Bischofswort zum 4. Juni 2017

Wege des Geistes

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Ein alter Mann erinnert sich, wie vor vielen Jahren über seinem Leben ein Stern aufging, der ihn zum Aufbruch und zu einer langen Reise brachte. „Ein großer König ist geboren“ lautete die Verheißung. Ihm wollte er huldigen. Deshalb folgte er dem Stern bis nach Betlehem, wo er in einem Stall ein neugeborenes Kind fand.

Inzwischen war er fünfundsiebzig. Über dreißig Jahre waren vergan-gen seit jener Begegnung im Stall. Seine beiden Weggefährten von damals waren längst gestorben.

„Was mag wohl aus dem Kind geworden sein?“, fragte er sich. „Ich habe nichts mehr von ihm gehört. Ob es wohl inzwischen als König regiert?“ Er konnte das Kind nicht vergessen. Und da er nichts mehr zu versäumen hatte, entschloss er sich, die Reise noch einmal zu ma-chen. So kam er nach Jerusalem. Er erzählte den Leuten von einem Stern und einem Königskind. „Der Alte wird langsam kindisch“, dachten sie.

Er fragte nach einem Jesus von Betlehem. Aber den kannten die Men-schen nicht. Wohl einen Jesus von Nazareth, den man vor ein paar Wochen hingerichtet hatte; der konnte sein Königskind ja wohl nicht sein.

Er wollte schon enttäuscht zurückkehren, als er hörte, bald sei das jü-dische Dankfest für die Weizenernte. Aus Neugierde blieb er noch. Und so kam es, dass er am Tag des Festes hörte, wie die Leute riefen: „Die sind ja verrückt, die sind betrunken!“ Er hörte jemanden in seiner persischen Sprache reden; seltsamerweise aber schienen ihn auch alle anderen zu verstehen. Und man erzählte von einem Jesus, der von Gott gesandt war, von den Menschen getötet und von Gott auferweckt wurde.

Nach dieser Predigt ging der alte Mann zu Petrus, so hieß der Redner, und ließ sich alles genau berichten. Ohne Zweifel, es war das Kind von Betlehem, von dem Petrus sprach. Er lebt! „Aber“, so fragte der alte Mann, „wo ist er denn zu sehen?“ Und Petrus, der schon begriffen hatte, sagte: „Wir sind seine Münder, Augen, Gesichter, Hände und Füße.“ Während sie noch saßen und sprachen, kam noch einmal ein Brausen vom Himmel und nochmals senkten sich Feuerzungen auf je-den von ihnen. Da fiel es dem alten Mann wie Schuppen von den Au-gen. Seine Erinnerung wurde hellwach und er sagte: „Als hätte der Stern von Bethlehem sich in viele Sterne geteilt. Ein Stern steht über einem jeden von uns.“ Und ihm wurde deutlich: Jeder wird Krippe, in jedem wird Jesus neu geboren – wie damals. Empfangen vom Heiligen Geist.

Diese Erzählung „Der letzte Weise aus dem Morgenland“ von Kurt Marti, dem kürzlich verstorbenen Dichter und Theologen, eröffnet ein neues Verstehen des Pfingstfestes: Pfingsten, ein neues Weihnachten, eine neue Menschwerdung! Hier wie da sind es die gleichen Leitsätze: „Empfangen vom Heiligen Geist.“ „Der Heilige Geist wird über dich kommen…“

Damals wirkte Maria mit Gottes Geist zusammen, und Gott wurde Mensch. Beim Pfingstfest in Jerusalem werden die Apostel des Aufer-standenen Mund und verkünden die Botschaft von seiner Liebe. Sie werden seine Füße und tragen ihn zu den Menschen, sind seine Zeu-gen „bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8). Sie werden seine Hände und verrichten die Taten seiner Liebe.

Pfingsten ist die Zusage Gottes an die Kirche, an ihre Gemeinden und Gemeinschaften, an jeden Menschen guten Willens: „Du wirst vom Heiligen Geist empfangen!“ Und ist die Einladung, mit dem Geist zu wirken, auf dass ein Licht aufgehe, wie damals der Stern von Bethle-hem, wie am ersten Pfingstfest die Feuerzungen. Die Erfüllung dieser Zusage geschieht normalerweise nicht im Außergewöhnlichen, in Sturmesbrausen und Feuerzungen. Zwar gibt es durchaus auch die Er-fahrung, dass mir schlagartig klar wird, was ich zu tun habe. Unmit-telbar spüre ich, dass Gottes Geist am Werk ist.
Weit häufiger geht aber der Heilige Geist ganz alltägliche, nüchterne Wege: Er gibt sich mir zu erkennen im mühsamen Ringen eines Ge-sprächs, zeigt mir den Weg durch ernsthaftes und gründliches Studie-ren der Hl. Schrift, hilft mir durch den Rat eines Mitmenschen. Das al-les sind seine leisen Berührungen, immer wieder zu spüren.

Auf diesem Hintergrund möchte ich zum Pfingstfest zusammen mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in ein Gebet einstimmen, das uns die Ostkirche schenkt:
„Komm, Heiliger Geist. Entzünde in uns dein Feuer, dass wir selber davon zum Lichte werden, das leuchtet und wärmt und tröstet. Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden, die von deiner Liebe und Schönheit sprechen. Schaffe uns neu, dass wir Menschen der Liebe werden, deine Heiligen, sichtbare Worte Gottes. Dann wird alles neu geschaffen…“


 

 
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