Bistum Fulda

Persönliche Verbundenheit mit Christus pflegen

Traditioneller Priestertag im Kolpinghaus – Kardinal Kasper sprach vor rund 200 Geistlichen  
Im Kolpinghaus v. l. n. r. am Tisch: Kardinal Walter Kasper, Weihbischof Dr. Karlheinz Diez, Bischofssekretär Dirk Gärtner, gegenüber dann Weihbischof Johannes Kapp, Bischof Heinz Josef Algermissen und Generalvikar Dr. Gerhard Stanke

Fulda/Hanau/Kassel/Marburg (bpf). „Die Kirche als Versammlung lebt wesentlich von der Sammlung ihrer Priester auf Jesus Christus hin. Wenn sie mit Christus keine persönliche Verbundenheit pflegen, verschwindet ihre Identität.“ Dies betonte Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch beim traditionellen Priestertag der Diözese in Fulda. In einem feierlichen Gottesdienst im Dom, an dem rund 200 Welt- und Ordensgeistliche teilnahmen, rief der Bischof in Erinnerung, dass die Menschen sich jahrtausendelang Götter gemacht hätten. Durch den eindeutigen Satz Jesu Christi „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ wurde all dies beiseitegeschoben. „Gott ist nicht mehr der verborgene Gott. Er zeigt sein Antlitz. Er ist in einem Menschen, in einem ganz bestimmten Menschen, in Jesus aus Galiläa, sichtbar und greifbar geworden.“ Das unablässige Ringen der Menschheit um das Bild des wahren Gottes sei damit beendet, hob Algermissen hervor. „In Jesus ist die endgültige Wahrheit über Gott erschienen.“ Wer von nun an Gott finden wolle, könne nur noch auf Jesus schauen, so der Fuldaer Oberhirte.


Mit großer Dringlichkeit ergebe sich laut Bischof Algermissen die Frage, wer das Bild von Jesus vor willkürlicher Interpretation der Menschen schütze. Man könne darauf nur antworten, dass die Begegnung mit Jesus nicht dem subjektiven religiösen Erleben überlassen bleiben dürfe. Vielmehr sei Jesus in seiner Beziehung zur Kirche zu sehen. Nur wer den von der Kirche verkündigten Christus zur Richtschnur seines Lebens mache, könne dem wahren Jesus begegnen. Diejenigen, die zu den kirchlichen Gemeinden gehörten, seien nicht aus Zwang oder Gewohnheit dabei, sondern aus freier Entscheidung. „Eine Gemeinde, die nicht oder nicht mehr missionarisch ist, die nicht neue Menschen für Jesus Christus gewinnen will, ist eigentlich tot“, stellte Bischof Algermissen fest. Missionarisch könne sie aber nur sein, wenn in ihr viele ihr Leben miteinander verbänden. Dann könnten auch die Gemeinden wieder wachsen.


Vortrag über die Krise der Kirche in der westlichen Gesellschaft
Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke begrüßte im Anschluss an den Gottesdienst die im Parkhotel Kolpinghaus versammelten Geistlichen, insbesondere die diesjährigen Jubilare unter den Geistlichen sowie die Missionare, neugeweihten Priester und Diakone und die Pensionäre und erinnerte an die im vergangenen Jahr verstorbenen Geistlichen. In seinem Vortrag „Katholische Kirche wohin? Kirche heute – gestern – morgen“ ging der Ehrengast des Bistums Fulda, der frühere Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper (Rom), auf das Verhältnis von Kirche und gesellschaftlichem Wandel in Deutschland und Europa ein. „Die Krise der Kirche ist vielschichtig“, räumte der Kardinal ein und betonte, dass viele Katholiken hierzulande Schwierigkeiten damit hätten, ihren Glauben an die nächste Generation weiterzugeben.


Kirche in Westeuropa im Umbruch
Die Missbrauchsfälle in der Kirche hätten, wie die gestiegenen Kirchenaustritte 2010 zeigten, zu einem Vertrauensverlust geführt, den man nur langsam wieder gutmachen könne, führte der Referent aus. Überhaupt sei der Kirchenbesuch seit den 50er Jahren in Deutschland massiv zurückgegangen. Die Kirche stehe erst am Anfang eines Umbruchs: „Allein aus demografischen Gründen wird sie in 20 Jahren ganz anders aussehen als heute“, so der Kardinal. In anderen Teilen der Weltkirche wachse die Kirche sogar. Ausgerechnet in den Ortskirchen armer Länder seinen „Hoffnung, Zuversicht und Glaubensfreude“ in besonderem Maße zu spüren. Die katholische Volkskirche, die im 20. Jahrhundert ein „Fels in der Brandung“ gegen die totalitären Regime war und vielen eine geistliche Heimat bot, bestehe in einer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr. „Aller Abschied ist schwer, und Neues kommt nur unter Geburtsschmerzen“, zeigte sich Kasper überzeugt. Die christlichen Kirchen würden zu „großen Minderheiten“ in der Gesellschaft, was zu einer „Diasporasituation neuer Art“ führe, in der sich evangelische und katholische Christen zusammen in einer dem Christentum indifferenten Umgebung wiederfänden.


Die kommende Diasporasituation der Kirche müsse man „im Vertrauen auf Gottes Wort“ als eine Herausforderung ansehen, forderte Kardinal Kasper. Das Christentum werde auch als eine „qualifizierte Minderheit“ (Arnold Toynbee) eine wichtige Rolle in der westlichen Gesellschaft spielen. Dies sei auch in der Frühzeit des Christentums so gewesen. Auf dem Weg nach vorne werde nicht alles Bisherige aufgegeben werden. Man müsse die Krise auch als eine Chance begreifen. „Die Wirklichkeit Gottes ist in der Geschichte oft verdrängt und auch durch Christen entstellt worden, beispielsweise in den Religionskriegen“, erinnerte der Referent. Letztendlich habe dies zu einer Privatisierung und Marginalisierung der Religion in den letzten 200 Jahren geführt.


„Christen müssen ihre Sprachlosigkeit überwinden“
„Der Glaube an einen persönlichen Gott war für frühere Generationen die Regel und ist heute eine Seltenheit geworden“, fuhr der Kardinal fort. Trotz des zunehmenden Werterelativismus sei die Situation aber nicht hoffnungslos, denn es gebe auch in unserem Land eine wachsende Zahl von suchenden Menschen, die spürten, dass durch den Verlust des Gottesglaubens „etwas fehlt“. „Die Christen müssen ihre Sprachlosigkeit überwinden und ihren Glauben selbst neu kennenlernen“, rief Kasper auf. Ohne eine Glaubenserneuerung werde es kaum einen Aufbruch geben. Dringend nötig sei eine „ganzheitliche Katechese“ im kirchlichen Gemeindeleben. Die Kirche sei oft nicht so, dass sie „die Menschen einfach vom Hocker reißt“, sondern sie bestehe eben auch aus sündigen Menschen. Die Gottesfrage und die Frage nach dem Leid müssten in der kirchlichen Verkündigung in den Mittelpunkt gestellt werden. Gemeint sei damit der Gott Jesu Christi. Auch in der Ökumene müsse ein echter Dialog mit konkreten und deutlichen Positionen geführt werden.


Kardinal Kasper verwies auf das Verständnis der Kirche als „communio“, was die Teilhabe aller an der Heilwirklichkeit Jesu Christi beinhalte, und forderte einen kommunikativen, dialogischen Stil in der Kirche, der „nicht feudal, aber auch nicht modern-bürokratisch“ sein dürfe. Dialog in der Kirche solle man nicht mit einer „Demokratisierung“ im politischen Sinne verwechseln, sondern es bedürfe eines der Kirche eigenen Stils. Dialog im Sinne des Konzils meine auch nicht ein „unverbindliches Gespräch“, sondern „dass ich etwas von mir selbst gebe und andere teilhaben lasse“. Damit könne eine Neubelebung synodaler Elemente in den Ortskirchen einhergehen. Mit Zentralismus sei zwar nicht alles zu machen, aber das Petrusamt sei für die Einheit der Weltkirche notwendig. „Ein deutscher Sonderweg wäre völliger Unsinn“, unterstrich der Kardinal. Bedeutsam werde auch in Zukunft der ökumenische Dialog sein, der bereits viele Früchte getragen habe, und der Dialog mit anderen Religionen als einziger Alternative zu religiös motivierter Gewalt. Die Freude an Gott sei eine Stärke, und Freude an sich stecke andere an, Jammern hingegen niemanden, gab Kasper zu bedenken.

13.06.2012


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