Jesu Christi immer beides ist und beides beinhaltet: Petrus und Paulus.
Liebe Leserinnen und Leser, mitunter gibt es auch in unseren Familien einen Petrus und einen Paulus. Ich denke dabei nicht an jene, die Namenstag gefeiert haben. Sondern an den Typ „Petrus“, der immer gern das Alte bewahren will, sich nicht trennen kann vom Glauben, dass wohl früher alles besser war, und an den Typ „Paulus“, der lieber morgen als heute leben möchte und seinen eigenen Weg mit eigener Überzeugung gehen will.
Wenn es also diese beiden Typen in Ihrer Familie gibt, so denken Sie bitte daran: Wir haben nicht Peter oder Paul, sondern Peter und Paul gefeiert. Dann könnte dieser Feiertag vorgestern nicht nur ein vom Kalender vorgegebenes Datum sein, sondern ein Spiegelbild und Programm unseres eigenen Lebens.



Aktuelle Meldungen
„Tag der Literatur“ in Bibliothek des Priesterseminars
In diesem Jahr veranstaltet der Hessische Rundfunk die vierte hessenweite Aktion „Ein Tag für die Literatur“. Die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars nimmt an der Veranstaltungsreihe mit einer Lesung zum Thema „Fulda als Reiseziel in Erzählungen und Reiseberichten“ teil.Studientag „Tatort Bibel“ im Bonifatiushaus
Am Samstag, 25. Mai, findet ab 10 Uhr im Fuldaer Bonifatiushaus ein Studientag mit Pfarrer Ferdinand Rauch (Poppenhausen) zum Thema „Tatort Bibel – Kriminalfälle in den Testamenten“ statt.Grundsolidarität unter Christen angemahnt
„Weil es nur einen Geist gibt, muss es unter denen, die sich zu Jesus Christus bekennen, eine Grundsolidarität geben, die weit vor allen persönlichen Vorlieben, kirchlichen Strömungen, theologischen und politischen Richtungen liegt.“ Dies stellte der katholische Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen, am Pfingstmontag in Kassel heraus.Telefonseelsorge informierte in Stein-Schule
Das hatte es weder für die Freiherr-vom-Stein-Schule noch für die Gäste des Fuldaer Gymnasiums bislang gegeben: Vorstandsmitglieder des Fördervereins der Telefonseelsorge Fulda informierten etwa 60 Abiturienten über den Dienst der 70 weiblichen und männlichen ehrenamtlichen Mitarbeiter am Telefon.Bischof Algermissen predigte am Pfingstsonntag im Fuldaer Dom
Emanzipation von Gott hat fatale Folgen - Bischof Algermissen predigte am Pfingstsonntag im Fuldaer Dom.RSS-Feeds abonnieren
News und Informationen aus dem Bistum - schnell und komfortabel via RSS



