Aktuelles Bischofswort - zum 25. Dezember 2016

Er hat die Nacht hell gemacht

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Viele biblische Texte kreisen um das Geheimnis der Heiligen Nacht, um Gottes Kommen in unsere Welt. Einen, der das Mysterium philosophisch am tiefsten bedenkt, finden wir im 1. Kapitel des Johannes-Evangeliums, dem sogenannten Prolog, der das eigentliche Weihnachtsevangelium der Kirche ist. Da wird die Geburt Jesu in das kosmische Geschehen eingebettet. Der ewige Logos, der schon beim Ursprung der Schöpfung zugegen war, kommt in unsere irdischen Bedingungen. „Und das Licht leuchtet in der Finsternis“, wie es bei Johannes heißt, „und die Finsternis hat es nicht erfasst… Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden…“ (Joh 1,5.12).


Gipfel des johanneischen Prologs ist schließlich das jubelnde Bekenntnis: „Und das Wort ist Fleisch geworden“. Das ewige Wort des Vaters, die Kraft, mit der Gott schon die Welt geschaffen hat, ist zu uns gekommen, „hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen“ (Joh 1,14). 

 

Auf dieses Ereignis kommt es im christlichen Weihnachtsfest an, auf gar nichts anderes. Hier ist der Grund des Festes. Ohne ihn wäre alles nur leeres Arrangement, Fassade, die bald einstürzte. Ohne das Gottesgeschenk hätten all unsere Geschenke, die wir einander zum Fest geben, überhaupt keinen Sinn.


Das bestätigt auch der große Theologe Karl Rahner, wenn er sagt: „Alles an diesem Fest lebt vom Glauben an die Menschwerdung Gottes, oder es stirbt und wird zur Illusion. Weihnachten heißt: er ist gekommen. Er hat die Nacht hell gemacht. Er hat die Nacht unserer Finsternisse, die Nacht unserer Unbegreiflichkeiten, die grausame Nacht unserer Ängste und Hoffnungslosigkeiten zur Weihnacht, zur Heiligen Nacht gemacht.“ 

 

Liebe Leserinnen und Leser,


die alles verändernde Botschaft, dass der unendliche Gott unser Fleisch und Blut angenommen, sich vom Schrei der Geburt bis zum letzten Atemzug eines Sterbenden in unser Leben begeben hat, bedeutet freilich nicht, dass uns Weihnachten in einem billigen Sinn unsere Ängste ausreden will. Nein, die Botschaft des Festes beschönigt und verharmlost keineswegs die Angst, verdrängt und verscheucht sie nicht. Dass ein solcher Versuch auch gar nichts nützte, wissen wir aus eigener Erfahrung. Und Eltern wissen das besonders gut: Es taugt beispielsweise überhaupt nichts, einem kleinen Kind, das sich nachts in seinem dunklen Schlafzimmer ängstigt, seine Angst wegreden zu wollen im Stil der Allerweltsweisheit „Du brauchst keine Angst zu haben“. In Angstpanik kann vielmehr nur eines weiterhelfen: die Tür des Kinderzimmers einen kleinen Spalt offenlassen, damit in die Dunkelheit wenigstens ein Lichtstrahl fallen kann. Dann spürt das Kind nämlich, dass es mit seiner Angst nicht allein sein muss. Dieser Lichtstrahl kann tatsächlich als fundamentales Zeichen begründeter Hoffnung verstanden werden.


Darauf kommt es in unser aller Leben entscheidend an, dass wir unsere Ängste nicht, mit welchen Mitteln auch immer, verscheuchen müssen, sondern uns vielmehr in all den Formen der Angst in der Dunkelkammer unseres Lebens dem Licht öffnen, von dem Johannes in seinem Evangelium sagt, es würde in der Finsternis leuchten (vgl. Joh 1,5).


„Fürchtet euch nicht!“ (Lk 2,10) – diese Botschaft der Heiligen Nacht dürfen wir uns gefallen lassen. Wir können sie gerade in diesem zu Ende gehenden schwierigen Jahr als tröstliches und befreiendes Evangelium auf uns beziehen.


Dazu gibt es einen entscheidenden Grund, sich nicht fürchten zu müssen: Denn „heute ist euch… der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr“ (Lk 2,11). 

 

Diese Botschaft verändert den Menschen, der glaubt, von Grund auf. In deren Folge sagt die Kirche im Tagesgebet des Weihnachtsfestes „mirabilius reformatus“, d. h., der Mensch wurde durch die Menschwerdung Gottes noch wunderbarer erneuert als er erschaffen worden ist.


Derart erneuerte Menschen, von Gott gewollt und angenommen, mit einer unwiderruflichen Würde beschenkt, dürfen sich mit den Fakten, die diese Welt setzt, nicht einfachhin abfinden. So werden sie allerdings immer häufiger als Fremdkörper empfunden, als Störenfriede in einer neuheidnischen Gesellschaft, deren Konsense wir nicht mitzutragen bereit sind.


Weil die Achtung der Menschenwürde gerade an den Grenzen des menschlichen Lebens, an seinem Beginn bei der Zeugung und an seinem Ende im Sterben, infrage steht, hat die Kirche geradezu die weihnachtliche Verpflichtung, sich für das umfassende Recht jedes Menschen auf Leben stark zu machen.


Liebe Leserinnen und Leser,


der Evangelist Johannes fasst seine Weihnachtsbotschaft so zusammen: „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden…“ (Joh 1,12). Das Leben kann sozusagen noch einmal beginnen, wenn wir uns im Kind in der Krippe, dem fleischgewordenen Wort Gottes, als „Kinder Gottes“ mit einer großen Verheißung verstehen.


Was kann es Schöneres geben? Und wie könnten wir darauf anders antworten als mit dem Ruf „O Freude über Freude…“.


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 
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