Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag, 10. September 2017

Das Zeichen der Erlösung

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Das Fest der Kreuzerhöhung, das wir am kommenden Donnerstag feiern, geht in seinem Ursprung zurück auf die Weihe der Martyriumsbasilika in Jerusalem im Jahr 335, die auf dem Hügel Golgotha neben dem Grab Christi unter Kaiser Konstantin errichtet wurde. Im Mittelpunkt des Festes steht der fundamentale Glaube, dass Gott Jesus auch am Kreuz die Treue gehalten hat und es damit zum Zeichen des Heils wird. Diese Glaubenserfahrung der Christen mit dem Kreuz ihres Herrn lässt sich wiedererkennen in der Art der vielfältigen Kreuzesdarstellungen, mit denen sie im Laufe der Jahrhunderte ihren Glauben ausdrückten.

Schon in seiner einfachsten Form enthält das Zeichen des Kreuzes eine tiefe Deutung der Zusammenhänge von Himmel und Erde: ein Längs- und ein Querbalken. Vertikale und Horizontale sind seit Christus untrennbar miteinander verbunden. Das Kreuzzeichen bildet sozusagen die Koordinaten, die uns im Alltag immer wieder die Orientierung schenken, wenn sich die Welt um uns verselbständigt oder wenn unser Glaube und unsere Frömmigkeit in Gefahr sind zu verkümmern. Gottesglaube gibt es seit Jesus nur, wenn er ausgreift zu den Menschen und eingreift in die Welt. Das Kreuzzeichen rückt unsere Einseitigkeiten zurecht und lässt uns in Würde aufrechtstehen.

Offenbar hat die Ermutigung im Glauben auch überwogen, als in der Zeit der Romanik Christen erstmals ihren Herrn am Kreuz bildhaft darstellten. Da steht am Kreuz, dem Schandpfahl, Christus als der erhöhte Herr, wie der siegreiche König auf dem Thron. Himmel und Erde sind nicht irgendwie zusammengebracht, sondern so, dass es am Ende gut ausgeht. Das ist das wesentliche Bekenntnis der Menschen dieser Zeit. Denn Gott hat den scheinbar gescheiterten Messias endgültig ins Leben gerufen. Später wachsen deshalb aus dem Kreuzesstamm Zweige, Blätter und Knospen. Denn nicht nur einmal, bei der Auferweckung seines Sohnes, setzte Gott sich gegen den Tod durch, sondern ein für alle Mal. Für uns alle gilt Gottes Zusage: Im Kreuz ist Heil.

Wie sollen wir indes die Welt mit ihrem ganzen Leid verstehen? Diese bohrende Frage prägt in den folgenden Jahrhunderten die Glaubensfrage der Menschen. Ihre Antwort suchen sie wieder in der Botschaft vom Kreuz. Dort hängt jetzt, von der Zeit der Gotik bis in die Barockzeit, der leidende Christus.
Schau her, Jesus Christus hat alle Krankheit, alles Leid, auch alle Sünde dieser Welt getragen. Diesen Trost gibt jetzt der Blick auf das Kreuz. Ihren stärksten Ausdruck findet solches Bekenntnis im bekannten Isenheimer Altar des Matthias Grünewald. Freilich, auf die Rückseite dieses erschütternden Kreuzbildes, das den von der Pest gemarterten Christus zeigt, hat der Künstler das gewaltige Auferstehungsbild gemalt. Genau so, wie Paulus seinen ersten Brief an die Gemeinde in Korinth mit der Botschaft vom Kreuz beginnt (1,18-31) und mit der Verkündigung der Auferstehung beendet (Kapitel 15). Sinnfälliger Ausdruck dafür, dass die Christen nie den Schmerzensmann allein anbeteten, sondern den Christus, der durch Leiden zur Auferstehung ging.

Und die Kreuzesdarstellungen unserer Tage? Ihre künstlerischen Formen sind vielfältig. Auffallend ist aber doch die große Zahl der Kreuzesbilder, welche die Provokation des Elends unserer Zeit, das Anstößige des Glaubens angesichts der Not der Welt, in Farbe und Form zu fassen suchen.
Mark Chagall hat sich sein ganzes Leben lang, obwohl Jude, immer wieder mit dem Thema der Kreuzigung Jesu befasst. Es ließ ihn nicht los. Mehr als hundertmal hat er den Gekreuzigten dargestellt. Am meisten beeindruckt mich die „Weiße Kreuzigung“, die er 1938 gemalt hat, unmittelbar nach der „Reichspogromnacht“, in der in unserem Land die Synagogen in Flammen aufgingen, jüdische Geschäfte und Häuser geplündert und jüdische Menschen geschändet wurden. Wir sehen auf diesem Bild die herandrängende Horde der Brandschatzer, sehen die Synagoge in Flammen, brennende Häuser, Menschen auf der Flucht, die auf den Armen ein Kind oder einige Habseligkeiten tragen. In der Mitte des Bildes steht im hellen Licht das Kruzifix: Jesus hängt mit weit ausgespannten Armen am Kreuz und blickt herab auf die fliehenden Menschen. Von ihm her fällt ein helles Licht in das dunkle Grauen von Hass und Zerstörung.

Gewiss sieht Chagall in Jesus nicht den Gottessohn im christlichen Verständnis. Er ist für ihn eher der jüdische „Gerechte“, der für die anderen in den Tod geht. Er trägt den jüdischen Gebetsschal; unter dem Kreuz brennt der siebenarmige Leuchter, auf dem allerdings nur sechs Kerzen brennen, die siebte ist offensichtlich Jesus selbst.
Chagall soll einmal bekannt haben: „Christus ist die große Liebe, das hohe Menschliche… Er ist der Mensch mit dem tiefsten Lebensverständnis – eine Zentralfigur für das Geheimnis Leben.“

Von dieser kulturellen und spirituellen Weite Chagalls sind offensichtlich alle jene meilenweit entfernt, die heutzutage Kreuze schänden oder sie aus Schulen und öffentlichen Gebäuden entfernen. Ganz zu schweigen von Zeitgenossen, die etwa unter dem Mantel der Freiheit der Kunst und der Medien ungestraft das Kreuz mit Hohn und Spott überschütten.

Liebe Leserinnen und Leser, in der Liturgie des Festes Kreuzerhöhung singen wir im Halleluja-Vers „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich; denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“ Das Kreuz als Erlösungszeichen muss unser Leben grundsätzlich bestimmen. Dann wird sich zeigen, ob der Glaube an die gekreuzigte Liebe in unseren Herzen und zwischen uns Menschen lebendig und wirksam ist. Alles andere kann sich daraus wie von selbst ergeben.


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 
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