Aktuelles Bischofswort zum Sonntag, 27. Mai 2018

Mahl des Aufbruchs

Von Bischof Heinz Josef Algermissen

In der Eucharistie, das müssen wir uns angesichts des Hochfestes Fronleichnam vergegenwärtigen, erkennt die Kirche ihren eigenen Grund, ihr eigentliches Wesen. Sie soll in der wiederholten Feier dieses Geheimnisses immer mehr Leib Christi werden, der sie aus Gnade schon ist. Kirche ist ihrem Wesen nach „Teilhabe“ am Leib Christi, wie Paulus es im 1. Korintherbrief (10,16f) sagt: „Der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, ist Teilhabe am Blut Christi; das Brot, das wir brechen, ist Teilhabe am Leib Christi.“

Die Gemeinschaft, die sich da „im Heiligen Geist“ bildet, ist Verwandlung, denn wenn der Hl. Geist berührt, werden die Dinge neu. Darum kann auch Christsein nicht eine kleine Sonntagswelt, zu unserer Werktagswelt hinzugefügt, sein, etwas, was wir in einem Andachtswinkel unseres Lebens noch hinzubauen, sondern ist neue Perspektive, ist Verwandlung, die uns grundlegend verändert. Folglich ist bürgerliche Selbstzufriedenheit das genaue Gegenteil von kirchlichem Aufbruch.

Ein Priesterdichter hat es vor Jahren einmal so zur Sprache gebracht: Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste für ihren Glauben ist. Sie werden antworten: „die hl. Messe“. Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste in der hl. Messe ist. Sie werden antworten: „die Wandlung“. Sag hundert Katholiken, das Wichtigste ihres Glaubens sei die Wandlung. Und sie werden antworten: „Um Gottes Willen, alles soll so bleiben, wie es ist.“
Diese innere Haltung ist indes für gläubige Menschen ein Widerspruch in sich selbst.

Den Lebenszusammenhang von Eucharistie und Kirche hat der heilige Augustinus auf die einprägsame Kurzformel gebracht: „Wenn ihr selbst also Leib Christi und seine Glieder seid, dann liegt auf dem eucharistischen Tisch euer eigenes Geheimnis … Ihr sollt sein, was ihr seht, und sollt empfangen, was ihr seid.“

Die Feier der Hl. Eucharistie ist, liebe Leserinnen und Leser, immer zugleich neben Verwandlung auch Sammlung und Sendung. Kommunion muss, richtig verstanden, zur Mission werden. Wir nennen sie daher auch „Messe“, „Missa“, d. h. „Sendung“. Der alte Zuruf „Ite Missa est“ heißt nicht: „Nun habt ihr eure Pflicht getan“, sondern: „Jetzt sollt ihr zeigen, wes Geistes Kinder ihr seid! Bringt Christi Licht in eine Welt voller Zwielicht und Schatten!“

Jede Eucharistiefeier will uns in Bewegung bringen, ist Aufbruch, ähnlich dem jüdischen Pascha: „Die Hüften gegürtet, Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand …“:

Vielleicht steht uns als Kirche ja auch ein belastender Wüstenzug bevor, wenn sich überkommene Formen und Strukturen spürbar auflösen und neue so leicht nicht zu finden sind. Durststrecken können da erwartet und eingeplant werden.

Wenn wir uns aber dem Herrn der Kirche und der Führung seines Geistes anvertrauen, wird ER uns eine neue Perspektive öffnen. Da bin ich ganz sicher. Nur: Wir müssen uns aufmachen dorthin, wohin Gott uns führen will.

Jesus Christus selbst schenkt uns im Abendmahlssaal eine beispielhafte Bewegung: Er steht vom Mahl auf, umgürtet sich (Jo 13,4), wie das jüdische Volk vor dem Auszug. Umgürtet diesmal für den Dienst der Fußwaschung und des gebeugten Rückens. Das ist eine Bewegung, die uns als Kirche seither fordert, herausfordert und nicht in Ruhe lässt.
So lasst uns Eucharistie mit aller Konsequenz feiern und uns auf den Weg machen! Es ist ein Pascha-Weg in das Land der Verheißung, da-rauf dürfen wir vertrauen.


Vorstehender Beitrag erscheint als „Wort des Bischofs“ in der Kirchenzeitung „Bonifatiusbote“

 

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