Mehr als 200 Teilnehmende aus Politik, Kirche, Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft waren zusammengekommen, um Perspektiven für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung sakraler Räume zu diskutieren.
"Kirchengebäude sind weit mehr als religiöse Versammlungsorte. Sie prägen das Bild von Dörfern und Städten, stiften Identität und leisten einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt", sagte Ines Claus, Fraktionsvorsitzende der CDU im Hessischen Landtag, die auch den Kongress eröffnete.
Kirchengebäude sind Orte des Glaubens, darüber hinaus aber auch kulturelle Ankerpunkte und Trefforte für das Gemeinwesen. In vielen Regionen bilden Kirchen den räumlichen und symbolischen Mittelpunkt – sie „lassen die Kirche im Dorf“ im besten Sinne des Wortes. Der Kongress machte deutlich, dass es bei der Zukunft von Sakralgebäuden nicht allein um baulichen Erhalt oder Denkmalschutz geht, sondern um die Frage, wie diese besonderen Räume ihre identitätsstiftende Funktion auch unter veränderten gesellschaftlichen und kirchlichen Rahmenbedingungen bewahren können.
Sakralgebäude wurden dabei als „Andersorte“ verstanden, die sich durch ihre Atmosphäre, Geschichte und Offenheit von anderen öffentlichen Räumen unterscheiden und gerade deshalb für das Gemeinwohl von besonderer Bedeutung sind.
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und veränderter Nutzungsanforderungen stehen viele Kirchengemeinden vor der Herausforderung, ihre Gebäude langfristig zu sichern und sinnvoll zu nutzen. Der Kongress eröffnete den Blick auf neue Nutzungskonzepte, die den besonderen Charakter sakraler Räume respektieren und zugleich erweitern. Diskutiert wurden Modelle der Umnutzung, Mischnutzung und Kooperation, die Kirchengebäude als Orte der Begegnung, der Kultur, der Bildung oder sozialer Angebote erschließen.
Dabei wurde betont, dass Kirchenräume auch künftig Orte des Glaubens bleiben sollen, zugleich aber zusätzliche Funktionen übernehmen können – etwa als „Dritte Orte“ oder „Vierte Orte“, die Menschen unabhängig von Herkunft oder religiöser Bindung zusammenführen. Gerade diese erweiterten Nutzungskonzepte bieten große Chancen, kirchliche Räume als lebendige Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens zu erhalten.
Ein besonderes Anliegen der Veranstaltung war der intensive Dialog zwischen kirchlichen und politischen Verantwortlichen. In Keynotes und Podiumsdiskussionen, unter anderem mit Dr. Bruno Kahl, Botschafter am Heiligen Stuhl in Rom, sowie Vertreterinnen und Vertretern der evangelischen und katholischen Kirchen, wurde die gesamtgesellschaftliche Bedeutung sakraler Gebäude ebenso beleuchtet wie konkrete Handlungsoptionen für die Zukunft.
Der Austausch machte deutlich: Nur in enger Zusammenarbeit lassen sich tragfähige Konzepte entwickeln.
Vertieft wurden die Diskussionen in mehreren Workshops. Themen waren unter anderem die Rolle der Zivilgesellschaft für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, Kirchengebäude als „Dritte“ oder „Vierte Orte“, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen, Bildungs- und Sozialnutzungen – etwa für Ganztagsbetreuung – sowie neue Partnerschaften für den Erhalt sakraler Räume.
Dabei zeigte sich ein breites Spektrum an Ideen von Mischnutzungen bis hin zu kreativen Kooperationen mit neuen Akteuren.
Zentrales Ergebnis des Kongresses war die Vorstellung einer gemeinsamen Erklärung („Letter of Intent“) zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch den Erhalt und die nachhaltige Nutzung von Sakralgebäuden. Unterzeichnet wurde sie von der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, den katholischen Bistümern Mainz, Limburg und Fulda sowie den beiden evangelischen Landeskirchen in Hessen.
In der Präambel wird die herausragende kulturelle, historische und gesellschaftliche Bedeutung der rund 3.330 Kirchengebäude in Hessen hervorgehoben. Sie seien nicht nur architektonische Schätze, sondern identitätsstiftende „Andersorte“, die für die gesamte Gesellschaft erlebbar bleiben sollen.
Die Unterzeichnenden bekennen sich zu einer koordinierten Zusammenarbeit, um politische und finanzielle Rahmenbedingungen zu verbessern und neue Finanzierungsmodelle zu entwickeln, die den Erhalt der Kirchengebäude als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sichern. Neben rein sakraler Nutzung oder vollständiger Umnutzung werden ausdrücklich auch erweiterte und gemischte Nutzungskonzepte als Chance benannt.
Am Kongress nahmen auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bistum Fulda teil. Vertreten waren unter anderem Generalvikar Dr. Martin Stanke, die Priester André Lemmer, Dr. Michael Müller und Andreas Bieber, Mitglieder des Katholikenrates sowie dessen Vorsitzende Stefanie Klee.
Darüber hinaus brachten viele ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierte aus dem Bistum und den Pfarreien ihre Erfahrungen und Perspektiven in die Diskussionen und Workshops ein und unterstrichen damit die Bedeutung der Thematik für die kirchliche Arbeit vor Ort. Eröffnet wurde der Tag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Wiesbadener Marktkirche.
Alle Bilder: CDU-Fraktion im Hessischen Landtag
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