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Bistum Fulda

Bischof von Fulda warnt - mit Blick auf 1938 - vor rasantem Radikalisierungstempo

"In unübersichtlichen Zeiten mit klarem Wertekompass unterwegs sein" - Zeitungsbeitrag zum Gedenken mit Blick auf den 9.11.1938

Fulda / Wien. Der Bischof von Fulda, Dr. Michael Gerber, ruft dazu auf, " gerade in unübersichtlichen Zeiten mit einem klaren Wertekompass unterwegs zu sein". In einem in der Samstagausgabe (7.11.) der "Fuldaer Zeitung" veröffentlichten Beitrag zum bevorstehenden 82. Jahrestag der so genannten Reichspogromnacht (9. November) thematisiert der Bischof von Fulda, wie schnell eine Radikalisierung möglich ist, "bei der Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens relativiert werden - insbesondere die Achtung vor der unbedingten Würde jedes Einzelnen". Die Frage nach den Faktoren, die eine Radikalisierung ermöglichen und beschleunigen, stelle sich auch heute: "Wann haben sich welche Entwicklungsschritte vollzogen in jenen, die vor Kurzem die Attentate in Paris, Nizza oder Wien verübten?"


"Erschreckend schnell hatten sich Wertmaßstäbe verschoben"

In der Nacht zum 9. November 1938 wurden in ganz Deutschland Läden und Wohnungen jüdischer Mitbürger geplündert und zerstört, Synagogen in Brand gesetzt und Juden ermordet. Der Bischof von Fulda verweist in seinem Zeitungsbeitrag auf ein längeres Interview mit dem Psychoanalytiker Otto Kernberg, das ihn sehr beschäftigte. Im Grundschulalter erlebte Kernberg als Jude in Wien die Monate nach dem „Anschluss“ Österreichs (im März 1938) durch die Nationalsozialisten. Bereits Wochen nach der Eingliederung in das Deutsche Reich kam es in Österreich zu massiven Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. So wurde der damals kleine Otto Kernberg eines Tages Zeuge, wie ein Mann der „Sturmabteilung“ (SA) der Nationalsozialisten seine Mutter zwang, den Bürgersteig zu waschen. Besonders irritierte ihn, wie zufällige Passanten darauf reagieren: „Die Menge hatte sich vollkommen mit dem SA-Mann identifiziert, sie sahen, ah, hier wird eine Jüdin herabgesetzt, das ist Spaß, da machen wir mit.“ Bischof Gerber schreibt: "Erschreckend schnell hatten sich die Wertmaßstäbe verschoben. Schon im April 1938 begannen die Transporte in das Konzentrationslager Dachau." 


"Geschichten die Kraft geben und die Würde stärken"

Im Zeitungsbeitrag des Bischof von Fulda heißt es wörtlich: "Vermutlich gab es auch unter jenen, die damals in Fulda das jüdische Gotteshaus zerstörten, solche, die noch wenige Jahre zuvor ohne Aversion an der Synagoge vorbeigekommen waren und ihre jüdischen Nachbarn freundlich gegrüßt hatten." Bischof Gerber verweist auf Besuche (noch vor der Coronakrisenzeit) in den heutigen Synagogen in Fulda und Marburg, wo ihm Mitglieder der Gemeinden auch den Schrein mit den Schriftrollen zeigten: "Handgeschrieben erzählen diese den Menschen von wertvollen Erfahrungen - von der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Durch das regelmäßige Vorlesen dieser Texte als dem Kernbestand jedes Synagogengottesdienstes sind die damit verbundenen heilsamen Bilder tief in die Seele der Hörenden eingeschrieben." Dies haben Angehörige der jüdischen Glaubensgemeinschaft nach den Worten Gerbers "als eine innere Kraft erfahren - gerade im Widerstand gegen Unterdrückung und drohende Vernichtung."   Gerade "die dunklen Wochen des Jahres" und der mit Blick auf die Corona-Gefahren notwendige Verzicht auf liebgewonnene Freizeitaktivitäten könnten nach Meinung des Bischofs von Fulda eine Einladung sein, "jenen Geschichten eine besondere Aufmerksamkeit zu geben, die innerlich Kraft geben und die Würde stärken". Gerber schreibt, er sei überzeugt davon, "dass uns so neue Kräfte geschenkt werden - für all die Herausforderungen, in die wir jetzt gestellt sind."

 

07.11.2020


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