Pontifikalamt und Festakt zum 125. Jubiläum der Kirchenzeitung "Bonifatiusbote"

Botin des Glaubens und Spiegel des Bistums  
 
 

Fulda (bpf). "Daß unsere Kirchenzeitung über fünf Generationen Botin des Glaubens war, ist ein großes Geschenk an unser Bistum Fulda, und daß der Bonifatiusbote als Spiegel von Glauben und Leben in unserem Bistum sowie als Impulsgeber Zukunft haben wird, steht außer Zweifel!" Dies hob Bischof Heinz Josef Algermissen jüngst in Fulda hervor. In einem Pontifikalamt in der Stadtpfarrkirche St. Blasius zu Fulda betonte der Oberhirte, daß ein verantwortlicher Journalismus Fingerspitzengefühl und Diskretion verlange und wisse, wann die Würde des Menschen bedroht und eine Schamgrenze anzuerkennen sei. Eine Kirchenzeitung müsse einen festen Standpunkt haben und auch angesichts moderner Trends Orientierung geben. Des weiteren komme dem Bonifatiusboten auch die Verkündigung des Glaubens zu, nicht zuletzt wegen der durch den Namen gegebenen Verpflichtung gegenüber dem heiligen Bistumspatron, so der Bischof in seiner Predigt. "Eine Entscheidung für Gott und gegen die Götzen unserer Zeit ist auch heute eine Entscheidung gegen den Trend." Den Redakteuren des Bonifatiusboten, allen voran der Fuldaer Bistumsredaktion mit Dietmar Kuschel, Hans-Joachim Stoehr und Evelyn Schwab, dankte Algermissen dafür, daß sie "vor der Öffentlichkeit Rückgrat zeigen".

 

 

"Gute Mischung" aus überregionaler und diözesaner Berichterstattung

 

Beim anschließenden Festakt im Auditorium maximum der Theologischen Fakultät Fulda konnte Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke rund 100 Gäste aus Kirche, Kultur und Gesellschaft sowie Verlag, Redaktion und Leserschaft willkommen heißen. "Es ist sicher nicht leicht, den unterschiedlichen Erwartungen, die die Leser an die Bistumszeitung haben, zu entsprechen", betonte der Generalvikar. "Eine gute Mischung von überregionalen und diözesanen Berichten zu finden, eine Vielfalt zu bieten und dabei das eigene Profil nicht zu verlieren, ist eine wöchentliche Herausforderung." Dafür sprach Prof. Stanke den Redakteuren und Mitarbeiterinnen der Kirchenzeitung seinen Dank aus. Sodann stimmte er die Gäste mit der Verlesung eines Auszugs aus der ersten Probenummer des Bonifatiusboten vom 15. Juni 1884 auf den Festvortrag des Fuldaer Kirchenhistorikers Domdechant Prof. Dr. Werner Kathrein ein.

 

 


Charismatische Gründergestalt

 

In seinen "Anmerkungen zur Gründung und zu den Schicksalen des Bonifatiusboten in seinen ersten 100 Jahren" legte Prof. Kathrein in überaus unterhaltsamer Weise dar, daß der Bonifatiusbote in dieser Zeit ein "nützliches Instrument" der Kirche gewesen sei, was er ihm auch für die Zukunft wünsche. In seinem Vortrag beleuchtete Kathrein die Person und das Wirken des Fuldaer Dompräbendaten Andreas Schick (+1898), der Gründergestalt des Bonifatiusboten. Der aus Erfurtshausen bei Amöneburg in Oberhessen stammende Priester, der mit dem hl. Pfarrer von Ars verglichen werden könne, entfaltete laut Prof. Kathrein eine intensive Tätigkeit als Bischofssekretär, Lehrer am Unteren Klerikalseminar, Subregens und Beichtvater und erfuhr die Härten des Kulturkampfes. Nach dessen Ende war er an der Gründung zahlreicher kirchlicher Vereine beteiligt. Aus seiner Sorge um den Priesternachwuchs rief er den Bonifatiusboten als diözesane Wochenzeitung ins Leben und gab dem 1884 erstmals erscheinenden Blatt in Inhalt und Gestaltung eine Struktur, die bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten 1939 Bestand haben sollte. Themen waren etwa die Sonntagsauslegung, das Kirchenjahr, Kommentare zu kirchlichen Verlautbarungen, Lebenserfahrung, Praktisches, kirchliches Leben und Erzählungen oder auch Lourdes-Wallfahrten. Mit der Begründung des Josefspfennigs, der in seiner Zeit 300.000 Mark einbrachte, verbunden mit der namentlichen Aufführung der Spender im Bonifatiusboten, stellte Schick die Priesterausbildung sicher. "Der preußische Staat und Bismarck waren für ihn der Inbegriff eines kirchenfeindlichen Regiments", resümierte Prof. Kathrein die politische Haltung des ultramontan gesinnten Begründers des Bonifatiusboten, der in seiner Zeit eine Auflage von über 20.000 Exemplaren erreichte.

 

 

Der Bonifatiusbote in schwerer Zeit

 

Die Fuldaer Kirchenzeitung hatte sich in Kaiserreich und Weimarer Republik zu einem Sprachrohr der katholischen Zentrumspartei entwickelt, führte der Fuldaer Kirchenhistoriker weiter aus. So appellierte die Zeitung noch im Frühjahr 1933 an die Katholiken, nicht die nationalen Parteien zu wählen, stellte sich aber im Laufe des Jahres positiver zu den neuen Machthabern und schlug manchmal auch nationale Töne an, worin sich ihre Überforderung zeigte. "Nationalsozialistische Ideologien werden aber auch dann noch im Bonifatiusboten abgelehnt, und vor allem findet sich keinerlei Antisemitismus darin", unterstrich Kathrein. Beispielsweise brachte der Bonifatiusbote 1934 die Anzeige eines jüdischen Inserenten, was heftigste Reaktionen der nationalsozialistischen Presse zur Folge hatte. Der damalige Chefredakteur Dr. Franz Groß, der in einem schwierigen Spagat letzte Freiräume zu bewahren suchte, wurde selbst mehrfach verhaftet. Vor dem Verbot durch das Regime im Jahre 1939 hatte der Bonifatiusbote ständige wachsenden Abonnentenzahlen, worin sich zeige, daß die Leser ihn als eine der letzten freien Zeitungen schätzten, betonte der Referent. Beim Neubeginn 1946 hatte die Kirchenzeitung dann eine Auflage von 35.000 Stück. Der zunächst erwartete Aufschwung für die katholischen Kirchenzeitungen stellte sich aber in den nächsten Jahren nicht ein, so daß es 1972 und 1977 zur Fusion mit dem Limburger "Sonntag" und dem Mainzer "Glaube und Leben" kam.

 

 

Verhältnis von Kirche und Medien

 

Einen weiteren Festvortrag mit dem Thema "Kirche und Medien - ein spannendes Verhältnis!?" hielt der Chefredakteur der Münchener Kirchenzeitung, Dr. Johannes Schießl. Kirchenjournalisten bewegten sich seiner Meinung nach in zwei verschiedenen Welten, der der Kirche und der der Medien, und zwei unterschiedlichen Sprachen, was manchmal schwierig sei. Die Kirche müsse aber, wie schon das Zweite Vatikanische Konzil forderte, die modernen Medien nutzen. Heutzutage finde die Kirche in den Medien durchaus Resonanz, vor allem im Printbereich und im Internet. Aufgabe einer Kirchenzeitung sei es heute, über das Leben der Kirche von der einzelnen Gemeinde in der Diözese bis hin zum Papst zu berichten, aber auch zu kommentieren, Lebenshilfe zu geben und Kultur und Soziales zu bringen. Dabei gehe es immer um eine "qualitätvolle und kontinuierliche Information über Kirche", so Schießl.

 

 

In seinem Schlußwort dankte der Geschäftsführer der Gesellschaft für kirchliche Publizistik, zu der der Bonifatiusbote gehört, Dr. Hans-Paul Kaus, Bischof Algermissen für seine Unterstützung sowie allen an der Vorbereitung und Durchführung des Festaktes Beteiligten für ihren Beitrag. Der Festakt wurde musikalisch gestaltet von Andreas Feldmann (Violine) und David Andruss (Klavier), die meisterhaft anspruchsvolle Stücke von W. A. Mozart ("Allegro con spirito"), J. Brahms ("Vivace ma non troppo"), G. Gershwin/J. Heifetz ("It Ain`t Necessarily So") und M. Ravel ("Tzigane") interpretierten.

 

02.11.2009

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