Aktuelles Bischofswort - zum 26. Februar 2017

Schöne neue Welt

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Dieser Tage erinnerte ich mich eines Romans, der mich vor Jahren, in der Oberstufe des Gymnasiums, lange und nachhaltig beschäftigte. Aldous Huxley erzählt da von einer zukünftigen Welt, in der es nach der „Normung des Menschenmaterials“ keine Wünsche mehr gibt, dafür ein hergestelltes völliges physisches und ökonomisches Wohlbefinden herrscht. Doch all die Apparate, Organisationen und Medikamente, die das uneingeschränkte irdische Glück sichern sollen, haben den Geist getötet und die Vergangenheit ausgerottet: Gottesglaube, Liebe zur Natur, zum Menschen, zur Kunst und Dichtung, zur Wahrheit und Freiheit. Plötzlich tritt in diese genormte Zivilisation ein ursprünglicher Mensch. Er liebt, fragt nach Sinn und kämpft. An seinem verzweifelten Aufschrei „Ich brauche keine Bequemlichkeit. Ich will Gott, will Poesie und Freiheit und Tugend!“ wird das Grauenhafte dieser „schönen neuen Welt“ deutlich.

Was mich zur Erinnerung brachte, war die beklemmende Nachricht, einer amerikanischen Forschergruppe sei es vor einiger Zeit „gelungen“, menschliche Embryonen zu Zwillingen und Drillingen zu klonen. Aus siebzehn Embryonen wurden im Reagenzglas eine größere Zahl von Geschwistern „gezeugt“ – eines die identische Kopie des anderen.

Nun wissen wir, was wir schon länger befürchtet hatten, aber dann eigentliche nicht für vorstellbar hielten: Es ist eben doch alles möglich! Nicht nur das Klonen, vielmehr das menschliche Leben in seiner Ganzheit steht zur Disposition. Auch der Ungläubige in der heutigen indifferenten Gesellschaft beginnt zu spüren, dass eine neue Dimension erreicht ist. Menschen glauben, weil technisch machbar, die Macht zu haben, Menschen zu vervielfachen, nach Belieben einzufrieren und willkürlich später in die weitere Entwicklung zu schicken – oder auch nicht. Sie spielen Herr über Leben und Tod.

Max Frisch hat uns in seinem „Homo faber“ die vollkommene Verkörperung der technischen Existenz gezeigt. Dem Ingenieur Walter Faber ist alles machbar, alles im rational zementierten Weltbild begründbar: „Als Techniker bin ich gewohnt, mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen… Ich brauche weder Gott noch Mystik; Mathematik genügt mir.“

Der Typus Mensch, den Max Frisch Ende der siebziger Jahre beschrieb, ist heutzutage verbreitet. Uns umgibt ein Machbarkeits-Größenwahn. Die Worte „Machen“ und „Wegmachen“, immer häufiger ausgesprochen, offenbaren eine gefährliche Entwicklung und das Fehlen der grundsätzlichen Übereinkunft an Werten, die nur in religiöser Verankerung plausibel sind.
Ob Lebensende oder Lebensanfang, ob sogenannte aktive Sterbehilfe oder Tötung ungeborener Menschen: In allem erscheint die Maske des vom Schöpfer emanzipierten und sich zum Herrscher über Leben und Tod aufschwingenden Geschöpfes, das seine Geschöpflichkeit verleugnet.

Darf ich alles, was ich kann? Muss ich in Selbstbescheidung Grenzen wahren, die zu überschreiten Verderben bringen? Das sind zunehmend Überlebensfragen. Im Jahre 1989 stellten die katholische deutsche Bischofskonferenz und die evangelische Kirche in Deutschland in der leider zu wenig beachteten gemeinsamen Erklärung „Gott ist ein Freund des Lebens – Herausforderungen und Aufgaben beim Schutz des Lebens“ in einer damals einträchtigen ökumenischen Aktion fest: „Menschliches Leben ist in seiner Würde nur dann geschützt und gesichert, wenn grundsätzlich jede Möglichkeit verfügender Manipulation ausgeschlossen ist“ (Seite 63). Diese ethische Grundentscheidung ist maßgebend für die Beurteilung der Angriffe gegen die Würde des Menschen, nicht nur beim Klonen von Embryonen, sondern überhaupt.


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 
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