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Bistum Fulda

„Die Kunst ist ein Glücksfall“

Künstlertag des Bistums Fulda in Sankt Elisabeth Kassel  
Foto: onebreaker.dezoom
Foto: onebreaker.de

Kassel. „Was ist der Mensch?“ heißt es in Psalm 8, mit dem das Morgenlob des Künstlertages in der Kasseler Kirche Sankt Elisabeth begann. „Was ist der Mensch?“ ist auch die zentrale Frage, mit der sich die Kunst Stephan Balkenhols auseinandersetzt. Zum Künstlertag des Bistums Fulda hatte Bischof Heinz Josef Algermissen die Künstler und Architekten eingeladen, die mit dem Bistum zusammenarbeiten. Ort des Treffens: die Kirche Sankt Elisabeth, die der Bildhauer Stephan Balkenhol mit Hochreliefs und Skulpturen gestaltet hat – als Raum der Stille, Konzentration und des Gottesdienstes. Mit dabei waren diesmal auch die Mitglieder des Vereins für christliche Kunst e.V. in den Bistümern der Kirchenprovinz Paderborn e.V. (Paderborn, Erfurt, Fulda und Magdeburg), die im Anschluss an den Künstlertag ihre Generalversammlung abhielten.


Vom „Glücksfall Kunst“ sprach Vereinsvorsitzender Prälat Theodor Arens in seinem Grußwort. Er hielt die Ausstellung „Stephan Balkenhol in Sankt Elisabeth“ für eine wichtige Ergänzung zur documenta 13: „Solange der Mensch lebt, balanciert er“, sagte er in Anspielung auf die Balkenholsche Figur im Glockenturm von Sankt Elisabeth, die für eine heftige Debatte zwischen der katholischen Kirche, der documenta-Leitung und der Stadt gesorgt hatte.


Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez, der das Morgenlob mit den Gästen feierte, eröffnete seine Predigtmeditation mit dem Staunen des Paulus, ein ganz besonderers Staunen, von dem zuvor im Römerbrief (11,33 ff.) zu hören war. Paulus staunt über das Erbarmen Gottes als Reaktion auf den Ungehorsam des Menschen. Weihbischof Diez: „Alle wirkliche Weisheit beginnt mit dem Staunen über Welt, Mensch und Gott.“ Die Kunst Stephan Balkenhols in Sankt Elisabeth, so Diez, bewirkt in besonderer Weise immer wieder unser Staunen, zum Beispiel das „Augenkreuz“. Das sind vier quadratische schwarze Holztafeln mit zahlreichen Augen in unterschiedlicher Größe und verschiedenartigem Ausdruck. Das Besondere: Die Tafeln sind so über den Altar gehängt, dass die schmalen horizontalen und vertikalen Leerräume zwischen ihnen eine Kreuzform ergeben. Durch dieses „Leerkreuz“ ist das Triumphkeuz der Elisabethkirche in einzigartigen Ausschnitten an Formen und Farben zu entdecken. So wird das „Augenkreuz“ von Stephan Balkenhol nach Ansicht von Weihbischof Diez zu einer „Hoffnungshilfe auf die Würde des Menschen und auf die Größe Gottes hin“.


Zu einem eindrucksvollen öffentlichen Gespräch kam es auf dem Künstlertag zwischen dem Künstler Stephan Balkenhol, Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Direktor des Diözesanmusuems Paderborn, und Prof. Dr. Josef Meyer zu Schlochtern, Fundamentaltheologe an der Theologischen Fakultät Paderborn. In einem kundigen Spiel aus Fragen und Antworten loteten die drei das künstlerischen Schaffen des Bildhauers in der Kirche Sankt Elisabeth aus. Warum hat er die Einladung zur Gestaltung dieser Kirche angenommen? Wie steht er zu den religösen Bezügen seiner Arbeiten in Sankt Elisabeth? Warum ist seine Skulpturensprache so zurückhaltend? Die Figuren lassen an die Romanik denken wie geht er mit der Tradition um? Für Stephan Balkenhol war es eine reizvolle Herausforderung, in einem Raum, der mit religiösen Inhalten aufgeladen ist, als freier Künstler zu bestehen. Er nannte es eine „Hochzeit von Skulptur und Architektur“, die in Sankt Elisabeth möglich wurde. „Die Spannung zwischen christlicher Ikonografie und heutigem Menschenbild hat mich besonders interessiert.“ Als er mit seiner Figurenarbeit begann, war die Figur als künstlerische Form eigentlich unakzeptabel. „Aber ich glaubte und glaube an diese Form, will sie jedoch nicht ‚herausschreien’, will keine plakativen Aussagen machen, sondern Offenheit zulassen. Als ich anfing, habe ich erst einmal eine große Recherche in Museen und Sammlungen zum Thema Menschenbild gemacht. Es ging in allen Jahrhunderten immer um Wirklichkeit und existentielle Selbstbespiegelung.“ Angesprochen auf seinen Umgang mit den positiven wie negativen Reaktionen auf seine Kunstwerke, sagt Stephan Balkenhol: „Jemand hat mal zu einer meiner Skulpturen angemerkt, dass man an der Figur ein Wunder festmachen kann: ‚Sie lächelt oder lächelt auch nicht.’ Das finde ich spannend.“


Für Diözesanbaumeister und -konservator Dr. Burghard Preusler, Mitgastgeber für Künstlertag und Vereinsversammlung, waren es intensive und wohltuende Stunden des Miteinanders: „Unsere Verbindung lebt ja nicht nur von der Zusammenarbeit, sondern auch von der Liebe und Leidenschaft zur Kunst und künstlerischen Gestaltung. Dem einmal jenseits des Alltagsgeschäft in Ruhe nachzugehen, dient der Künstlertag. Die Ausstellung ‚Stephan Balkenhol in Sankt Elisabeth’ bot dazu einen inspirierenden Versammlungs- und Gesprächsort.“

04.07.2012


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