Aktuelles Bischofswort - zum 29. Januar 2017

Widerstand und Ergebung

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Am 28. Dezember 1944 schreibt der evangelische Pastor Dietrich Bonhoeffer aus dem Kellergefängnis der Gestapo in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße seiner Mutter zum Geburtstag und legt ihr ein Gedicht bei, in dem er sein Vertrauen und seine Zuversicht am Ende dieses schrecklichen Jahres ausdrückt - trotz allem: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“ Es ist das letzte theologische Zeugnis aus Bonhoeffers Hand, seiner Mutter und seiner Braut Maria Wedemeyer gewidmet. Das Gedicht schließt mit den wunderbaren Worten des Trostes: „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Am 9. April 1945 wird Bonhoeffer im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Sein Leben lang hat Bonhoeffer für ein Christsein gekämpft, das die Nachfolge Jesu Christi als eigentliche Aufgabe sieht. Er hat den Widerstand gegen Hitler nicht nur persönlich, sondern auch politisch gelebt: „Wenn ein Wahnsinniger mit dem Auto durch die Straßen rast, kann ich als Pastor, der dabei ist, nicht nur die Überfahrenen trösten oder beerdigen, sondern ich muss dazwischenspringen und ihn stoppen.“ Er hat sich von der deutschen Abwehr unter Admiral Canaris in Dienst nehmen lassen, um Kontakte zu ausländischen Kirchen zu knüpfen, damit sie sie geplante Regierung der Verschwörer anerkennen sollten.

Eberhard Bethge hat Bonhoeffers Briefe unter dem Titel „Widerstand und Ergebung“ herausgegeben, weil für ihn der Freund für beide Haltungen mit seinem Leben und Tod steht. Und wenn uns, liebe Leserinnen und Leser, sein Gedicht des Vertrauens immer noch begeistert und nachdenklich stimmt, sollten wir auch feststellen, dass nach über siebzig Jahren die Zeit nun wieder reif ist, „Widerstand“ und „Ergebung“, beide Haltungen neu einzuüben.

Wir müssen hellwach werden, um zu entdecken, welche Strömungen in uns selbst und in unserem Land sich ausbreiten, welche – mitunter sehr gefährlichen – Gedanken die Menschen beherrschen, welche ungestillte Sehnsucht und Süchte sie befallen. Und wir brauchen den Widerstand, um dem Ungeist unserer Zeit, der uns vereinnahmen möchte, zu widerstehen. Wir müssen aufstehen und unsere Stimmen erheben gegen die Aggressivität und Gewalt, die sich unter uns ausbreiten. Wer mitschwimmt, macht sich schuldig. Bonhoeffer sagte es 1938 so: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“

Aber es braucht ebenso die Ergebung. Machen wir uns das gleich zu Beginn des neuen Jahres klar: Wir können die kommenden Monate nicht so gestalten, wie wir wollen. Manches ist Altlast, vieles auch vorgegeben. Durch das Jahr 2017 zuversichtlich gehen heißt auch, darauf vertrauen, dass Gott alle Wege mit uns geht: „Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.“

Der Jesuitenpater Alfred Delp, ein Freund Bonhoeffers und Fulda sehr verbunden, am 2. Februar 1945 von den Nazis hingerichtet, drückt es ebenfalls im Gefängnis der Gestapo in seiner Betrachtung über die „Gestalten der Weihnacht“ so aus: „Nicht die Nacht soll uns schrecken, nicht die Not ermüden. Wir werden immer warten und wachen und rufen, bis der Stern aufgeht…“ Wünschen wir einander solche Wachsamkeit, solchen Mut im Vertrauen auf Gottes Führung!


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 
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