Bistum Fulda

Inkraftsetzung der Strategischen Ziele zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda

Inkraftsetzung der Strategischen Ziele zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda

Fulda (bpf). Wie soll die Seelsorge im Bistum Fulda in Zukunft aussehen? Auf Grundlage welcher Strukturen lässt sich Kirche mit Blick auf die künftig zur Verfügung stehenden Ressourcen verlässlich gestalten? Wie gelingt es, auch in größer werdenden Einheiten nahe bei den Menschen zu sein und auf ihre Anliegen und Bedürfnisse einzugehen? Zu Pfingsten wird Bischof Heinz Josef Algermissen die Strategischen Ziele zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda in Kraft setzen, die auf diese Fragen mit konkreten und verbindlichen Maßnahmen antworten.

„Die Strategischen Ziele sind der Abschluss eines längeren Prozesses zur Neuausrichtung der Seelsorge im Bistum Fulda. Sie beinhalten konkret überprüfbare Schritte bis 2030“, betonte der Fuldaer Oberhirte am Donnerstag vor Journalisten in Fulda und erinnerte daran, dass er bereits 2002 nach seiner Amtsübernahme den Pastoralen Prozess zur Sicherung einer zukunftsfähigen Kirche eingeleitet hatte – „um der Menschen willen gemeinsam auf der Suche nach Gott“. Die Katholiken in der Diözese müssten sich gemeinsam vom Pfingstgeist der Kirche leiten lassen. Die Sache Jesu Christi sei in der Gemeinde die Sache aller Christen, und die Priester könnten sich künftig auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren.

Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke stellte heraus, dass sich nicht nur das Denken der Menschen und die religiöse Landschaft, sondern auch die finanziellen und personellen Ressourcen geändert hätten. Die Kirche müsse auch in Zukunft so aufgestellt sein, dass Gott im Blick bleibe. „Wir haben eine großartige Botschaft, die es zu verbreiten gilt.“ Viele Menschen müssten auch mit neuen Formen (z. B. Citypastoral) angesprochen werden. Es gehe um einen Aufbruch und einen Raum für neue Initiativen. Dr. Valentin Dessoy von „kairos“, der die Entstehung der Strategischen Ziele in den letzten Jahren als externer Berater begleitet hatte, verwies darauf, dass diese Ziele auch deutschlandweit einzigartig seien, da sie konkret und überprüfbar einen Weg für die kommenden Jahre vorgäben. Seelsorgeamtsleiter Pfarrer Thomas Renze sprach von einem „großen Schatz an Engagierten im Bistum“, wo sich tausende Ehrenamtliche betätigten. Als Beispiel nannte er das Wachstum der Jugendverbände in den vergangenen fünf Jahren. „Da wir mit den Strategischen Zielen einen Aufbruch in die Zukunft unserer Kirche wagen, ist es wichtig, hier in die Menschen auch finanziell zu investieren“, unterstrich Finanzdirektor Gerhard Stanke. Dafür sei ein Sonderhaushalt von fünf Millionen Euro geplant.

Verbindliche Zielsetzungen bis 2030
Im vergangenen Jahr ist ein Entwurfstext der Strategischen Ziele bistumsweit auf allen Ebenen diskutiert worden. Vier Konsultationsveranstaltungen mit insgesamt ca. 900 Teilnehmern haben von April bis Juni 2016 in Amöneburg, Freigericht, Kassel und Fulda stattgefunden. Bis Ende Juli vergangenen Jahres sind 201 ausführliche schriftliche Rückmeldungen im Bischöflichen Generalvikariat eingegangen und dort gesichtet, systematisiert und bearbeitet worden. Bis Februar 2017 fand auf Grundlage dieser Rückmeldungen die Überarbeitung des Textes statt, die in Februar und März nochmals den Bistumsgremien sowie verschiedenen Berufsgruppen vorgestellt wurde. Seit Mai dieses Jahres liegen die „Strategischen Ziele zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda“ in Endfassung vor.

Theologische Hinführung, Pastorales Handeln, Sozialgestalt
Den Strategischen Ziele zur Ausrichtung der Pastoral geht ein Vorwort des Bischofs sowie eine theologische Hinführung zur Vergewisserung der Grundlagen voraus. Der Text ist in die Hauptkapitel Pastorales Handeln und Sozialgestalt gegliedert. Im ersten Kapitel sind die kirchlichen Grundvollzüge (Liturgie, Glaubenszeugnis, Diakonie, Gemeinschaft) sowie grundlegende Perspektiven kirchlichen Handelns beschrieben. Der zweite Hauptteil unterscheidet zwischen den Verwaltungsebenen Pfarrei und Bistum und stellt Zielformulierungen zur Pfarrei als Netzwerk Pastoraler Orte sowie zu den diözesanen Rechtsträgern und Einrichtungen vor. Den Anhang bilden die Grundsätze zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda vom Advent 2014 sowie ein Glossar.

Was ist neu an den Strategischen Zielen?
Neben der neuen Gliederung, dem Vorwort und der theologischen Hinführung sind Zielformulierungen zu Ökumene, Weltkirche, Schöpfungsverantwortung und sozialer Gerechtigkeit in den Text eingeflossen. Mit Familien, Hochschulen, Verbänden oder Orden und Geistlichen Gemeinschaften sind einige Pastorale Orte im Netzwerk der Pfarrei ergänzend aufgeführt. Gleiches gilt für die Personalgemeinden in ihrer Eigenschaft als Pastoraler Ort (muttersprachliche Gemeinden, Hochschulgemeinden, Gemeinden der Militärseelsorge). Außerdem steht der konsultierte Planungsrahmen von 45 Pfarreien bis ins Jahr 2030 im Bistum Fulda nun fest. Zudem ist eine Zielformulierung zur Prävention sexuellen Missbrauchs neu enthalten. Auf Ebene des Bistums sind die Einrichtungen sozialer Betreuung und Unterstützung, die Theologische Fakultät oder die Bistumsorganisation als solche neu aufgeführt.

Hohe Verbindlichkeit und Überprüfbarkeit
Im Zuge der Überarbeitung hat darüber hinaus eine Verfeinerung der Zeithorizonte stattgefunden. Jedem Zielerreichungskriterium ist nun eine Zeitmarkierung zugeordnet, bis wann das Ziel umgesetzt und erreicht sein soll. Neu ist ebenfalls die Benennung von Zuständigkeiten für Umsetzung und Evaluation der Strategischen Ziele, die neben der größeren Plastizität eine höhere Verbindlichkeit und zuverlässige Überprüfbarkeit der Zielerreichung ermöglicht.

„zusammen wachsen“ - Das lebendige Kreuz
Das neue Signet zum Bistumsprozess besteht aus drei Figuren in den Farben Blau, Rot und Gelb, die unter dem Motto zusammen wachsen ein lebendiges Kreuz bilden. Jede der Figuren steht für eine Dimension im Bistumsprozess, der von spirituellen, pastoralen und strukturellen Fragen und Anliegen geprägt ist: Glaube öffnet, Glaube bewegt und Glaube verbindet. Auch die Umsetzung der Strategischen Ziele soll von diesen drei Dimensionen durchdrungen sein. Die geistliche Dimension ist dabei die Grundlage und Inspiration für das kirchliche Handeln insgesamt.


Inhaltliche Schwerpunkte

Die Pfarrei als Netzwerk Pastoraler Orte
Inhaltlich leitend für die Strategischen Ziele ist das Bild von der Pfarrei als Netzwerk Pastoraler Orte, das kirchliches Leben an vielen kirchlichen und nichtkirchlichen Knotenpunkten im unmittelbaren Nahraum auf dem Territorium der Pfarrei möglich macht. Die verschiedenen Pastoralen Orte sind aufeinander bezogen, kooperieren miteinander und nutzen Synergien. Zu den Pastoralen Orten zählen Einrichtungen oder einzelne Projekte und Initiativen genauso wie Personengruppen. Die Verantwortung an den Pastoralen Orten liegt bei vom Bischof oder Pfarrer beauftragten Laien. Mehrere Pastorale Orte können sich zu Gemeinden zusammenschließen und gemeinsam Verantwortung für ein lokal begrenztes Gebiet übernehmen.

Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen
Die Strategischen Ziele unterstreichen den Auftrag aller Getauften, das kirchliche Leben verantwortlich mitzugestalten. Als Trägerinnen und Träger der Seelsorge haben sie Anteil an der kirchlichen Verkündigung. Priester und Hauptamtliche unterstützen und begleiten sie an den verschieden Pastoralen Orten als „Ermöglicher“ auf diesem Weg. Die Zusammenarbeit zwischen den Ehren- und Hauptamtlichen geschieht im Wissen um den Reichtum der verschiedenen Beauftragungen, Charismen, Dienste und Ämter und ist von gegenseitiger Wertschätzung geprägt.

Missionarisch Kirche sein
Die kirchlichen Angebote sind am Verständnis der missionarischen Kirche ausgerichtet, einer Kirche, die dort ist, wo die Menschen sind. Sie richten sich an alle Menschen gleichermaßen – egal wie nah oder fern sie der Kirche stehen. Der Schwerpunkt in der Pastoral wird zunehmend auf diejenigen gerichtet sein, die kirchliche Angebote noch nicht oder nicht regelmäßig nutzen. Um am jeweiligen Sozialraum ausgerichtete Angebote machen zu können, sind diese an den verschiedenen Zielgruppen und Milieus, deren Bedürfnissen, Anliegen und Fragen orientiert und in den unterschiedlichen Bereichen der Grundvollzüge von Kirche (Liturgie, Glaubenszeugnis, Diakonie, Gemeinschaft) von den Adressaten her gestaltet.

Vereinfachung der Verwaltung
Das Bistum Fulda wird bis zum Jahr 2030 in 45 Pfarreien mit jeweils 4.000 bis 20.000 Mitgliedern gegliedert sein. Mitarbeitende Priester aus dem Ausland werden in zwei Drittel der 45 Pfarreien unterstützend tätig sein. Mit der Neustrukturierung von Pfarreien und der Bildung von größeren Einheiten geht die Vereinfachung der Verwaltung einher. Die Entlastung in diesem Bereich schafft neue Freiräume für die Seelsorge. Geschäftsführende Tätigkeiten werden in den neugegründeten Pfarreien beispielsweise von hauptamtlichen Verwaltungsleitungen übernommen. Über die Einrichtung von Zentralen Pfarrbüros werden die pfarramtlichen Aufgaben und Verwaltungsabläufe zentralisiert, in Kontaktstellen sind darüber hinaus Ansprechpartner an verschiedenen weiteren Orten vertreten.

Finanzielle Sicherung der pastoralen Maßnahmen
Die Verwendung der finanziellen Ressourcen im Bistum Fulda dient dazu, die Seelsorge im beschriebenen Rahmen zu ermöglichen und die kirchlichen Angebote, die in den Strategischen Zielen aufgeführt sind, auf die Zukunft hin zu sichern. Vor dem Hintergrund der Neuausrichtung der Pastoral wird ein Sonderhaushalt bereitgestellt, der - vorbehaltlich der Zustimmung der verantwortlichen Gremien (Diözesaner Vermögensverwaltungsrat, Konsultorenkollegium, Kirchensteuerrat) - fünf Millionen Euro umfassen wird. Der weitere Planungsrahmen ist auf fundierte Prognosen bezogen und sieht angesichts der perspektivisch rückläufigen Kirchensteuereinnahmen ab 2020 bis 2030 eine schrittweise Reduktion der Ausgaben um 2 Millionen Euro pro Jahr im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr vor. Ebenso wird der pastoral genutzte und vom Bistum bezuschusste Immobilienbestand an den Bedarf und die Finanzierbarkeit des Gebäudeunterhalts angepasst: Bezuschusste Gebäudeflächen sind bis 2030 in Summe um 50 Prozent reduziert im Vergleich zum Stand vom 31. Dezember 2015.

Umsetzung der Strategischen Ziele
Das Bistum Fulda verpflichtet sich dazu, alle zur Umsetzung der Strategischen Ziele benötigten Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Neben den Veränderungen in den Pfarreien und Einrichtungen ist eine Restrukturierung der Bischöflichen Verwaltung vorgesehen. Mit der Überführung der Strategischen Ziele in die Praxis sowie der Evaluation der Zwischenergebnisse und Ergebnisse werden verschiedene Einrichtungen und Stellen befasst sein, die in den Strategischen Zielen verbindlich genannt sind. Fünf Projektgruppen werden ab September 2017 in den Bereichen Pastoral, Strukturen und Prozesse, Personal, Bildung sowie Immobilien und Finanzen inhaltlich an der Umsetzung arbeiten. Darüber hinaus wird es eine Arbeitsgruppe geben, die die spirituelle Dimension des Prozesses wachhält und einbringt. Auf Ebene der Teilprojekte ist die Mitarbeit von vielen Interessierten in den unterschiedlichen Bereichen ausdrücklich erwünscht.

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Hintergrund


Die katholische Kirche in Deutschland ist Bestandteil einer Gesellschaft, in der sich dauernd Veränderungsprozesse vollziehen, und verändert sich in vielen Bereichen selbst. Von Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft als Ganzes sowie von Entwicklungen, die sich auf die kirchlichen Strukturen im Inneren beziehen, ist dabei auch das Bistum Fulda betroffen. Wie die anderen deutschen Bistümer steht die Kirche von Fulda vor der Herausforderung, ihren Weg in die Zukunft zu gestalten. Es gilt, im Licht des Evangeliums neue Wege und Formen zu finden, wie es in dieser Zeit unter den veränderten Bedingungen gelingen kann, Kirche für alle Menschen zu sein.

Warum „Bistum Fulda 2030“?
Mit der Zeitmarkierung 2030 ist der Horizont umschrieben, in welchem entscheidende pastorale Maßnahmen und Strukturentwicklungen zur Zukunft des Bistums Fulda umgesetzt sein werden. Das Spektrum reicht dabei von der Bildung von flächendeckenden Netzwerken aus verschiedenen Pastoralen Orten in den Pfarreien über bestimmte Strukturprozesse vor Ort (Neugründung von Pfarreien, Entwicklung des Pfarrbüros der Zukunft) bis hin zu Unterstützungsmöglichkeiten seitens des Bistums (Begleitung durch die Gemeindeberatung, Einstellung hauptamtlicher Verwaltungsleiter, bistumsweite Bereitstellung eines umfassenden IT-Konzeptes).

Entwurfstext, Konsultation, Strategische Ziele
Eine vom Bischof beauftragte Projektgruppe hat von 2014 bis 2016 einen Entwurf für Strategische Ziele zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda erarbeitet, die auf die veränderten Bedingungen in Gesellschaft und Kirche antworten. Die Ziele konkretisieren die in den Grundsätzen für die Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda enthaltenen Überlegungen und stellen konkrete und verbindliche Maßnahmen für die Gestaltung der Zukunft im Bistum Fulda vor. Nach der bistumsweiten Konsultation des Entwurfspapiers von April 2016 bis März 2017 werden die Strategischen Ziele von Bischof Heinz Josef Algermissen zu Pfingsten 2017 in Kraft gesetzt. Die Inkraftsetzung und Veröffentlichung der Strategischen Ziele ist gleichsam der offizielle Startpunkt für deren Umsetzungsphase, während derer sie in den kommenden Jahren durch das kirchliche Wirken auf allen Ebenen des Bistums in die Praxis überführt werden.

Strategische Ziele online
Die Strategischen Zielen zur Ausrichtung der Pastoral im Bistum Fulda sowie alle begleitenden Materialien und aktuellen Informationen zur Umsetzungsphase sind online unter www.2030.Bistum-Fulda.de abrufbar.

01.06.2017


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Redaktion: Christof Ohnesorge

 

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