Aktuelles Bischofswort zum 11. Februar 2018

Staub und Ebenbild

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Zu Beginn der österlichen Bußzeit, am kommenden Mittwoch, empfangen katholische Christen das Aschenkreuz. Der Priester teilt es aus mit den Worten: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“

Staub genannt zu werden, ist ein hartes Wort, denn Staub ist eigentlich etwas, was besser gar nicht da wäre, was im Haushalt nur lästig, wertlos und störend ist. Immer wieder Staub wischen, Staub aufwirbeln, Staub schlucken müssen, verstaubt: diese und ähnliche Wortverbindungen weisen hin auf das Ärgerliche und höchst Überflüssige, das mit dem Wort Staub anklingt. Das Wort kommt allerdings in der Bibel und der Liturgie wiederholt vor, wenn es um das Wesen des Menschen geht.

Die Bibel berichtet zum Beispiel in ihrem Nachsinnen über die Herkunft der Welt und des Menschen davon, dass die geschaffenen Dinge auf Gottes Wort hin „Es werde!“ geworden sind. Dem Akt der Erschaffung des Menschen aber geht eine Absichtserklärung Gottes voraus: Sein Bild und Gleichnis soll der Mensch sein, den er aus dem Staub der Erde formte und bildete und dem er seinen Atem einhauchte. So trägt der Mensch, dieses Staubgebilde, etwas vom höchsten Gott selber in sich. Der ganze Mensch mit Leib und Seele verdankt sich dem bewussten Schöpfungsakt Gottes. Nicht irgendetwas am Menschen ist Bild und Gleichnis Gottes, sondern der Mensch ganz und gar.

Das Aschenkreuz auf unserer Stirn ist ein Kontrastzeichen. In sich ist es düster, aber es weist hin auf das Helle am Menschen. Hermann Hesse umschreibt das mit den Worten: „Jeder Mensch ist nicht nur er selber, er ist auch der einmalige, ganz besondere, in jedem Fall wichtige und merkwürdige Punkt, wo die Erscheinungen der Welt sich kreuzen – nur einmal so und nie wieder. Darum ist jedes Menschen Geschichte wichtig, ewig, göttlich; darum ist jeder Mensch wunderbar und der Aufmerksamkeit würdig.“

Die Sorge Gottes ist über uns. Immer wieder möchte er uns auferwecken aus unserem Staubsein. Es ist schon ein faszinierendes Geheimnis, dass Gott uns sogar über den Tod hinaus ins österliche Leben der Auferstehung retten will. Wenn wir im wörtlichen Sinne wieder zu Staub werden, wenn wir beerdigt, also der Erde zurückgegeben werden, dann sagt der Priester über uns das gleiche Wort, das er uns beim Austeilen des Aschenkreuzes sagt, allerdings mit der Zusage, die an Gottes ersten Schöpfungsakt erinnert und zugleich darüber hinausgeht: „Der Herr aber wird dich auferwecken am Jüngsten Tag!“ Diese Gegenrede gegen den Staub erwartet, dass der Mensch, wie auch immer, unter dem Anblick und Anruf Gottes wieder aufwachen wird, dass er, der einmal wunderbar geschaffen war, nun noch wunderbarer erneuert wird. Auf dieses überwältigende Rätsel, das im Geheimnis des Menschseins liegt, hat die Bibel keine andere Antwort als das Staunen und das demütige Gebet:
„Herr, unser Herrscher, wie herrlich, dass du da bist. Dein Glanz strahlt aus dem Himmel über die Welt hin. Wenn ich den Himmel sehe, das Werk deiner Hände, den Mond, die Sterne, die du geformt hast – was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, was ist des Menschen Kind, dass du es liebhast? …Mit Schönheit und Adel hast du ihn gekrönt… Herr, unser Herrscher, wie herrlich, dass wir dich kennen, wie gut, dass du da bist“ (Psalm 8).


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 

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