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Amazonas

Amazonassynode

6.-27. Oktober 2019

Nachgefragt: Welche Konsequenzen wird die Amazonassynode haben?


Bischof Reinhold Nann (Peru) wird beim kommenden Bonifatiusfest im Juni 2020 die Festpredigt auf dem Domplatz halten.


Was bringt die Synode für die Kirche am Amazonas?

Sie hat die 100 Vikariate, Prälaturen und Diözesen im Amazonasgebiet geeint und bestärkt. Dies war bereits in der zweijährigen Vorbereitungszeit zu spüren und wird konkret in einem neuen Organ der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz für Amazonien.


Die Bischöfe sind mutiger geworden, gemeinsam neue Wege zu gehen. Die Kirche wird noch stärker als bisher die Interessen der Ureinwohner und der Umwelt vertreten. Eine kulturelle und ökologische Bekehrung ist im Gange. Die Kirche wird sich noch stärker als bisher in die Welt der Amazonasvölker zu inkulturieren versuchen: ihre Botschaft, ihre Liturgie und ihr Personal. Mission wird nicht mehr als Aufpfropfen europäischer Denkweise verstanden, sondern als interkultureller Dialog.


Die Kirche wird mehr Ureinwohner zu Diakonen ausbilden, einige davon könnten später auch Priester werden. Es wird wohl eine Art Amt der “Gemeindeleiterin” geschaffen werden, das dem des Diakons weitgehend ähneln wird. Daher sehe ich die Amazonassynode für uns hier in Südamerika als eine ganz große Gnade an.


Das einzige, was ich mir gewünscht hatte, wäre eine Wahlbeteiligung von Frauen gewesen, obwohl auch so ja alle Vorschlaege mit Zweidrittelmehrheit durchgegangen sind. Das synodale Moment war stark, sollte aber nicht am Ende allein auf Bischöfe beschränkt bleiben.


 

Was könnte die Synode für Deutschland und Europa bringen?

Die Synode war ein lokaler Prozess für eine lokale Kirche. Dennoch kann man davon lernen, wie man selbst ähnliche Prozesse in Europa gestalten könnte. Ich möchte hier nur ein paar Denkanstöße geben. Gleichzeitig nervt mich die vorschnelle Kritik von vielen Europäern, die Amazonassynode habe nichts gebracht. Das ist ein schrecklicher Eurozentrismus, den die Synode gottseidank überwunden hat. Wahrscheinlich rührt diese Kritik von überzogenen Erwartungen her.

  1. Die europäische Kirche ist in Fragen des Umweltschutzes eigentlich schon viel weiter als die südamerikanische. Eine stärkere Verzahnung des Engagements für die Umwelt und der Pastoral wäre wichtig. Arbeitet für die ökologische Bekehrung der Kirche und der Staaten Europas.
  2. Europa hat keine wirklich wichtige Europäische Bischofssynode. Da könntet ihr vom CELAM einiges lernen. Ebenso war es das Netzwerk REPAM, das den Prozess der Synode ganz entscheidend vorbereitet und geprägt hat. Ihr braucht eine synodale Bekehrung in Netzwerken.
  3. Die synodale Bekehrung in Europa muss sich mehr vom Heiligen Geist leiten lassen als von Strukturdebatten. Ihr müsst mehr auf euer Volk hören und in Momenten der Stille, auf Gott. Wenn es kein geistlicher Prozess wird, werden keine guten Früchte hervorkommen.
  4. Laien und Frauen haben in der europäischen Kirche breits eine wichtige Bedeutung und das müsste weit mehr anerkannt werden. Die Amazonassynode geht hier bereits erste Schritte. Ich denke, es sollte eine Synode zum Amt in der Kirche nicht nur für Europa sondern für die Weltkirche geben. Hoffentlich noch, solange Franziskus im Amt ist.
  5. Seit der Amazonassynode bedeutet “Weltkirche” nicht mehr Uniformität des ewig Gestrigen. Teilkirchen dürfen jetzt auch eigenständige Wege gehen, selbstverständlich mit und nicht gegen den Papst.
  6. Der Heilige Oskar Romero hat gesagt, die Kirche kann nur erlöst werden, wenn sie sich den Armen zuwendet. Die europäische Kirche hat das teilweise bei den Flüchtlingen getan. Aber es gibt da in den Gemeinden noch viele Widerstände. Keine Strukturreform wird euch die Erlösung bringen, nur die Armen werden erlöst. Für sie ist die frohe Botschaft des Reiches Gottes. Diese Themen sehe ich nicht im deutschen synodalen Prozess. Zieht den Kreis nicht zu eng.


 
 

Vortrag von Prof. Dr. Peter Schallenberg am 05.11.2019, 19.00 Uhr


 

Abschlussdokument vom 26. Oktober 2019


Die Synodenväter haben am 26. Oktober Papst Franziskus das Abschlussdokument überreicht. In ihm sind die zentralen Themen, um die in den vergangenen drei Wochen gerungen wurde, dargestellt. Eine Frage ist dabei immer wieder zentral: Wie sieht eine amazonische Vision des 'Gemeinsamen Hauses' aus?


Die Forderung ist eindeutig: Eine umfassende Umkehr. Und zwar persönlich und gemeinschaftlich. Pastoral, kulturell, ökologisch und synodal. Diese Umkehr zu Jesus Christus ist schließlich Motivation dafür, zur existentiellen, sozialen und geografischen Peripherie des Amazonas hinauszugehen.


In einigen Punkten des Abschlussdokuments geht es auch um die Frage nach kirchlichen Leitungsämtern für Frauen sowie über die Möglichkeiten der Zulassung zum Priesteramt von verheirateten Männern in extremen Situationen. Überdies wird von einem eigenen amazonischen Ritus gesprochen. Generell stehen aber die Auswirkungen von Klimawandel und Zerstörung der Umwelt im Zentrum sowie ihre sozialen, kulturellen und pastoralen Folgen für die indigenen Völker, für junge Menschen sowie Menschen in der Stadt oder mit Migrationshintergrund.


Bei seiner Abschlussansprache versprach der Papst, sein Schlussdokument bis zum Ende des Jahres vorzulegen.

"Die Synode hat uns und der internationalen Öffentlichkeit gezeigt, wie dramatisch die Fragen von Schöpfung und Klimagerechtigkeit sind. Die Überlebensfähigkeit der globalen Ökosysteme steht auf dem Spiel"


Kardinal Marx zum Abschluss der Amazonassynode in Rom


 

Hintergrund: Amazonien: Neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie


Logo der Amazonassynode

Der Lebensraum der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet ist besonders durch legale und illegale Ausbeutung und Zerstörung der Natur bedroht. Der "Schrei der Erde und der Armen" ist zentraler Bestandteil der Debatten, die bei der Bischofssynode vom 6.-27. Oktober im Vatikan stattfinden und den Blick auf die Umweltschäden und deren soziale Konsequenzen lenken.


Zentrale Fragen sind dabei: Wie kann das "Gute Leben" der über 390 indigenen Völker mit seiner tiefen spirituellen Verbundenheit zur Schöpfung geschützt werden? Wie können sich Theologie und Kirche so verändern, dass sie der besonderen Situation der kirchlichen Gemeinden gerecht werden, die durch weite Entfernungen und eine geringe Anzahl an Priestern geprägt ist?


Amazonien ist das zweitgrößte Waldgebiet der Erde und bedeutend für das globale Klima. Wirtschaftliche Interessen sorgen dafür, dass es durch Entwaldung, Privatisierung von Naturgütern wie dem Wasser und Naturverschmutzung zu Eingriffen in das Territorium der indigenen Bevölkerung, Landvertreibungen und Migration kommt. Anstoßgeber für die Synode war auch die Veröffentlichung der Enzyklika Laudato Si' von Papst Franziskus im Jahr 2015, in der bereits die enge Korrelation von sozialen, spirituellen und ökologischen Aspekten zum Ausdruck gekommen ist.



 

Beteiligt an der Vorbereitung auf die Amazonassynode war das kirchliche Netzwerk REPAM (Red Eclesial PanAmazónica), das sich als kirchliche Stimme über Landesgrenzen hinweg gegen die fortschreitende Zerstörung der Natur einsetzt. Dabei wirken Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien gemeinsam. Zu den Kooperationspartnern gehören auch die beiden deutschen Hilfswerke Adveniat und MISEREOR.


In einem Vorbereitungsdokument verweist REPAM auf die zentralen Fragen, die sich die Synode stellen soll. Bis Februar 2019 wurden etwa 85.000 Menschen gehört und 45 thematische Foren veranstaltet und auf Basis dieser Treffen ein Arbeitsdokument (Instrumentum Laboris) veröffentlicht, in dem die zentralen Themen der Synode gesetzt wurden.


An der Synode sind neben den Bischöfen auch Vertreter von REPAM, Experten, Indigene und auch Unternehmensvertreter beteiligt, sodass unterschiedliche Perspektiven und Interessen gehört werden können.

Vorbereitungsdokument

Instrumentum Laboris

 
 

Lokale Synode - globale Wirkung?


Amazonien als „grüne Lunge“ der Erde ist bedeutend für das weltweite Klima. Die vielfache Zerstörung des panamazonischen Beckens bringen Jahreszeiten und Klima auf lokaler wie globaler Ebene aus dem Gleichgewicht. Globale und damit auch europäische Wirtschaft mit weltweiten Lieferketten sind massiv an der Ausbeutung beteiligt. CO2-Ausstoß findet maßgeblich auch in Europa statt und der europäische Konsum geht häufig auf Kosten der Armen. Der Blick auf die ökologische Verantwortung und die damit verbundenen sozialen Bedingungen kann durch die Amazonassynode und vor allem die Stimmen der Betroffenen international weiter geschärft werden.


Neue Wege der Seelsorge für das Amazonasgebiet können außerdem Auswirkungen auf die Kirche in Europa haben. Die Erwartungen (und Befürchtungen) an die Amazonassynode sind deshalb gerade auch in Europa groß. Dabei geht es häufig um Fragen nach dem Priesteramt für Frauen und verheiratete Männer (viri probati).


In den Augen von Bischof Reinhold Nann, der in Peru tätig ist, sind diese Erwartungen jedoch überzogen und gehen an der Realität vorbei. Vielmehr sei das Ziel der Synode eine stärkere Inkulturation, die die pastorale Situation der Völker im Amazonasgebiet und nicht die Weltkirche betrifft, und deshalb auch mit Fragen nach Seelsorgern und Katechisten verbunden ist. Europa muss in seinen Augen eine eigene Synode mit europäischem Profil veranstalten, um den Fragen, die sich hier stellen, gerecht zu werden.


"Was das Klima und den Umweltschutz betrifft, wird die Amazonassynode allerdings universale Bedeutung haben."


 

Eintreten der Kirche für den Schutz der Schöpfung


"Die Amazonas-Synode wird neue Impulse für das weltweite solidarische Eintreten der Kirche für den Schutz der Schöpfung hervorbringen. Dies wird hoffentlich auch die viel zitierte Perspektivenverschiebung bewirken, wie wir Klimaschutz noch konkreter selbst vorleben.


Die Enzyklika Laudato si´ hat den Weg bereitet. Die weltweite Jugendbewegung hat die Politik wachgerüttelt. Jetzt ist die Zeit noch ambitionierter zu handeln.


Auch im Bistum Fulda müssen wir die vielen guten Ansätze im Klimaschutz, z.B. im Bereich nachhaltige Beschaffung, regionale bzw. bio-faire Verpflegung sowie energetische Sanierungen von Gebäuden zeitnah zum Standard machen. Das gilt insbesondere für den regelhaften Wechsel zu nachhaltigeren Energieträgern beim sowieso anstehenden Austausch von Heizungen. Eine Erneuerung von Ölheizungen halte ich z.B. für nicht mehr tragbar. Auch im Bereich Mobilität können wir uns noch verbessern. Wir kompensieren zwar den CO2-Ausstoss von Dienstreisen bei der Klima-Kollekte, aber die Vermeidung der Emissionen z.B. durch die vermehrte Nutzung der Bahn sollte prioritär sein."

Beatrice van Saan-Klein

Dr. Beatrice van Saan-Klein, Umweltbeauftragte des Bistums Fulda zur Amazonas-Synode


 

Pressegespräch am 25.09. live von der DBK in Fulda


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