Bischofswort zum 23. Juli 2017

Beten und Nachdenken

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

„Ich weiß nicht, ob Sie gläubig sind. Wenn ja, dann beten Sie, wenn nein, dann denken Sie nach!“ Mit diesen Worten, liebe Leserinnen und Leser, beendete der Generalsekretär der Vereinten Nationen den Bericht von seinem letzten gescheiterten Vermittlungsversuch in Bagdad vor Ausbruch des ersten Irakkrieges Mitte Januar 1991. Diese Aufforderung hat damals viele Menschen an einer empfindlichen Stelle getroffen. Viele denken nach, ernsthaft und tief, kommen aber zu keiner Gewissheit. Andere möchten glauben, meinen aber, es nicht zu können. Viele würden gerne beten, wissen aber nicht wie.

Ich bin sicher, dass Glauben und Beten zusammengehören. Wer glaubt, betet, und wer betet, glaubt. Bei Paulus lesen wir an diesem Sonntag in der zweiten Lesung aus dem Römerbrief die tröstliche Ermutigung: „Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber jedoch tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können. Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist“ (Röm 8,26f).

Viele Menschen, nicht nur die alten, gerade auch jüngere, stöhnen bisweilen auf unter der Last ihres Daseins. Sie empfinden es als freudlos, sinnlos und ziellos, als vergeblich. Was drückt dieses Aufstöhnen anderes aus als die hilflose Bitte um Erlösung aus Elend und Mühsal?

An wen wendet sich das stöhnende Bitten? Und würde man es überhaupt äußern, wenn es nicht durchsetzt wäre von der Hoffnung, dass es einen gibt, der die Bitte hört, erhört, der sie auch erfüllen kann?

Andere hasten von Sensation zu Sensation, getrieben von der unruhigen Erwartung, dass es doch irgendwie Erfüllung geben könnte, ein bleibendes Aufgehen im Höhepunkt der rauschhaften Empfindung. Was drückt diese Erwartung anderes aus als die Sehnsucht, einmal an ein Ziel zu gelangen, an dem alle Wünsche gestillt werden?

Wieder andere suchen verzweifelt Stunden und Orte der Ruhe und Stille in der unbeirrbaren Zuversicht, dass dort ihre geheime Angst sich legen könnte, ihre innere Sicherheit sich wieder aufrichten würde. Stille ermöglicht Besinnung. In der Besinnung ordnen sich Gedanken und Empfindungen. Wir sehen wieder klarer, ertragen nicht nur, werden auch getragen. Woher kommt diese Zuversicht, diese innere Gewissheit, dass das Heil der Welt tiefere Gründe hat als das Unheil?

Wer glauben kann, soll beten. Wer nicht glauben kann, soll nachdenken, unter anderem auch über dieses Aufstöhnen und Sich-Sehnen in den Herzen der Menschen, über das Suchen.

Das ist dann sicher noch nicht Gebet im eigentlichen Sinn, aber es ist wie eine Piste, von der die an Gott gerichtete Bitte zu ihm aufsteigen kann. Und sie wird aufsteigen, wenn ich in mir das Vertrauen zulasse, dass die Entbehrungen unserer bedrängten Herzen uns nicht in die falsche Richtung weisen.

Wer betet, glaubt. Auch wenn er meint, dass er zu glauben nicht imstande ist. Und wer glaubt, betet. Auch wenn es nur ein Seufzen ist, das sich nicht in Worte fassen lässt.


 
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