Bistum Fulda
Feierliche Eröffnung der traditionellen Bonifatiuswallfahrten
Alle Fotos: Ralph Leupolt.
Fulda (bpf). „Als Kirche der Niederlande und als Kirche in Deutschland stehen wir vor der Herausforderung, immer mehr eine diakonische Kirche zu werden. Wie Christus nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen, so sind auch wir zu gegenseitigem Dienst berufen“, unterstrich der Bischof von Groningen-Leeuwarden, Dr. Gerard de Korte, am Sonntag in Fulda vor über 8.000 Wallfahrern anlässlich der Eröffnung der traditionellen Bonifatiuswallfahrten. „Gerade als dienende Kirche, die aus der Eucharistie lebt, können wir den Spuren von Bonifatius folgen.“ Es gelte, wie der große Heilige in Tat und Wort Missionar zu sein in der Welt von heute sowie Jesus Christus in ihr sichtbar zu machen. „In der Kraft von Gottes Geist können wir Früchte hervorbringen, die bleibend sind.“
Zu Beginn seiner Predigt hatte der bischöfliche Gast aus den Niederlanden darauf hingewiesen, dass es den Menschen in Deutschland ebenso wie in seiner Heimat seit 50 Jahren materiell immer besser gehe und Selbstbestimmung und Individualisierung die dominanten Werte in der Gesellschaft geworden seien. Die Individualisierung habe als Kehrseite, dass eine wachsende Gruppe von älteren und auch jüngeren Menschen vereinsame und keinen Sinn mehr im Leben sehe. Auch die Kirche sei heute verletzlich geworden: „Sie gleicht einer umgekehrten Pyramide – an der Oberseite sehen wir viele Senioren, und an der Unterseite nur wenige jüngere Menschen.“ Zwar empfänden viele junge Menschen noch religiös, aber ließen dabei ihre Pfarrgemeinde oft „links liegen“. Noch besorgniserregender sei die Sprachlosigkeit vieler Katholiken. „Es macht ihnen Mühe, den Inhalt ihres Glaubens in Worte zu fassen.“ Eltern könnten oftmals nicht fruchtbar mit ihren Kindern über Glauben und Kirche sprechen.
All dies sei aber kein Grund zur Hoffnungslosigkeit, hob Bischof de Korte hervor. „Dasselbe Glas nennt der eine halb leer und der andere halb voll.“ Religiöse Menschen müssten sich den Untersuchungen von Soziologen und Statistikern wohl stellen, aber sie dürften nie davon abhängig werden. „Schließlich dürfen wir Menschen der Hoffnung sein, und unsere Hoffnung liegt in Christus begründet.“ Die Christen sollten auf Christus als den Herrn der Kirche vertrauen und Instrumente in der Hand Gottes sein. „Jeden brauchen wir heute in der Kirche. Gerade jetzt ist es wichtig, die Verantwortlichkeit unserer Taufe und unserer Firmung zu kennen und fruchtbar zu machen.“ Alle Getauften hätten nämlich Anteil am Priestertum des Herrn. In der Kraft des Heiligen Geist dürften die Gläubigen die Nachfolge Christi gestalten.
Der heilige Bonifatius sei in seinem Leben ein „Wanderer Gottes“ geworden, rief der Bischof in Erinnerung. Er verließ seine vertraute Umgebung, um in großen Teilen Nord- und Westeuropas Menschen für Christus zu gewinnen. Zu diesem Zweck gründete er auch Klöster und stärkte die Struktur der Kirche. Sehr wichtig war für ihn sein Band mit dem Bischof von Rom als dem aktuellen Petrus. „Überall machte Bonifatius die Menschenliebe Gottes in Jesus Christus bekannt“, so der Oberhirte weiter. „Wie ein neuer Paulus zog Bonifatius als Missionar herum, berührt von der Liebe Christi.“ Bonifatius habe von Auflehnung und Hass gewusst und sei seinem Herrn Jesus Christus nachgefolgt, wie dieser verfolgt wurde und durch Gewalt ums Leben kam. „Ein Diener steht nämlich nicht über seinem Herrn.“
Christus sei der Weinstock, und jeder Gläubige sei eine Rebe an diesem Weinstock. „Nur von unserer Beziehung zu Christus her können wir Früchte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe hervorbringen“, betonte de Korte. Das christliche Leben sei vor allem Leben von der Freundschaft mit Christus her. „Nicht wir haben ihn ausgewählt, sondern Christus hat uns ausgewählt.“ Die Liebe Gottes dürften die Christen miteinander teilen. Die katholische Kirche werde aufgebaut vom Wort und von den Sakramenten her, ganz besonders vom Sakrament der Eucharistie. Die Eucharistie bilde nach dem Selbstverständnis der Kirche „Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens“, sei Mahl und Opfer zugleich sowie Zeichen und Siegel des neuen Bundes, den Gott in Christus mit den Menschen geschlossen habe.
„Christus in der Eucharistie zu begegnen bedeutet auch, dass wir uns von Christus senden lassen“, so der Bischof. „Wir begegnen Christus nicht nur im eucharistischen Brot, sondern auch in unserem Nächsten.“ Gerade in den Kleinen und Verletzlichen könne man Christus begegnen. „Vor diesem Hintergrund gehören Eucharistie und Diakonie ganz und gar zusammen.“
Den Festgottesdienst feierte Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen in Konzelebration mit Bischof de Korte, Weihbischof Dr. Karlheinz Diez und Weihbischof Johannes Kapp sowie Generalvikar Dr. Gerhard Stanke, Prälat Dr. Lucian Lamza und den Pfarrern Paul Verheijen (Dokkum, Niederlande) und Joseph Ndiraba (Hoima, Uganda). Musikalisch wurde die Messfeier vom Fuldaer Jugendkathedralchor mit Chorsätzen von J. E. Eberlin, H. Schütz und L. Halmos und Gotteslobliedern im Wechsel mit der Gemeinde, einem großen, aus mehreren Blasorchestern bestehenden Instrumentalensemble unter Leitung von Regionalkantor Ulrich Moormann sowie Domorganist Prof. Hans-Jürgen Kaiser an der Orgel mitgestaltet.
Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Bischof Algermissen die Gläubigen und besonders die Konzelebranten und Gäste aus dem Ausland begrüßt. Dabei hob er hervor, dass die Kirche sich auch in der Krise nicht zurückziehen dürfe. „Wir brauchen heute Menschen mit der Festigkeit des hl. Bonifatius, die wie ein ‚Fels in der Brandung’ sind.“ Es gelte, nicht bloß zu jammern und zu kritisieren, sondern sich in der Kirche zu engagieren und sich im Glauben neu zu motivieren. Domdechant Prof. Dr. Werner Kathrein hatte vor Beginn des Gottesdienstes die Wallfahrer aus den Pastoralverbünden und Pfarreien des Bistums willkommen geheißen.

10.06.2012
Bischöfliche Pressestelle
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Redaktion: Christof Ohnesorge

Video: Bonifatiusfest
Feierliche Eröffnung der Bonifatiuswallfahrten - Groninger Bischof predigte beim Bonifatiusfest - über 8.000 Wallfahrer auf dem Fuldaer Domplatz.
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