Aktuelles Bischofswort - zum 22. Januar 2017

Leben - was ist das?

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

„Wer bist Du?“ – „Woher kommt die Welt?“ – „Was ist das Leben?“: Das sind die philosophischen Ausgangsfragen an das Mädchen Sofie in Jostein Gaarders Roman „Sofies Welt“ (Carl Hanser Verlag 1994), den ich seinerzeit mit großer Begeisterung gelesen habe. Es lohnt sich tatsächlich, über Selbstverständliches nachzudenken, zum Beispiel darüber, was Leben ist und bedeutet.

Dass jemand gestorben ist, beweist noch nicht, dass er wirklich gelebt hat. Dass ich da bin, heißt noch nicht, dass ich lebe. Ist denn das ein Leben: Weckerrappeln, Kampf mit dem Kopfkissen, Aufstehen, Rasieren, Toilette machen, Frühstücken, Arbeit, Schule, Mittagessen, wieder Arbeit, Abendessen, Fernsehen, Schlafengehen, Weckerrappeln…? Ist das ein Leben? Für viele verläuft das Leben in diesem „Trott“, geistlos, lustlos, farblos, trostlos.

Leben – das ist doch mehr, muss mehr sein. Leben ist Atmen. Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, heute eigentlich schon bewusst geatmet, gespürt, dass Sie Leben einatmen? Leben ist Fühlen und Gefühle haben. Leben ist mit Freude essen und trinken, genießen, die Gaben Gottes auf der Zunge zergehen lassen.

Wir sagen: „Das Leben wurde mir geschenkt.“ Was für ein Geschenk ist das? Zum Geburtstag bekam ich mehrere Bücher geschenkt. Nachdem ich sie gelesen hatte, stellte ich sie zu den anderen in den Bücherschrank. Dort werden sie wohl in ein paar Jahren noch genauso stehen wie jetzt. Ganz anders das Geschenk des Lebens. Es wurde mir geschenkt wie ein Keim, in dem alles angelegt ist, der erst zu sich kommt, wenn er wächst und aufblüht.

Leben – was ist das? Wesentlich dazu gehört Gemeinschaft. Die Bibel erzählt das sehr anschaulich. Zunächst hat Gott nur Adam geschaffen. Der ist ihm zwar recht gut gelungen, aber da fehlt noch etwas. Adam ist allein. „Es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist“, selbst Gott muss das feststellen. Er macht einen ersten Versuch, die Einsamkeit Adams aufzuheben, und erschafft die Tiere. Adam stellt auf diesen Versuch Gottes hin fest: „Alles ganz gut und schön, aber noch nichts, was zu mir passt.“ Da erschafft Gott dem Adam die Eva, dem Menschen den Mitmenschen. Erst als der Mensch Gemeinschaft ist, Abbild Gottes, kann Adam sich freuen: Endlich jemand, der zu mir passt. Und Gott stellt fest: „Jetzt ist es gut, was ich geschaffen habe.“

Leben, das ist teilen, sich mitteilen, sich austauschen, gemeinsam fragen, sich gemeinsam freuen, auch gemeinsam weinen. Gemeinsam geht es besser: Wo diese Erfahrung gemacht wird, ist Leben.

Nun erschrecken Sie nicht, wenn ich Ihnen sage: Leben, das ist auch Sterben können. Es gibt so viel ungelebtes und missglücktes Leben, weil Menschen das Sterben verdrängen. Und dabei ist lebendiges Leben immer Sterben, Loslassen, Abschied nehmen. Jeder Schritt nach vorn heißt Abschied nehmen von dem Fleck, wo mein Fuß vorher stand. Wenn ich morgens nicht Abschied nehmen kann vom Bett, komme ich nicht in den Tag. Leben gelingt nur, wenn ich loslassen, Abschied nehmen kann. Und, so sagt es ein französisches Sprichwort: „Jeder Abschied ist ein bisschen Sterben.“

Der alttestamentliche Lot und seine Familie sollten leben. Darum mussten sie Abschied nehmen von der todgeweihten Stadt Sodom, in der sie bisher zu Hause waren. „Schaut euch nicht um!“, diese Aufforderung bekommen sie mit auf den Weg. Lots Frau konnte nicht Abschied nehmen, schaute sich um, wollte sich innerlich festklammern und erstarrte zur Salzsäule.

Wie viel Leben erstarrt zur Salzsäule, weil Menschen nicht Abschied nehmen können, sich umschauen, das Heil in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft suchen!

Die Auferstehung Jesu, die je in der Eucharistiefeier am Sonntag, dem kleinen Osterfest der Woche, gefeiert wird, ist eine einzige große Einladung zum Leben. Der österliche Herr zeigt uns da, was Leben ist, Leben in Fülle. Es tut gut, sich das gleich zu Beginn eines neuen Jahres zu vergegenwärtigen. Und ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie in seiner Nachfolge Ihres Lebens froh werden.


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 
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