Bistum Fulda
Bischof Algermissen hielt traditionellen Neujahrsempfang in Fulda ab

Der Weg der Kirche ist der Mensch

Bischof Algermissen hielt traditionellen Neujahrsempfang in Fulda ab

Foto: Hans-Joachim Stoehr / Bonifatiusbote


Fulda (bpf). Die Kirche müsse die Zeichen der Zeit als Zeit-Zeichen wahrnehmen und verstehen, forderte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Sonntag, 1. Januar, beim traditionellen Neujahrsempfang der Diözese im Fuldaer Priesterseminar. „Es gibt Zeichen, die scheinen mir eindeutiger zu sein als manche, die gern in innerkirchlichen Diskussionen genannt werden. Ein Zeichen der Zeit ist sicher die Armut in unserer Welt, die ungleiche Verteilung der Güter – infolgedessen Krieg und Bürgerkrieg, die so viele Menschen wie noch nie zur Flucht zwingen.“ Die Christen seien Jünger dessen, der sich mit den Armen und Obdachlosen befasst habe – die Aufgabe, sich um die Armen zu kümmern, sei wichtiger als Diskussionen über Frauenpriestertum, Zölibat oder die Uhrzeiten der Christmette. Dass der Weg der Kirche der Mensch sei, hätten die Päpste Johannes Paul II. und Franziskus in ihrem Aufruf zur Seelsorge deutlich gemacht. „Seelsorge unter den Bedingungen der Gesellschaft und den Fragen dieser Zeit ist unsere Sache und muss noch mehr in den Mittelpunkt gerückt werden“, betonte der Oberhirte.

Bischof Algermissen gab zu bedenken, dass viele Menschen heute eher skeptisch in die Zukunft blickten, da keine Glaubensgrundlage mehr vorhanden sei. Die Menschen erwarteten heute, dass die belastenden Probleme und unangenehmen Wahrheiten endlich benannt würden, wie z. B. die Krise in der Europäischen Gemeinschaft oder die Schwierigkeit der Integration all derer, die in Not ihre Heimat verlassen hätten und in Deutschland um Asyl bäten. „Wie wäre es, wenn wir die moslemischen Flüchtlinge einmal nicht als Bedrohung wahrnähmen, sondern als positive Herausforderung zu einer eigenen deutlichen christlichen Glaubensvergewisserung und Profilierung?“, fragte Algermissen. Der Bischof stellte fest, dass der Umgang miteinander deutlich aggressiver werde. „Mich beunruhigt, dass zunehmend der Respekt vor der Würde des anderen Menschen von Angriffslust und verbaler Aufrüstung verdrängt wird, und dies nicht nur in den sogenannten sozialen Netzwerken.“ Kriege und Gewalt fielen nicht vom Himmel, sondern würden lange in den Herzen der Menschen vorbereitet.

Im ethischen Bereich herrschten weit und breit Pragmatismus und Nützlichkeitsdenken, fuhr der Bischof fort. „Das menschliche Leben an seinem Anfang und Ende steht in Frage und zur Disposition. In diesen Zusammenhang gehört der Skandal der Abtreibungen, der gesellschaftlich ganz einfach überspielt und aus dem Bewusstsein herausgedrängt wird.“ Die Kirche müsse angesichts solcher Fiebersymptome die Fragen der Menschen offenlegen und vorstellen. Sie tue gut daran, den stummen Fragen in den Grenzsituationen und Zusammenbrüchen der Menschen eine Sprache zu geben. „Die Kirche in Deutschland, natürlich auch die fuldische, ist längst nicht mehr Volkskirche. Sie ist auch noch nicht wirklich missionarische Kirche, die der geistlichen Stützpunkte bedarf und weiß, dass es ohne Sammlung der Menschen im Geist Jesu Christi keine Sendung geben wird.“

Das Bistum habe in den letzten Jahren durch einen breit angelegten Konsultationsprozess die ersten Schritte auf dem Weg in eine absehbare Zukunft getan, erinnerte Algermissen. Die „Grundsätze für die Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda“ vom Advent 2014 würden am Pfingsttag dieses Jahres durch die „Strategischen Ziele zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda“ auf das Jahr 2030 hin konkretisiert. „Ohne Fundierung im Evangelium, ohne geistliche Erneuerung bliebe alle Strukturreform ein sinnloser Überbau“, gab der Bischof zu bedenken. Schließlich dankte Bischof Algermissen den Haupt- und Ehrenamtlichen in Pfarrgemeinden, den Verbänden sowie den Mitarbeitern der Diözesanverwaltung, für ihren Dienst im vergangenen Jahr. „Sie alle schenken mir die Hoffnung, gemeinsam und im Sinne des Evangeliums auf einem guten Weg in die Zukunft der fuldischen Kirche zu gehen und angesichts der Fragen und Probleme dieser Zeit, von denen auch unser Bistum betroffen ist, zu bestehen.“

***

Wertschätzung der Flüchtlingshilfe
Generalvikar Prof. Stanke hatte eingangs die Gäste aus Kirche, Politik und öffentlichem Leben im Namen des Bistums willkommen geheißen und das große Engagement des Caritasverbandes, des Sozialdienstes katholischer Frauen und der Haupt- und Ehrenamtlichen in den Pfarreien für Flüchtlinge in allen Regionen der Diözese, vor allem auch die Arbeit mit den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, gewürdigt. „Es ist ein Zeugnis für die Kraft des Evangeliums und ein Zeichen gegen die Gleichgültigkeit.“

Ausrichtung der Seelsorge des Bistums auf Zukunft hin
Prof. Stanke stellte heraus, dass der pastorale Bistumsprozess 2030, der sich mit der künftigen Ausrichtung der Seelsorge in der Diözese befasst, im neuen Jahr entscheidend weitergeführt werde. Die strategischen Ziele, die auch die Menschen im Blick haben, die der Kirche ferner stehen, seien überarbeitet und neu konzipiert worden, so dass der Bischof sie Pfingsten in Kraft setzen könne. Danach beginne die Phase der Umsetzung. „Bei all unseren Planungen geht es darum, die Botschaft Jesu Christi ursprungsgetreu und zeitgemäß zu verkünden, und zwar vor dem Hintergrund der Veränderungen in Gesellschaft und Kirche.“ Die Kirche müsse sich fragen, wovon sie sich verabschieden müsse und welche neuen Wege sie beschreiten solle. Das Ziel müsse es sein, die Botschaft des Evangeliums auf den Leuchter zu stellen (Bischof Joachim Wanke). Die Mitte des Evangeliums sei das Wort „Ja“. „Jesus ist das Ja Gottes zu jedem Menschen“, zeigte sich der Generalvikar überzeugt. Der Mensch dürfe im Bewusstsein leben, dass er gewollt und erwünscht sei, auch wenn die Menschen ihn das nicht immer so eindeutig erfahren ließen. „Der Kirche ist diese positive, befreiende Antwort anvertraut, und wir haben heute hier im Bistum Fulda den Auftrag, diese Botschaft weiterzusagen an die Menschen unserer Zeit.“ In der heutigen Gesellschaft sei leider eine Verrohung in den sozialen Medien festzustellen; unter dem Deckmantel der Anonymität komme ein menschenverachtendes Denken zur Sprache.

Mit Zuversicht und Gottvertrauen Herausforderungen bestreiten
Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt sprach im Namen von Landrat Bernd Woide und Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld seine Neujahrswünsche aus und hob in seiner Ansprache hervor, dass auf lange Sicht hin in den letzten 200 Jahren eine deutliche Verbesserung für alle Menschen auf der Erde eingetreten sei: Abnahme extremer Armut, Zunahme der Alphabetisierung, deutlicher Rückgang der Kindersterblichkeit. Diese positive Entwicklung werde subjektiv von vielen Menschen nicht wahrgenommen, da sie annähmen, es ginge ihnen immer schlechter. Allerdings könne es nicht allein um einen materiellen Fortschritt gehen, sondern es müsse jede Generation auch moralisch aus der Freiheit leben (Papst Franziskus). „Wir sind aufgerufen, unsere Werte und Lebensweise zu verteidigen“, so Schmitt, der einen rationalen Optimismus, Zuversicht und Gottvertrauen im Hinblick auf die Herausforderungen unserer Zeit anmahnte.

Katholikenratsvorsitzender Steffen Flicker übermittelte die Neujahrsgrüße für den Katholikenrat und auch im Namen von Pfarrer Jan Kremer, dem Vorsitzenden des Priesterrats der Diözese. In seiner Ansprache befasste er sich mit dem Problem des „Postfaktischen“, der Tatsache, dass viele Menschen sich eher von Gefühlen und Spekulationen als von Tatsachen leiten ließen, was als Relativismus eine Herausforderung für das gesellschaftliche Miteinander sei. „Die Menschen haben das Gefühl, dass die Kriminalität zunimmt, doch laut den Statistiken sieht es anders aus.“ Dahinter stünden die Sorgen vieler Menschen hinsichtlich einer komplexer werdenden Welt. Es gelte, Verantwortung für ein gewaltloses Zusammenleben zu übernehmen. Der sprachlichen Verrohung im Internet und den sozialen Medien müsse mit Regeln und Kontrollen begegnet werden. Die Globalisierung der Welt gelte es nach den Grundsätzen der katholischen Soziallehre zu gestalten. „Für die Rolle der Kirche und der Christen bedeutet das eine Rückkopplung christlicher Werte wie der Solidarität an die gesellschaftliche Realität.“

Martin Haubs mit Bonifatiusmedaille ausgezeichnet
Am Ende des traditionellen Neujahrsempfangs des Bistums Fulda zeichnete Bischof Algermissen Martin Haubs aus Fulda für sein soziales und pastorales Engagement mit der Bonifatiusmedaille aus. Haubs ist seit vielen Jahren ehrenamtlich in Kirche und Gesellschaft aktiv und engagiert sich vor allem im Lebensschutz. So hat er zusammen mit seiner Frau Annette 1995 den Verein „Vaterhaus e. V.“ gegründet, der sich ursprünglich besonders alleinerziehenden Frauen zuwandte, die nach einer Abtreibung einen Ort suchten, an dem sie angenommen waren. Inzwischen widmet sich der Verein unter anderem der Ehe- und Lebensberatung, der Glaubensvermittlung und der Hilfe für sozial Schwache. Des Weiteren widmet sich Haubs der Organisation des alljährlich stattfindenden Kongresses „Freude am Glauben“ und der Aktion „1.000 Kreuze für das Leben“. Über einen Zeitraum von fünf Jahren habe Haubs in leitender Position das hessische Baumanagement in der Dombaukommission vertreten und mit großer Umsicht die Pflege und Unterhaltung des Domes betreut. „Seine innere persönliche Verbindung zum Dom, die auch Ausdruck seines tiefen Glaubens ist, war stets zu spüren“, betonte Bischof Algermissen.

Die Bonifatiusmedaille ist die höchste Auszeichnung, die das Bistum Fulda für ehrenamtliches Engagement bzw. treue Dienste von Laien zu vergeben hat. Weitere hohe Auszeichnungen sind die Elisabethmedaille (für Frauen) und die Sturmiusmedaille (für Männer) sowie die Ehrenurkunde des Bistums Fulda.

02.01.2017


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