Bistum Fulda
Grußwort des pax christi-Präsidenten Bischof Heinz Josef Algermissen anlässlich des hundertjährigen Weltkriegsgedenkens in Frankreich

Grußwort des pax christi-Präsidenten Bischof Heinz Josef Algermissen anlässlich des hundertjährigen Weltkriegsgedenkens in Frankreich


Liebe Schwestern und Brüder in den Diözesen Arras, Lille und Cambrai,


sehr geehrte Teilnehmende am hundertjährigen Gedenken des 1. Weltkriegs!


Hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wirkt Europa zerrissen und ist auf der Suche nach Einheit. Ich danke Ihnen von Herzen, dass Sie das Hundertjahrgedenken zum Anlass für ein europäisches Friedenszeichen nehmen und dazu auch vom 19. bis 22. April 2018 die deutsche Sektion von pax christi nach Arras einladen.


„Der Krieg damals und die Kriege heute – was ist der Unterschied?  Was kann Europa zur Lösung der heutigen Kriege beitragen?“, lauten die Fragen der Vorträge und Workshops, die neben Gottesdiensten und einer Menschenkette entlang des ehemaligen Frontverlaufs im Rahmen des Friedensfestes „Faites la paix/ Aktiv für Frieden!“ stattfinden werden.


Die Stadt Arras und die ganze Region waren Schauplatz zahlreicher deutscher Angriffe und der Gegenwehr französischer, britischer und amerikanischer Soldaten. Zerstörung, Elend und der Tod Hunderttausender Menschen waren die Folge.


In den letzten 200 Tagen des Ersten Weltkrieges von März bis November 1918 verlor die französische Armee 908 Soldaten pro Tag, die britische 510, die US-amerikanische 251 und die deutsche 681 (vgl. Jörn Leonhard, Die Büchse der Pandora). Ein Jahr zuvor, an Ostern 1917, hatte die britische Armee einen Befreiungsschlag versucht. In der Schlacht von Arras starben damals über 200 000 Engländer und Deutsche. Die zahlreichen Soldatenfriedhöfe und Mahnmale bleiben bis heute erinnerndes und mahnendes Zeugnis einer Tragödie.


Vieles, was wir heute im Kontext des Nationalismus beobachten, geht auch auf die Weltordnung nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Während es vorher multiethnische Reiche mit gleichberechtigten Bürgerinnen und Bürgern gab, kam es danach zu einer Betonung der nationalen Identität. Minderheiten im jeweiligen Land hatten und haben es heute wieder schwer.


In seiner Neujahrsansprache 2018 an das diplomatische Korps brachte es Papst Franziskus so zur Sprache: „Aus dem Trümmerhaufen des Ersten Weltkriegs kann man zwei Mahnungen ziehen, die die Menschheit leider nicht unmittelbar verstand, so dass es nach zwanzig Jahren zu einem neuen Konflikt kam, der noch zerstörerischer als der vorherige sein sollte. Die erste Mahnung ist, dass Siegen niemals bedeuten darf, den bezwungenen Gegner zu demütigen. Der Friede wird nicht als Machtbestätigung des Siegers über den Besiegten aufgebaut. Es ist nicht das Gesetz der Angst, das von künftigen Angriffen abhält, sondern vielmehr die Kraft der ruhigen Vernünftigkeit, die zum Dialog anregt und zum gegenseitigen Verständnis, um die Kontraste zu versöhnen. Daraus leitet sich die zweite Mahnung ab: Der Friede wird gefestigt, wenn sich die Nationen in einem Klima der Gleichheit gegenübertreten können.“


Die Geschichte von pax christi nach dem Zweiten Weltkrieg und die Versöhnungsgeste französischer Christinnen und Christen gegenüber deutschen ist für mich wie ein Wunder. Gewährte und angenommene Versöhnung sind die Bedingungen der Möglichkeit, einander zu verstehen und einen gemeinsamen Weg des Friedens zu gehen. Achten wir also unbedingt darauf, dass nach zwei furchtbaren Weltkriegen das Friedenswerk Europa nicht in Frage gestellt wird.


Berlin/Fulda, 16. April 2018


+ Heinz Josef Algermissen

Präsident von pax christi Deutschland

Bischof von Fulda


16.04.2018


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