2. April 2017

Predigt zum 5. Fastensonntag

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Die großen mittelalterlichen Kirchenlehrer Albert der Große, Thomas von Aquin, Duns Scotus und Bonaventura haben allesamt gelehrt, dass zu einer verantwortbaren Glaubensentscheidung Vernunftgründe gehören, soll es kein blinder Glaube sein. Ein blinder Glaube ist ebenso unvernünftig und gefährlich wie blinde Liebe.


Das ist eine gerade für unsere Zeit wichtige Feststellung. Denn viele sind heute der Meinung, um zu glauben, müsse man vorher den Verstand ausschalten. Glaube sei eine Art vorwissenschaftlicher Einstellung und überall dort zu finden, wo der Mensch das exakte und logische Denken noch nicht gelernt habe. 

 

Dies muss bedacht werden, weil das Evangelium des 5. Fastensonntags uns mit einer Frage konfrontiert, wo Glaube und Vernunft anscheinend sich widersprechen mit der Frage nach dem Tod.


Was ist der Tod?


Ist er Auflösung des Menschen ins Nichts oder Hinübergang in eine neue Welt? Verschwindet der Mensch spurlos oder wird er verwandelt? Ist der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod begründet oder ist er Illusion, frommer Wunsch, um den Schmerz über den Verlust geliebter Menschen zu betäuben?

 

Viele sagen: Das ist eine Glaubensfrage, mit dem Verstand kommt man da nicht weiter. Sie sagen: Keiner kann beweisen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt; aber auch nicht, dass es dies Leben nicht gibt. Also, so meinen sie, sei es eine reine Sache des Glaubens.


Vernunft und Glaube aber verhalten sich nicht so zueinander, dass der Glaube dort beginnt, wo die Vernunft aufhört; der Glaube ruht vielmehr auf dem Fundament der Vernunft. Und er ist so etwas wie das Vorzeichen vor der Klammer meines Lebens. Von daher bekommt alles seine Wertigkeit.


Mit dem Ausdruck „Licht des Glaubens“ hat die Tradition der Kirche das große Geschenk bezeichnet, das Jesus gebracht hat, der im Johannes-Evangelium über sich selber sagt: „Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt“ (Joh 12,46).


Der Mensch muss in der Lage sein, für seine Glaubensentscheidung ver­nünftige Gründe anzuführen. Fragen wir also: Welche Gründe haben wir Christinnen und Christen zu glauben, dass es ein Leben nach dem Tod gibt? Was spricht dagegen, was dafür?


Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!


Es wird gesagt: Der Tod ist ein Naturgesetz. Alles, was lebt, lebt nur eine gewisse Zeit; dann stirbt es und geht wieder im Kreislauf der Natur auf. So ist es auch beim Menschen.


Dagegen sagen wir: Die Behauptung, der Mensch sei nichts anderes als ein biologischer Organismus, ist ganz einfach falsch. Der Mensch ist Leib-Seele-Wesen. Der biologische Tod ist kein Beweis dafür, dass vom Menschen nichts mehr übrig bleibt.


Es wird gesagt: Der Tod ist eine Grenze, über die der Mensch nicht hinaus kann. Er kann nicht wissen, ob da noch etwas ist oder nicht ist. Also ist es zwecklos, sich darüber Gedanken zu machen.


Dagegen sagen wir: Es gehört zum Wesen des Menschen, dass er immer wieder versucht, Grenzen zu überschreiten. Er lässt sich das Hoffen nicht verbieten und auch nicht das Nachdenken über den Tod und über den Tod hinaus.


Es wird fatalistisch gesagt: Der Tod gehört nun mal zum Leben, dagegen kann man gar nichts machen.


Dagegen sagen wir: Warum wehrt sich dann der Mensch mit jeder Faser gegen den Tod? Warum betrachtet er ihn als dunklen Feind, der Ehen zerstört und Freundschaften brutal beendet? Warum versuchen wir mit allen Mitteln, unser Leben zu verlängern und den Gedanken an den Tod zu verdrängen? So gesehen ist der Tod nicht Gegenpol des Lebens, sondern sein Widerspruch.


Schließlich wird gesagt: Was soll das viele Grübeln über Sterben und Tod? Hauptsache, man lebt! Man soll sich über das Leben Gedanken machen und sinnvoll zu leben versuchen.


Dagegen sagen wir: Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist unlösbar mit der Frage nach dem Tod verbunden. Ist die eine Frage nicht gelöst, endet die andere in einer Ausweglosigkeit.


Welchen Sinn hat denn wohl das Sterben von kleinen Kindern?


Warum sterben die einen leicht und die anderen furchtbar schwer?


Warum sind Lebenszeit und Lebenschancen unter uns Menschen so ungleich verteilt?


Wenn mit dem Tode alles aus wäre, drohte das Leben an und für sich sinnlos zu sein.


Es gibt also gute Gründe vernünftig zu sagen, dass der Tod nicht das letzte Wort haben darf.


Aber noch so viele gute Gründe ersetzen nicht den Glauben an den, der das letzte endgültige Wort des Lebens ist Jesus Christus, der Heiland und Erlöser. So kann der Evangelist Johannes wunderbar tröstlich sagen: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,15).


Der Glaube an ihn ist kein blinder, sondern ein begründeter Glaube, ein vernünftiger.


Es ist sehr vernünftig, sich dem anzuvertrauen, der das ungeheuerlichste Wort gesagt hat, das auf dieser Erde je aus Menschenmund kam: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben“ (Joh 11,25).


Von der Wahrheit dieses Wortes hängt unser Leben ab, das jetzige und das nach unserem Tod! 

 

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!


Von dieser Einsicht her dürfen wir das heutige Evangelium noch einmal neu hören:


Es ist keine phantastische Geschichte. Nein, das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus ist ein tiefer Glaubenstext. Er spricht von der unfasslichen Lebensmacht, die mit Jesus Christus in diese Welt gekommen ist.


Lazarus im Grab: Das sind auch wir. Auch an uns ergeht der Ruf Jesu: „Lazarus, komm heraus!“ (Joh 11,43).


Komm heraus aus deiner Totenstarre! Komm heraus aus der immer enger werdenden Welt deiner privaten Wünsche und Träume, aus deiner Selbstgenügsamkeit, dem Gefangensein in deinen kleinen oder großen Besitztümern, die im Grunde dich besitzen!


Komm heraus aus alledem, was deine Hände und Füße fesselt – wie bei Lazarus –, wo dein Gesicht verhüllt ist.


Komm heraus und lass dich befreien zum österlichen Leben, zum Geschenk des ewigen Osterfestes!


Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, die Geschichte dieses Geschenks begann für uns je mit dem eigentlichen Dies Natalis, mit dem alles entscheidenden Geburtstag in unserer Taufe, und sie hat Bestand in Ewigkeit. Amen.


 

 
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