Aktuelles Bischofswort - zum Sonntag, 27. August 2017

Fels und Schlüssel

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

Zum Verständnis des Evangeliums vom kommenden Sonntag kann helfen, sich den Ort und die Situation vorzustellen, an dem und in der die Szene sich vollzogen hat. Matthäus legt die Frage Jesu: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ (Mt 16,13) und die Antwort des Petrus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16) sowie das anschließende Wort von der Leidensvoraussage nach Caesarea Philippi.
Dort, am Fuß des hochragenden Berges Hermon, hat der Fürst Herodes Philippus die Hauptstadt seines Landes mit einem mächtigen Tempel gebaut, der dem göttlich verehrten Caesar Augustus geweiht war. Deswegen trägt die Stadt den Namen Caesarea Philippi. Da gibt es, das kann man heute noch sehen, eine gewaltige Felswand mit mehreren Nischen, in denen Statuen des griechischen Gottes Pan standen, denn die Felswand war dem Hirtengott geweiht. Und aus dem Felsen kommt wie aus einem tiefen Schlund eine der Jordanquellen hervor.

Vor diesem Hintergrund, dort, wo Götter und für Götter gehaltene Menschen verehrt wurden, stellt Jesus die Frage: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ Und im Angesicht der Berg- und Göttermächte ist es ein herausforderndes Bekenntnis, das Petrus ablegt: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

In diesem Satz finden wir das Urbekenntnis der frühen Christenheit wieder. Im Angesicht all der Götter, an die die Menschen damals glauben, wagen es die ersten Christen, Jesus Christus als ihren Herrn und Gott zu bekennen – auch wenn ihnen dieses Bekenntnis Leid einbringen wird, wie Jesus ja sofort im Anschluss an das Messiasbekenntnis kundtut.

Vor dem mächtigen Pan-Felsen stellt Jesus Petrus als Felsen seiner Kirche vor. Er verbindet die Seligpreisung des Simon Petrus mit dem aramäischen Namen „Kephas“, was in der griechischen Sprache des Neuen Testamentes „Petros“, lateinisch „Petrus“ und in Deutsch „Felsen“ heißt.

Wer von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, schon einmal im Petersdom zu Rom gewesen ist, erinnert sich: Die Schlussworte des Evangeliums an diesem Sonntag stehen in riesigen Lettern auf Latein in der Kuppel über dem Grab des Hl. Petrus: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 16,18f).
In beeindruckender Weise stellen uns diese Worte die große Aufgabe des Petrusamtes vor Augen, sie gipfelt im Dienst an der Einheit unserer Kirche.

Einheit der Kirche meint nicht monotone Einförmigkeit. Die Kirche braucht keine uniformen, einheitlichen Menschen, sondern solche, denen die Einheit wesentlich ist. Der Geist Gottes wirkt auf mannigfaltige Weise in den Gliedern der Kirche. Er offenbart in der Vielheit der Gnadengaben und Dienste die Fülle und den Reichtum christlichen Lebens. Sinnvolle innerkirchliche Vielfalt orientiert sich entsprechend am Gemeinwohl der Kirche (vgl. 1 Kor 12,7) und vollendet sich im gegenseitigen Dienen in Liebe (vgl. Gal 5,13). Indes findet sie ihre Grenze dort, wo die Einheit der Lehre, der Sakramente und der Leitung gefährdet wird. Und da habe ich zunehmend große Sorge.


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 

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